Bernd Buder

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Tata

  • Rumänien 2024
  • R: Lina Vdovii

Die Journalistin Lina Vdovîi verließ als junge Frau ihr Dorf in Moldawien, weil sie den gewalttätigen Übergriffen ihres Vaters entkommen wollte. 25 Jahre später erhält sie einen Hilferuf von ihm, weil er in Italien von seinem Arbeitgeber fürchterlich schikaniert wird. Parallel zur investigativen Recherche über den Missbrauch des Arbeitgebers setzt sich die Reporterin einer schmerzhaften Reise in die eigene Familiengeschichte aus. Ein schmerzhafter Dokumentarfilm über familiäre Gewalt und den Teufelskreis aus Schlagen und Geschlagenwerden, bei dem traumatische Erfahrungen über Generationen hinweg weitergegeben werden.

Fanni - Oder: Wie rettet man ein Wirtshaus?

  • Deutschland 2024
  • R: Hubert Neufeld

Im bayerischen Pischelsdorf richten Dorfbewohner ihr seit 40 Jahren leerstehendes Gasthaus wieder her und füllen damit die leerstehende soziale Mitte des Ortes mit neuem Leben. Der Dokumentarfilm denkt anhand einer lokalen Geschichte über die Kulturgeschichte des Wirtshauses und dessen Bedeutung für die kollektive Seele nach. Beispielhaft zeigt der Film auf, wie die gemeinsame Wiederbelebung einer brachliegenden Ortsmitte zu neuem Gemeinschaftssinn führt.

Straight Outta Giasing

  • Deutschland 2024
  • R: Raphael Lauer

Dokumentarfilm über den Gründer der Münchner Brauerei Giesinger Bräu, der es vom Garagen-Betrieb bis zum 20-Millionen-Neubau brachte. Der am Protagonisten Steffen Marx und seiner Selfmade-Man-Karriere orientierte Film zeichnet mit vielen Details die Geschäftsentwicklung wie die Braukunst nach. Das Lokalkolorit und der raue Charme des Münchner Arbeiterbezirks spielen hingegen kaum eine Rolle. So ist der Film eher Imagepflege als dokumentarische Auseinandersetzung, dessen Mehrwert sich in erster Linie München- und Bierkennern erschließen dürfte.

Fluchtburg

  • Deutschland 2023
  • R: Bernhard Sallmann

Biografisch-literarische Reflexion über den Schriftsteller Gerhart Pohl, der sich 1932 in ein Holzhaus im Riesengebirge zurückzog, dort die NS-Zeit überlebte und viele Geflüchtete versteckte, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus der heute zu Polen gehörenden Region Schlesien vertrieben wurden. Der Dokumentarfilm denkt in Gestalt einer kontemplativen Collage aus biografischen Details, Textpassagen aus Pohls Schlüsselwerk „Fluchtburg“ und meditativen Landschaftsaufnahmen über einen Menschen nach, der sich angesichts einer zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung dagegen entschied, die Welt nur schwarz und weiß zu sehen.

Nilas Traum im Garten Eden

  • Deutschland 2024
  • R: Niloufar Taghizadeh

Eine alleinerziehende Mutter kämpft in der iranischen Pilgerstadt Maschhad darum, das Sorgerecht für ihre Tochter zu behalten. Diese ist aus einer Zeitehe hervorgegangen, die es schiitischen Männern erlaubt, neben ihrer eigentlichen Ehe zeitlich begrenzte Verbindungen zu führen. Der teilweise mit versteckter Kamera gedrehte Film porträtiert nicht nur das fast symbiotische Mutter-Tochter-Verhältnis, sondern dokumentiert auch den mühseligen Kampf einer Frau und ihrer Tochter um ein selbstbestimmtes Leben in einer patriarchal geführten Gesellschaft. Persönliche Freiräume sind darin aufs Kleinste beschnitten und der Druck auf das Individuum gehört zur Tagesordnung.

Museum of the Revolution

  • Tschechien 2021
  • R: Srdjan Keca

Dokumentarisches Porträt dreier obdachloser Frauen, die sich in der Bauruine des 1961 geplanten und nie fertiggestellten „Museums der Revolution“ in Belgrad eingerichtet haben. Mit kontemplativen Bildern und spielerischem Respekt für die Protagonistinnen reflektiert der Film das Zusammenspiel zwischen Prestigeprojekt und Armutsfalle, Vision und Wirklichkeit und erkundet dabei auch die Seele der serbischen Hauptstadt Belgrad.

