Martin Ostermann

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Not und Erlösung

Die Bibel ist mit ihrem Fundus an Geschichten für das Kino von jeher eine wichtige Inspirationsquelle. Auch Animationsfilme greifen aktuell häufiger auf biblische Vorlagen zurück, so gab es in jüngster Zeit animierte Fassungen mit Moses, David und dem Jesus-Jünger Johannes als Helden. Diese neuen Filme orientieren sich in Animationsstil, Erzählmustern und Figuren an Vorbildern wie „Der Prinz von Ägypten“, verfolgen aber auch eine klare missionarische Absicht, die ihre Erzählung vereinnahmt. Eine Betrachtung der neuen animierten Bibelfilme und ihrer Problematik aus historisch-kritischer Perspektive.

Martin Ostermann | 02.10.2026

David (2025)

  • Südafrika 2025
  • R: Phil Cunningham
Die biblische Geschichte des Hirtenjungen David, der zum König über Judäa aufsteigt, wird als familienfreundlicher Animationsfilm mit missionarischen Hintergedanken erzählt. Während der Film recht getreu den Vorgaben der Bibel folgt, mildert er mit Blick auf die junge Zielgruppe Gewaltszenen stark ab oder blendet sie ganz aus. In der Gestaltung der Figuren und im Einsatz von Songs eifert er erfolgreichen US-amerikanischen Animationsvorbildern nach. Durch den Fokus auf die Familienunterhaltung werden sowohl eine zu deutliche Missionierung als auch eine sklavische Nähe zum biblischen Text vermieden. Im Zentrum steht David als jugendliche Identifikationsfigur, die nach ihrem Platz im Leben sucht.
Martin Ostermann | 01.09.2026

Johannes und das Licht der Welt

  • USA 2025
  • R: Tom Bancroft
Ein Animationsfilm über Leben, Wirken und Tod von Jesus Christus aus der Perspektive seines Jüngers Johannes, der hier als Jugendlicher mit den Wundertaten und Lehren Jesu bekannt wird und ihm folgt. Der im traditionellen 2D-Stil animierte Film macht kein Hehl aus seinen missionarischen Absichten und setzt einige Wunder spektakulär in Szene, während er sich bei anderen visuell eher zurückhält und die staunende Perspektive der jungen Hauptfigur betont. Da diese gelungen zur Identifikationsfigur nach dem Muster von Hollywood-Zeichentrick-Vorbildern aufgebaut wird, funktioniert der Film auch als solide Familienunterhaltung, in der die katechetische Absicht nur ein Faktor ist.
Martin Ostermann | 09.03.2026

König der Könige (2025)

  • Südkorea 2025
  • R: Seong-ho Jang
Mitte des 19. Jahrhunderts verfasste der englische Schriftsteller Charles Dickens eine Geschichte über das Leben Jesu für seine eigenen Kinder, die erst Jahrzehnte nach seinem Tod veröffentlicht wurde. In dem Animationsfilm dient sie als Vorlage für eine Nacherzählung der Taten Jesu, in die auch Dickens und sein Sohn involviert werden, da sie durch eine Verbindung der Erzählebenen auch in der biblischen Zeit auftauchen. Der animierte Film bleibt nah an den vier Evangelien und will in katechetischer Absicht die Botschaft von der Erlösung durch Christus vermitteln. Zielgruppe sind jüngere Zuschauer, die mit Dickens’ Sohn und seiner Katze mitfiebern.
Martin Ostermann | 20.11.2025

The Chosen

  • USA 2017-2024
  • R: Dallas Jenkins
Die auf insgesamt sieben Staffeln angelegte Web-Serie schildert das Leben Jesu, wie es in den Evangelien skizziert wird, greift erzählerisch aber weit aus und erfindet viele Personen und Episoden frei hinzu. Im Stil einer Telenovela treten immer neue Figuren auf, zwischen denen kleinere oder größere Probleme thematisiert werden. Der Tonfall ist bodenständig, Jesus wird als netter Kumpel von nebenan gezeichnet, der das Leben jener radikal verändert, die an ihn glauben. Der naive-fromme, keine Fragen oder Zweifel aufkommen lassende Stil zielt auf ein christlich-evangelikales Publikum, das in seinem Glauben bestärkt werden soll. Das Christentum erscheint insbesondere durch die Fixierung auf die biblischen Wunderzählungen als glücklich machende „Feel Good“-Religion, deren Wahrheitsanspruch emotional mitempfunden und nicht kritisch hinterfragt werden soll.
Martin Ostermann | 10.04.2025

Wunder über Wunder

In der heutigen Gesellschaft mögen viele Menschen keine enge Bindung mehr zur Religion haben, doch im Kino sind Fragen nach Glauben, Heil und Wunder an der Tagesordnung. Eine Sonderstellung nehmen die „Faith-based movies“ ein, die in den USA  große Erfolge feiern. Mit erprobten Mustern wollen diese Filme christliche Botschaften verbreiten.

