Marius Nobach

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Wicked: Teil 2

  • USA 2025
  • R: Jon M. Chu

Zweiter Teil einer Musicalverfilmung über eine ungewohnte Perspektive auf das zauberhafte Land Oz. Nachdem eine magisch begabte junge Frau mit dem Zauberer-Herrscher gebrochen hat und diesen als Betrüger zu entlarven versucht, gilt sie offiziell als „Böse Hexe des Westens“. Ihre Versuche, Verbündete zu finden, darunter ihre gutherzige Freundin aus Studienzeiten, haben zunächst keinen Erfolg, während ihre Gegner einen Wirbelsturm heraufbeschwören, der bis in den US-Staat Kansas Auswirkungen hat. Wie der erste Teil besticht der Film durch Sorgfalt und Detailreichtum in Inszenierung und Ausstattung sowie durch hervorragende Darstellung. Die Handlung erscheint zwar weniger geradlinig, gewinnt durch das sich wandelnde Verhältnis zwischen den weiblichen Hauptfiguren aber ein überzeugendes emotionales Kraftzentrum.

How To Make a Killing

  • Frankreich 2024
  • R: Franck Dubosc

Ein verschuldeter Baumverkäufer aus dem Juragebirge weicht auf der Straße einem Bären aus und führt dadurch unbeabsichtigt den Tod zweier Menschen herbei. Statt der Polizei vertraut er sich nur seiner Frau an, mit der zusammen er im Wagen der Toten eine große Geldsumme entdeckt. Beim Versuch, ihre Verwicklung in die Todesfälle zu vertuschen, bringen sie jedoch sowohl den örtlichen Polizisten als auch die Hintermänner der Toten auf ihre Spur. Ein winterlicher Thriller, der schwarzen Humor und Gewaltszenen im Stil der Coen-Brüder einsetzt, aber mit viel Sympathie auf seine vom Leben gebeutelten Figuren blickt. Ihnen kommt die souveräne Inszenierung immer näher, bis sich hinter ihrer Schroffheit und dem Flirt mit der Amoral Einsamkeit und das Bedürfnis nach menschlicher Nähe offenbaren.

Chaplins Professor - Max Linder

Als gewitzter Lebenskünstler mit Frack und Zylinder begeisterte der Franzose Max Linder Anfang des 20. Jahrhunderts das Kinopublikum weltweit. Der erste Komiker-Star der Filmgeschichte war Vorbild für Charlie Chaplin und entwickelte als Regisseur, Autor und Hauptdarsteller äußerst einfallsreich das noch junge Medium weiter. Viele seiner Filme wirken auch heute noch ausgesprochen modern und überraschen mit originellen Gags und formalen Ideen. Eine Würdigung von Max Linder, der am 1. November 1925 mit nur 41 Jahren durch Suizid starb – dessen Filme aber unsterblich bleiben.

Nur für einen Tag

  • Frankreich 2025
  • R: Amélie Bonnin

Eine Köchin erfährt wenige Tage vor der Eröffnung ihres eigenen Restaurants in Paris vom Herzinfarkt ihres Vaters und reist in die französische Provinz, wo ihre Eltern eine Autobahn-Gaststätte betreiben. Obwohl der Vater ihre Hilfe trotz seines geschwächten Zustands zurückweist, kehrt die Köchin nicht um, sondern stellt im Kontakt mit dem Heimatort und alten Freunden die vermeintlichen Gewissheiten ihres Lebens infrage. Ein um Generations- und Klassenkonflikte kreisendes Drama, in dem die Figuren ihre Gedanken immer wieder in Liedern aus dem Repertoire der Populärkultur vortragen, was die Provinztristesse übertüncht. Zwar lösen sich manche der Konflikte etwas einfach auf, doch in seiner Bescheidenheit, die auch die bewusste Nichtperfektion der Musical-Elemente umfasst, erscheint der Film sehr einfühlsam und herzlich.