Vater - Otac

  • Serbien 2019
  • R: Srdan Golubović

Um seine vom Jugendamt verwahrten Kinder wiedersehen zu können, begibt sich ein Familienvater aus der serbischen Provinz auf den Weg in die 300 Kilometer entfernte Hauptstadt Belgrad, wo er sich beim zuständigen Minister beschweren will. Der bildsprachlich faszinierende Film handelt von einer Wanderschaft, die die Zwischentöne der ehemals jugoslawischen Gesellschaft zwischen Transformation und Stagnation mit poetischer Härte beschreibt und damit an die besten Traditionen der „Schwarzen Welle“ aus den 1960er-Jahren anknüpft.

Pitbull

  • Polen 2021
  • R: Patryk Vega

Ein hartgesottener Ermittler, der in seinen Methoden ebenso wenig zimperlich ist wie die von ihm verfolgten Kriminellen, nimmt es mit einem besonders skrupellosen Schwerverbrecher auf. Als sich jugendliche Einbrecher, darunter der Sohn des Kommissars, den Zorn des Ganoven zuziehen, setzt der Ermittler alles daran, sie mit Intrigen und Manipulation vor der organisierten Kriminalität zu schützen. Actionthriller aus einer in Polen erfolgreichen Filmreihe, die ein temporeiches Gewalt-Spektakel entfesselt. Brutalität und Gefühlskitsch gehen dabei eine fiese und blutige Verbindung ein.

Eine einsame Stadt

  • Deutschland 2020
  • R: Nicola Graef

Momentaufnahmen von Menschen unterschiedlichster Berufe und Altersgruppen, die in Berlin leben und aus verschiedenen Gründen einsam sind. Die anekdotisch miteinander verwobenen Porträts erzählen, wie die Protagonisten mit ihrem Alleinsein umgehen. Dabei sind die Geschehnisse und die Offenheit, mit der darüber gesprochen wird, zwar erfrischend normal, kommen aber über die bloße Bestandsaufnahme nicht hinaus. Auch der durch den Filmtitel suggerierte Kausalzusammenhang zwischen Berliner Großstadtleben und Einsamkeitsgefühlen bleibt vage.

Ghosts

  • Türkei 2020
  • R: Azra Deniz Okyay

Die Wege von vier Personen aus den Randbezirken von Istanbul kreuzen sich mehrfach an einem Tag, an dem die Stadt nach einem Stromausfall weitgehend lahmgelegt ist. Eine junge Tänzerin und ihre Freundinnen, eine politische Aktivistin und die Mutter eines Häftlings werden zwischen dem Druck der repressiven Gesellschaft und dem Traum von individueller Freiheit aufgerieben; ein Immobilienspekulant steht auf der anderen Seite. Das mit experimenteller Leichtigkeit und treibender Energie inszenierte Sozialporträt erstarrt trotz aller unverblümter Härte nicht in Hoffnungslosigkeit, sondern zeichnet ein vielschichtiges Porträt der türkischen Gesellschaft.

Zana

  • Kosovo 2019
  • R: Antoneta Kastrati

Eine junge Frau aus einem Dorf im Kosovo, die im Krieg ihre kleine Tochter verloren hat, wird nicht wieder schwanger, weshalb ihre Familie die Dienste von Hexen und Wunderheilern in Anspruch nimmt. Als sie sich dieser Behandlung widersetzt, droht ihr Mann, sich eine jüngere Frau zu nehmen. Als sie einlenkt, wird sie zusehends von Albträumen heimgesucht, in denen sich ihre traumatischen Erfahrungen spiegeln. Ein auf autobiografischen Erfahrungen beruhendes Psychodrama über eine Gesellschaft, die zwar ihre gefallenen Märtyrer verehrt, aber keinen Platz für die lebenden Opfer findet. Der Hang zu einer gewissen Symbolik wird dabei durch Einfühlsamkeit und wirkmächtige Bilder aufgefangen. (O.m.d.U.)

Srbenka

  • Kroatien 2018
  • R: Nebojsa Slijepcevic

Beobachtungen zu Proben eines Theaterstücks in Zagreb, das den Mord an einer zwölfjährigen Serbin am Beginn der Zerfallskriege im ehemaligen Jugoslawien thematisiert. Die jugendlichen Laiendarsteller reflektieren das Geschehen, den ethnischen Hass in ihrer Region und die daraus entstandenen gesellschaftlichen Traumata. Der aufmerksame, mit viel psychologischem Feingefühl beobachtete Dokumentarfilm zeigt Wege auf, wie man mit gesellschaftlichen Tabus und fremdenfeindlichen Einstellungen umgehen und die Spirale der Gewalt unterbrechen kann.

Petla

  • Polen 2020
  • R: Patryk Vega

Ein junger polnischer Polizist wird in den Südosten des Landes versetzt, wo er bald zum Paten des Rotlicht-Milieus aufsteigt und mit kompromittierenden Sexvideos die politische Elite kontrolliert. Der an einen wahren Polizeiskandal angelehnte Actionthriller setzt zunächst auf grotesk-morbide Gewaltdarstellungen und düstere Orgien, tritt dramaturgisch zunehmend aber auf der Stelle und mündet in ein verschwörungstheoretisches Szenario, wonach der russische Geheimdienst hinter allem steckt.

Nur ein Augenblick

  • Deutschland 2019
  • R: Randa Chahoud

Auf der Suche nach seinem vermissten Bruder gerät ein syrischstämmiger Student aus Hamburg ungewollt in den Teufelskreis der Gewalt des Bürgerkrieges in seinem Heimatland. Nach traumatischen Erfahrungen als Mitglied einer Rebellenarmee kehrt er gezeichnet und unfähig, sich in seiner familiären Normalität wieder zurechtzufinden, nach Deutschland zurück. Eine mit großem Hintergrundwissen, aber auch einem Übermaß an Parallelhandlungen inszenierte Reflexion über die seelischen und moralischen Auswirkungen des syrischen Bürgerkriegs. Insbesondere geht es dabei um die Frage, wie normale Menschen aus persönlicher Betroffenheit zu Menschen werden, die wider Willen andere töten.

Face_It! - Das Gesicht im Zeitalter des Digitalismus

  • Deutschland 2018
  • R: Gerd Conradt

Ein Pilotprojekt am S-Bahnhof Berlin-Südkreuz zur digitalen Gesichtserkennung dient dem dokumentarischen Essay als Ausgangspunkt für einen philosophischen Diskurs über die Gefahren und Grenzen des „Digitalismus“. In Gesprächen mit Politikern, Kunsthistorikern und Medienkünstlern verfolgt der Film die Frage, wem die Codierung des Gesichts nutzt und wo deren Grenzen liegen.

Oray

  • Deutschland 2019
  • R: Mehmet Akif Büyükatalay

Ein junger Deutschtürke gerät nach einem Ehestreit in einen Zwiespalt zwischen der Liebe zu seiner Frau und einer strengen Auslegung des Korans. Als ihm die dauerhafte Trennung von seiner Frau droht, will der impulsive Mann dies nicht ohne weiteres akzeptieren. Mit Humor, viel Drama und noch mehr Energie erzählt das darstellerisch beeindruckende Liebes- und Sozialdrama eine authentische Geschichte über die Sehnsüchte, Wünsche, Ängste und Widersprüche einer islamischen Gemeinschaft, die von außen meist als hermetisches Milieu wahrgenommen wird. Außergewöhnlich stimmig erscheinen vor allem die Figurenpsychologie und die Komplexität des dargestellten Systems.

A Man of Integrity

  • Iran 2017
  • R: Mohammad Rasoulof

Ein Fischzüchter in der iranischen Provinz will sich den Erpressermethoden eines örtlichen Kartells nicht beugen und gerät immer mehr unter Druck. Als er schließlich einsehen muss, dass er dem übermächtigen Netzwerk seiner Gegner auf legalem Weg nicht beikommt, lässt er sich ebenfalls auf die Untiefen des Systems ein. Protokollarischer Thriller mit unverblümter Kritik an der autoritären Gesellschaft im Iran, an Korruption und der staatlich forcierten Ausgrenzung von Minderheiten. Das bittere Fazit des Films trifft auch die Hauptfigur, die sich in einem Teufelskreis zwischen Rechtschaffenheit, Rechthaberei und Rache verrennt und darüber ihre Ideale aufgibt.

Hotel Jugoslavija

  • Schweiz 2018
  • R: Nicolas Wagnières

Dokumentarischer Essay über das „Hotel Jugoslavija“ in Belgrad, das Ende der 1960er-Jahre als Repräsentationsbau des sozialistischen Jugoslawiens entstand. Der Film protokolliert den Verfall des nach den Balkankriegen vorübergehend leerstehenden Baus und reflektiert vielschichtig und spannend Architektur-, Ideen- und persönliche Geschichte.