Was uns verbindet

  • Frankreich 2024
  • R: Carine Tardieu

Als das Ehepaar aus der Nachbarwohnung zur Entbindung ins Krankenhaus muss, erklärt sich eine alleinstehende Buchhändlerin Mitte 50 bereit, auf deren kleinen Sohn aufzupassen. Doch als die Mutter bei der Geburt stirbt, entwickelt die Nachbarin zu dem Jungen, dem verwitweten Vater und dem Neugeborenen eine tiefe Bindung, auch wenn sie dabei austarieren muss, wo ihre Grenzen sind. Ein warmherziges Porträt einer Frau, die sich in einem Leben als Single eingerichtet hat und sich darin wohlfühlt, aber durch die Umstände unversehens in eine Familie hineinwächst, ohne die klassische Mutterrolle übernehmen zu wollen. Ein unaufgeregtes Drama, das von überzeugenden Darstellern und liebevoll gezeichneten Figuren getragen wird.

Ohne Berührungsängste: Zum Abschluss des Filmfests München 2025

Das 42. Filmfest München präsentierte sich in gewohnter Vielfalt, ohne sich dem Zwang zu unterwerfen, beständig neue Pfade zu erkunden. Das deutsche Kino überraschte durch seine formale Stärke, die internationalen Premieren bewegten sich auf verlässlichem Niveau. Am meisten punktete das Filmfest München aber durch seine große Beständigkeit.

Jurassic World: Die Wiedergeburt

  • USA 2025
  • R: Gareth Edwards

Rund 30 Jahre, nachdem es der Gentechnik gelungen ist, Dinosaurier zu züchten, sind die Urzeitechsen fast alle zugrunde gegangen. Um bei drei der größten Saurier-Arten Gewebeproben zu entnehmen, die zu einem bahnbrechenden Medikament führen könnten, begibt sich ein kleines Team auf eine tropische Insel und liest unterwegs noch einige Schiffbrüchige auf. Doch auf der Insel, die einst geheime Labore beherbergte, lauern mehr als die erwarteten Gefahren. Der siebte Teil der „Jurassic Park“-Filmreihe versucht sich an einem Neuansatz und will an den aufregend-abenteuerlichen Geist der Anfänge anknüpfen. Handlung und Figuren fehlt es aber an originellen Ideen, weshalb der Film sich in seinen Schauwerten erschöpft, die auf Dauer redundant werden.

Filmfest München: Lust aufs Unkonventionelle

Selbstbewusst erhebt das 42. Filmfest München den Anspruch, „Plattform Nr. 1 für das deutsche Filmschaffen“ zu sein. Es präsentiert eine ungewöhnlich hohe Zahl an experimentell angelegten und skurrilen deutschen Premieren. Ehrgeiz verrät auch die wachsende Zahl internationaler Weltpremieren. Ansonsten setzt das Programm aus 164 Filmen auf Bewährtes und zeigt deutsche und andere Highlights von A-Festivals wie Cannes, Venedig und San Sebastián.

Black Tea

  • Frankreich 2024
  • R: Abderrahmane Sissako

Am Tag ihrer Hochzeit entscheidet sich eine junge Ivorerin, die Zeremonie nicht zu vollziehen, sondern nach China auszuwandern, wo sie in einem Viertel mit anderen afrikanischen Einwanderern und Einheimischen Anschluss und Arbeit in einem Teeladen findet. Zu dessen Besitzer entsteht eine zarte professionelle wie private Beziehung, der jedoch eine unverarbeitete Episode aus der Vergangenheit im Weg steht. Ein mit großer Behutsamkeit inszeniertes Drama, das laute Töne meidet und sensibel und warmherzig die Gefühle der verschlossenen Figuren greifbar macht. Details afrikanischer und asiatischer Kultur entfalten sich in völliger Selbstverständlichkeit nebeneinander, wobei der Film das Glück eines kooperativen Zusammenlebens farbenfreudig und suggestiv ausmalt.

Monsieur Aznavour

  • Frankreich 2024
  • R: Grand Corps Malade

In den 1930er-Jahren entdeckt Charles Aznavourian, Sohn nach Frankreich emigrierter Armenier, seine Gesangsbegabung. Mit seinem musikalischen Partner Pierre Roche wird er von der Chanson-Ikone Edith Piaf gefördert, doch bis zum Triumph als Solo-Künstler mit eigenen Liedern hat er mit vielen Rückschlägen zu kämpfen. Die gediegene Filmbiografie von Charles Aznavour (1924-2018) behandelt vor allem dessen frühe Jahre von der Kindheit in Armut bis zum internationalen Durchbruch und zeichnet mit ausgezeichneten Darstellern seine musikalische Genese nach. Daneben werden die Zeitgeschichte und Aznavours politisch-gesellschaftliches Engagement arg in den Hintergrund gedrängt, während der Film insbesondere im letzten Drittel, das sechzig Lebensjahre im Schnelldurchlauf abhandelt, erzählerisch zu viele Details unterzubringen versucht.

Lola mit großem E: Deutscher Filmpreis 2025

Bei der 75. „Lola“-Verleihung dominierte der Olympia-1972-Thriller „September 5“ seine Mitkonkurrenten nach Belieben und fuhr mit neun Auszeichnungen einen Start-Ziel-Sieg ein. Aber auch „Die Saat des heiligen Feigenbaums“ und andere Filme setzten Akzente bei der Verleihung. Der Versuch, ernste Gesellschaftslage und fröhliche Feierstimmung zusammenzubringen, glückte angesichts der spürbaren Verunsicherung in der Branche und durch die Nachricht vom Tod Margot Friedländers allerdings nur teilweise.


Berliner Arsenal-Kino würdigt Vittorio De Sica

Das Berliner Kino Arsenal bespielt derzeit mit seinen Filmretrospektiven wechselnde Spielstätten. Das tut dem Ehrgeiz des Programms aber keinen Abbruch. Im Mai 2025 würdigt das Arsenal den italienischen Regisseur Vittorio De Sica mit einer Filmreihe. Diese umfasst acht seiner Regiearbeiten zwischen „Schuhputzer“ (1946) und „Der Garten der Finzi Contini“ (1971) sowie fünf Filme, in denen er als Schauspieler für andere Filmemacher vor die Kamera trat.

Ins Herz schauen – Hans Andreas Guttner

Der deutsch-österreichische Dokumentarist Hans Andreas Guttner war einer der ersten Filmemacher, der in seinen Filmen die Lebens- und Erfahrungswelt von türkischen und italienischen „Gastarbeitern“ in Deutschland abbildete. Mit seiner Pentalogie „Europa – ein transnationaler Traum“ (1979-1996) setzte er Maßstäbe. Auch in anderen Filmen bezeugte er eine besondere Vertrautheit mit den Porträtierten, unter gleichzeitiger Wahrung einer respektvollen Distanz. Im April 2025 ist er knapp 80-jährig gestorben.

Das Licht in den Birkenwäldern

  • Ungarn 2020
  • R: Dénes Nagy

Im Zweiten Weltkrieg suchen von der deutschen Armee rekrutierte ungarische Soldaten in unwirtlichen Regionen der Sowjetunion nach Partisanen. Ein ungarischer Gefreiter gerät dabei bei der Besetzung eines Dorfes in einen Gewissenskonflikt, kann aber mit kleinen Gesten der Menschlichkeit den brutalen Umgang mit den Dorfbewohnern nicht verhindern. Ein in Braun-, Grün- und Grautönen gehaltenes Kriegsdrama, das aus der Innenperspektive das Erleben eines Zustandes permanenter Gefahr und Angst abbildet. Der dialogarme Film deutet die historischen Hintergründe nur an, behält die humane Verantwortung des Einzelnen aber stets im Blick.