Zum Tode von Dušan Makavejev (13.10.1932-25.1.2019)

Der serbische Regisseur Dušan Makavejev ließ sich nicht ins sozialistische System Jugoslawiens einspannen und eckte in den 1960er- und 1970er-Jahren mit spöttisch-subversiven Werken regelmäßig an. Auch nach seiner Emigration blieb er ein kritischer Geist, der die Konsumgesellschaft gleichermaßen aufs Korn nahm wie zuvor hehre revolutionäre Ideale.

Sibel

  • Türkei 2018
  • R: Çağla Zencirci

In den Hügeln an der türkischen Schwarzmeerküste wächst eine stumme Frau wild und vogelfrei auf, während ihre nichtbehinderte Schwester im Dorf traditionell erzogen wird. Als die Stumme in ihrer Hütte einen Fremden versteckt, trifft sie und ihre Angehörigen der Zorn der Gemeinschaft. Die bilderstarke Parabel deckt am Beispiel der rivalisierenden Schwestern und ihrer Sehnsüchte die Mechanismen sozialer Ausgrenzung zwischen befreiender Wut und kontemplativer Verängstigung auf. Das psychologisch stimmige, mit schlüssigen Genre-Motiven durchsetzte Sozialdrama entwirft eine kollektive Seelenlandschaft verwobener Gegensätze, in der Tabus und Mythen rigide Kontrollfunktionen übernehmen.

1983

  • Polen 2018
  • R: Agnieszka Holland

Achtteilige polnische Thriller-Serie um eine dystopische Welt, in der der Kalte Krieg nie zu Ende gegangen ist. Im Jahr 1983 stoppt ein Terroranschlag in Warschau die polnische Freiheitsbewegung um die Gewerkschaft Solidarność; in der Folge kommt es nie zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Die Serie beleuchtet die Folgen dieser Entwicklung im Jahr 2003 und fokussiert auf einen idealistischen Jurastudenten und einen Polizisten, die einer Verschwörung auf die Spur kommen, welche hinter den Ereignissen von 1983 stecken könnte. Mit hohen Schauwerten, viel Spannung und psychologischem Gespür bindet die Serie den dystopischen Plot an die historischen Erfahrungen aus den totalitären 1980er-Jahren zurück und verknüpft handwerklich präzise Science-Fiction-Topoi mit dem polnischen „Kino der moralischen Unruhe“.

Berlin Excelsior

  • Deutschland 2017
  • R: Erik Lemke

Porträts von Bewohnern des „Excelsior-Hauses“, einem Wohnhaus mit über 500 Ein-Zimmer-Wohnungen in der Mitte von Berlin. Hier träumen fast alle von einem besseren Leben, drohen dabei aber an ihren Selbstverwirklichungsansprüchen zu scheitern. Mit teilweise sehr intimen Beobachtungen geht der Film Fragen nach der Zwanghaftigkeit persönlicher Veränderungsszenarien nach, bleibt aber oft zu sehr an der Oberfläche, um über den Momentaufnahmen eines Hauses und einer Stadt hinaus zu einem analytischen Gesellschaftsporträt zu werden.

Sandstern

  • Deutschland 2018
  • R: Yilmaz Arslan

Ein 12-jähriger Junge kommt Anfang der 1980er-Jahre aus der türkischen Provinz nach Deutschland, wo er große Mühe hat, sich in die fremde Umgebung einzugewöhnen. Die mit leichter Hand inszenierte Mischung aus Pubertätsdrama und Buddy-Movie entfaltet in fantasievoller Anlehnung an orientalische Märchentraditionen eine facettenreiche Außenseiterbiografie. Der burlesk-verspielte Migrations-Inklusions-Partizipations-Mix vereint poetische Erzählung und drastisches Vokabular, feinsinniges Psychodrama und Seifenoper. Der junge Einwanderer wider Willen wird damit zum Exempel für die Patchwork-Identität der deutschen Gesellschaft.