Rosetta mit einem Lächeln - Nachruf auf Émilie Dequenne

Schon mit ihrem ersten Film „Rosetta“ über eine junge Belgierin aus prekären Verhältnissen erwies sich die 17-jährige Émilie Dequenne als schauspielerisches Naturtalent und wurde 1999 in Cannes ausgezeichnet. Ihr Durchbruch in dem Sozialdrama führte in Frankreich und Belgien zu weiteren anspruchsvollen Rollen in dramatischen Stoffen, aber auch in Komödien, in denen sie selbstbewusste und eigensinnig agierende Frauen verkörperte. Mit 43 Jahren ist sie an einer aggressiven Krebserkrankung gestorben.


Ein Flair von weiter Welt - Deutscher Filmpreis 2025: Nominierungen

Das Olympia-Attentatdrama „September 5“ und der Iran-Thriller „Die Saat des Heiligen Feigenbaums“ sind die Favoriten für den 75. Deutschen Filmpreis 2025. Bei der Bekanntgabe der „Lola“-Auswahl am 17. März entfielen auf die beiden auch international sehr beachteten Filme zehn beziehungsweise sechs Nominierungen. Aber auch Andreas Dresens „In Liebe, Eure Hilde“ und der musiknostalgische Historienfilm „Köln 75“ können sich Hoffnungen auf die Preise machen.


Fürs Kino brennen - Die Oscar-Verleihung 2025

Das Rennen um die 97. „Oscars“ präsentierte sich vor der Verleihung am 2. März 2025 so offen wie selten. Mit dem als Thriller aufgebauten Papstwahl-Drama „Konklave“, dem Architekten-Epos „Der Brutalist“ und der Independent-Dramödie „Anora“ um eine US-Stripperin und einen russischen Oligarchensohn hatten sich mehrere Filme gleichberechtigt in Stellung gebracht. Bei der Gala wurden die Preise insgesamt unter den nominierten Werken verteilt, am Ende gab es aber doch einen eindeutigen Sieger.


Berlinale 2025: Magerkost statt Magie - Ein Fazit

Als Jubiläumsausgabe und erster Jahrgang unter der Leitung der US-Amerikanerin Tricia Tuttle hatte die 75. Berlinale im Vorfeld einige Erwartungen geschürt. Doch von Glanz konnte keine Rede sein. Die neue Intendantin weckte keine Hoffnungen auf einen großen Aufbruch. Ein gutes Niveau in den Nebensektionen und achtbare Jury-Entscheidungen verbergen nicht, dass die Berlinale in einer künstlerischen, durchaus auch selbstverschuldeten Krise steckt.


Berlinale 2025: Nicht jeder Schrei verhallt ungehört

In vielen Filmen, die auf der Berlinale 2025 liefen, standen Pflegekräfte im Zentrum, die hilfsbedürftigen Menschen zur Seite stehen und nicht nur medizinischen Beistand, sondern auch ein offenes Ohr haben. Doch oft ist auch ihre Überforderung und Verlorenheit zu sehen, die ihnen ihre Aufgaben zusätzlich erschweren. Zum Glück verhallt nicht jeder Schrei um Beistand ungehört.

 

Die Wärterin

  • Dänemark 2024
  • R: Gustav Möller

Eine Gefängniswärterin arbeitet in einer Abteilung, in der die Verurteilten kooperativ bei der Resozialisierung unterstützt werden. Als jedoch der Mann in das Gefängnis verlegt wird, der ihren eigenen Sohn umgebracht hat, lässt sie sich in den Hochsicherheitstrakt versetzen. Ohne ihr Geheimnis zu verraten, beginnt sie den Häftling zu schikanieren. Doch nach einem Gewaltausbruch kehrt sich das Spannungsverhältnis um. Der hochkonzentrierte Gefängnisthriller scheint zunächst auf ein genreübliches Kräftemessen hinauszulaufen, bricht dies aber zusehends auf und entwickelt sich zum spannungsgeladenen Drama zwischen zwei unberechenbaren Charakteren. Dabei versagt sich der Film eindeutige Urteile und löst schrittweise allzu klare moralische Gewissheiten auf.