Die andere Seite von allem - Eine politische Geistergeschichte

  • Serbien 2017
  • R: Mila Turajlic

Die Mathematikprofessorin Srbijanka Turajlić zählte um die Jahrtausendwende zu den zentralen Figuren des Widerstands gegen die populistische Politik des serbischen Präsidenten Slobodan Milošević. Das von selbstkritischen Reflexionen getragene Porträt stammt von Turajlićs Tochter und reflektiert die jüngere Geschichte Serbiens mit einer Portion Sarkasmus. Mit Witz und Esprit plädiert der Film zugleich für eine politische Kultur, die den Diskurs über gesellschaftliche und historische Widersprüche in den Mittelpunkt stellt.

ultrAslan - AVRUPA

  • Deutschland 2017
  • R: Ümit Uludağ

Dokumentation über den europaweit aktiven Fanclub „ultrAslan“ des türkischen Champions-League-Vereins Galatasaray Istanbul. Der Film präsentiert eine Innensicht auf die hierarchische Struktur des Clubs, der seinen Mitgliedern Gemeinschaft, Solidarität und Familienersatz verspricht, dafür aber unbedingte Loyalität verlangt. Drei Protagonisten aus der Führungsebene der deutschen Sektion bringen aktuelle Fragen über Integration und Assimilation auf dem Punkt, womit sich der mit viel Atmosphäre aus der Fankurve garnierte Film vor allem für Identitätsfragen interessiert und interessante Aspekte zur „Integrationsdebatte“ liefert.

Lemonade

  • Rumänien 2018
  • R: Ioana Uricaru

Eine rumänische Einwanderin in den USA mit einem schwerbehinderten Mann und einem kleinen Sohn kämpft um die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung. Dabei gerät sie in die Mühlen von Einwanderungsbehörden und Polizei, die sich als korrupt und inhuman erweisen. Das Drehbuch solidarisiert sich bedingungslos mit seiner Protagonistin, wobei hinter der politischen Botschaft psychologische Zwischentöne verloren gehen. Die Perspektive von unten auf die schwere, von Willkür und Missbrauch bestimmte Situation der Migranten bleibt auf ihren David-gegen-Goliath-Plot beschränkt und ist teilweise arg konstruiert.

Balkan Dreams - Ein Leben im 9/16 Takt

  • Deutschland 2016
  • R: Gianluca Vallero

Langzeitbeobachtung dreier Freunde aus Berlin, deren Familien aus dem ehemaligen Jugoslawien stammen, und die von einer Karriere als Musiker oder Comedian träumen. Der über fünf Jahre hinweg entstandene Film zeichnet die Wege der Protagonisten zwischen ihren Wünschen und den Anforderungen des Alltags nach. Das filmisch wenig spektakuläre, aber recht unmittelbare Porträt blendet politische Inkorrektheiten zugunsten von Authentizität nicht aus, lässt hinter dem fraternisierenden Schulterschluss mit den Protagonisten aber zuweilen investigativen Ehrgeiz vermissen.

Halaleluja - Iren sind menschlich!

  • Irland 2017
  • R: Conor McDermottroe

Generationen- und Culture-Clash-Komödie über einen Aussteiger aus dem britisch-indischen Migrantenmilieu, der sich vor dem sozialen Druck und dem ökonomischen Ehrgeiz seiner konservativ-muslimischen Familie an die irische Westküste geflüchtet hat. Dort spürt ihn sein Vater auf und verlangt, dass er endlich Verantwortung für sein Leben übernehmen soll, indem er einen Halal-Schlachthof aufbaut. Das Spielfilmdebüt spricht vom Generationen- und Religionskonflikt bis zu Stadt-Land-Gegensätzen viele akute Themen an, bleibt aber psychologisch zu flach und in der Darstellung der Konflikte zu harmlos, um wirklich überzeugen zu können.

Geschichten aus Jerusalem

Die erzählerischen Möglichkeiten des Rundum-Formats "Virtual Reality" (VR) sind bislang noch umstritten. Der Regisseur Dani Levy zeigt mit seinen „Geschichten aus Jerusalem“ jedoch, dass in der neuen Technik durchaus Potenzial steckt. Die vier kurzen Filme, Teil einer Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin, tauchen unmittelbar in den israelisch-palästinensischen Konflikt ein.

Träum weiter

  • Schweden 2017
  • R: Rojda Sekersöz

Ein in einer Plattenbausiedlung in Stockholm aufgewachsenes Mädchen entscheidet sich dafür, Verantwortung für sich und seine kleine Schwester zu übernehmen, als ihre Mutter an Lungenkrebs erkrankt. Dafür muss sie sich gegen den Anpassungsdruck in ihrer Peer-Group genauso durchsetzen wie gegen die sozialen Vorurteile der Gesellschaft. Ein mit leichter Hand inszenierter, leidenschaftlich gespielter Film über eine Heranwachsende, der sich wohltuend von der paternalistischen Empathie vergleichbarer Sozialdramen abhebt und die Romantik von Jugendgang-Klischees hinterfragt. (O.m.d.U.)