Berlinale 2025: Ökumenischer Empfang

Die gegenwärtige Gesprächskultur leide darunter, dass der Dialog so schnell polarisiert würde, beschrieb die EKD-Bevollmächtigte Anne Gidion beim Ökumenischen Empfang während der Berlinale die digital überhitzte Öffentlichkeit. Und Gastredner Lars Henrik Gass regte zur „Ideologieunterbrechung“ an, um die destruktiven Folgen des politischen Aktivismus in Grenzen zu weisen.


Berlinale 2025: Der Auftakt

Mit Tom Tykwers „Das Licht“ ist die 75. Berlinale eröffnet worden. Das 162-minütige Werk strotzt vor Ideen und will hochrelevante Themen von Flüchtlingsschicksalen bis zum Klima-Aktivismus mit immer neuen filmischen Wendungen zum Überwältigungskino aufblasen. Doch die Ambitionen stehen sich gegenseitig im Weg und bringen einen bizarr überkonstruierten Film hervor. Über einen holprigen Start in die Berlinale-Ära der neuen Intendantin Tricia Tuttle.


Das Programm der 75. Berlinale

Das Programm für die 75. Ausgabe der Berlinale (13.-23.2.) verspricht keine Revolution, aber einen interessanten Jahrgang. Neben internationalen Filmgrößen wie Richard Linklater, Michel Franco und Lucile Hadzihalilovic und vielen eher unbekannten Regisseur:innen sind auch zwei deutsche Filme in der Auswahl gelandet.


Paddington in Peru

  • Großbritannien 2024
  • R: Dougal Wilson

Der freundliche kleine Bär Paddington reist mit seiner englischen Menschenfamilie in seine Heimat Peru, als er beunruhigende Neuigkeiten über seine Tante erfährt. Als sie ankommen, ist sie verschwunden. Da ihre Spuren in den Amazonas-Dschungel führen, finden sich die Besucher unverhofft auf einer gefahrvollen Suche nach der alten Bärin und überdies auch nach der Goldstadt El Dorado wieder. Der dritte Kinofilm um die liebenswerte Kinderbuch-Figur setzt geradliniger als die Vorgänger auf Abenteuer- und Actionmomente, findet aber weiterhin Raum für hintergründigen Humor, leichte Dramatik und skurrile Filmzitate. Trotz gewisser erzählerischer Abnutzungserscheinungen sorgt insbesondere die entwaffnend gutmütige Hauptfigur für ansprechende kindgerechte Unterhaltung.

Poison - Eine Liebesgeschichte

  • Luxemburg 2024
  • R: Désirée Nosbusch

Ein früheres Ehepaar trifft sich zehn Jahre nach dem tödlichen Unfall ihres Sohnes wieder, weil dessen Grab möglicherweise verlegt werden muss, nachdem im Boden des Friedhofs Giftstoffe entdeckt wurden. Das Paar, das seither jeden Kontakt gemieden hatte, gerät beim Warten auf die Verantwortlichen in einen Disput über die unverarbeiteten Fragen nach Mitschuld am Tod des Kindes. Aber auch über den angemessenen Umgang mit der Trauer, zumal der Mann eröffnet, wieder liiert zu sein. Eine Verfilmung eines Zweipersonen-Stücks, die mit ausgezeichneten Darstellern und einer filmisch gelungenen Öffnung der Grenzen von Schauplatz und Handlungszeitraum den angestoßenen Themen eine angemessene Intensität verleiht.

Die „Oscar“-Nominierungen

Mit „Emilia Pérez“ geht ein genresprengendes spanischsprachiges Musical eines Franzosen als ein Favorit in die 97. „Oscar“-Verleihung in der Nacht vom 2. auf den 3. März. Bei der Bekanntgabe der Nominierungen wurde Jacques Audiards Film 13-mal bedacht und teilt sich damit die „Oscar“-Bühne mit der Tragikomödie „Anora“ und dem Epos „Der Brutalist“. Dank Edward Bergers Papstwahl-Thriller „Konklave“ und anderen Filmen sind auch die Deutschen wieder prominent in der Auswahl vertreten.


In Memoriam… 2024

In die Vorfreude aufs neue (Kino-)Jahr mischt sich die Trauer um die Filmschaffenden, die 2024 verstorben sind. Die Erinnerung an sie ist auch eine Passage durch Jahrzehnte der Filmgeschichte, in die sie sich auf die ein oder andere Weise eingeschrieben haben, vor oder hinter der Kamera. Neben großen Stars wie Maggie Smith, Donald Sutherland oder Alain Delon werden dabei auch Künstler:innen gewürdigt, die weniger prominent sind, die Entwicklung des Mediums aber mitgeprägt haben.


Die leisen und die großen Töne

  • Frankreich 2024
  • R: Emmanuel Courcol

Ein erfolgreicher Dirigent erkrankt an Leukämie und erfährt bei der Suche nach einem Knochenmarkspender, dass er adoptiert wurde und in einem nordfranzösischen Ort einen Bruder hat. Zuerst scheinen er und der vom Leben nicht beschenkte Hilfsarbeiter wenig Berührungspunkte zu haben. Doch dann finden sie eine gemeinsame Basis in der Musik, da der jüngere Bruder als Posaunist in einer Blaskapelle spielt. Vor einem lokalen Wettbewerb kommt die Hilfe des Dirigenten gerade recht. Eine Mischung aus anrührendem Geschwisterdrama und Komödie vor realistischem sozialem Hintergrund, in der mit viel Emphase die zusammenführende Kraft der Musik beschworen wird. Neben den ausgezeichneten Schauspielern besticht auch die mitfühlende Zeichnung einer marginalisierten Region.

Wicked

  • USA 2024
  • R: Jon M. Chu

Erster Teil einer Musicalverfilmung, die sich dem Kosmos des „Zauberers von Oz“ aus ungewohnter Perspektive nähert. Im Zentrum steht die spätere Böse Hexe des Westens, die in ihrer Jugend wegen ihrer grünen Hautfarbe gemobbt wird. Dank ihrer Klugheit, Empfindsamkeit und mit ihren magischen Fähigkeiten erwirbt sie sich den Respekt ihrer Lehrer und die Freundschaft einer oberflächlichen, aber gutherzigen Mitstudentin. Doch beunruhigende Vorgänge in Oz drängen sie zusehends zu einer Positionierung mit weitreichenden Folgen. Das aufwändige, ausgezeichnet besetzte Musical weiß seine Laufzeit klug zu nutzen, um die Figuren nuanciert zu gestalten und ihre Verletzlichkeit und Stärken auszumalen. Als außergewöhnlicher Unterhaltungsfilm überzeugt es dabei ebenso wie in seinem unterschwelligen Appell gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von Schwächeren.

Emilia Pérez

  • Frankreich 2024
  • R: Jacques Audiard

Ein berüchtigter mexikanischer Kartell-Boss heuert eine Anwältin als Helferin für einen außergewöhnlichen Dienst an: Der insgeheim transsexuelle Verbrecher will eine geschlechtsangleichende Operation durchführen lassen, seinen Tod vortäuschen und fortan sorglos als Frau leben. Tatsächlich gelingt der Plan. Doch die gewaltsame Vergangenheit bleibt auch in der neuen Identität nicht außen vor. Die skurrile Geschichte schlägt erzählerisch zahlreiche melodramatische Haken, bleibt im Einbezug der Kartellgewalt aber realistisch grundiert und gleitet auch nicht dadurch ins Märchenhafte ab, dass die Handlung durch zahlreiche Gesangs- und Tanzeinschübe als Musical präsentiert wird. Im Kern kreist der formal beeindruckende Film durchaus fatalistisch um die Unmöglichkeit, dem eigenen Schicksal zu entfliehen.