Martin Ostermann | 07.04.2025

Menschenrechts-Filmpreis 2024

Es ist nie genug, aber immer von Neuem wichtig, dass man sich für Menschenrechte engagiert. Der in den 1990er-Jahren ins Leben gerufene Menschenrechtsfilmpreis ehrt filmische Arbeiten, die zum Verständnis der Menschenrechte beitragen und sich in aktuelle Debatten einmischen. Bei den 2024 ausgezeichneten Beiträgen ging es nicht zuletzt um Fragen von Migration und Integration.

Martin Ostermann | 16.12.2024

Maria (2024, Caruso)

  • USA 2024
  • R: D.J. Caruso
Ein Bibelfilm, der die Weihnachtsgeschichte mit Fokus auf Maria, die Mutter Jesu, aufrollt: Beginnend mit Geburt und Kindheit der Heldin, zeichnet der Film basierend auf dem Protoevangelium des Jakobus Maria als Auserwählte, die trotz mancher Anfeindungen und Gefahren die Rolle als Gottesmutter annimmt, und folgt ihr und ihrem Mann Josef durch diverse Abenteuer bis zu Jesu Darstellung im Tempel. Neben biblischen Texten aus dem Lukas- und dem Matthäusevangelium bedient sich der Film dabei auch bei apokryphen und folkloristischen Motiven wie dem Kindermord zu Bethlehem oder der Huldigung der „Drei Könige“ und versetzt die Heilsgeschichte mit teils unnötig blutiger Action. Daraus entsteht ein theologisch tiefstapelndes, inhaltlich übervolles Wechselbad der Stile und Gefühle, das das eigentliche Anliegen – Erwählung und Reinheit Marias darzustellen – verwässert.
Martin Ostermann | 06.12.2024

Seelensegler

  • Deutschland 2021
  • R: Christof Wolf
Auf dem Hintergrund der Lebenserfahrungen einer Krisenberaterin, einer Clownin und eines Jazzmusikers werden die Bedeutung von Motivation, Verstand, Willen und dem sprichwörtlichen Bauchgefühl für ein gelingendes Leben beleuchtet. Der Philosoph Godehard Brüntrup und der Psychologe Hugo M. Kehr steuern theoretische Gedanken über Entscheidungen und Motive bei, die durch Aussagen der Interviewpartner und die elegant ins Bild gesetzte Metapher vom Segelboot illustriert werden. Die dramaturgisch flüssig inszenierte Dokumentation bietet kurzweilige Einblicke in zentrale psychologische Fragestellungen, bleibt bisweilen aber abstrakt und bewegt sich vorrangig in der Welt von Kreativen und Künstlern. Dennoch ein anschlussfähiger Impuls zu grundlegenden Fragen nach individuellen Wegen, Zielen und Lebenssinn.
Martin Ostermann | 24.06.2022

Von Müttern und Kindern: Bericht aus der Ökumenischen Jury bei der Berlinale 2022

Bei der „Berlinale“ entdeckte die Ökumenischen Jury viele Filme, die um Mütter und ihre Kinder kreisten, um das damit verbundene Glück, aber auch all die Schwierigkeiten, die mit Familienbanden oft auch einhergehen. Die Filme konfrontieren mit fremden Kulturen und Denkweisen und spiegeln das Leben in seiner ganzen Vielfalt.

Martin Ostermann | 25.02.2022

Möglichkeiten zum Aufbruch

Wie sehr eine Krise zu neuen Dingen motiviert, erlebte die Forschungsgruppe „Film und Theologie“ am eigenen Beispiel, als sie ihre 2020er-Tagung „Christliche Identität in der Krise“ ein Jahr später kurzerhand als Online-Veranstaltung durchführte – und davon auch künftig profitieren will. Inhaltlich ging es um aktuelle Filme und Serien, die sich mit kirchenkritischen, aber auch affirmativ religiös-spirituellen Themen auseinandersetzen.


Martin Ostermann | 24.06.2021

Lust & Last

Beim 39. Max Ophüls Preis Festival war Martin Ostermann Mitglied der Ökumenischen Jury. Die zeichnete am Ende „Landrauschen“ von Lisa Miller aus. Eine Reportage über die Suche nach einem Film, der für spirituelle oder soziale Belange sensibilisiert.

Martin Ostermann | 02.02.2018

Totgesagte leben länger

Die größte Geschichte aller Zeiten im kleinsten filmischen Format und in Schwarz-weiß, als ironische Antithese zu den monumentalen Bibelschinken: Das verwirrte bei der »Berlinale« 1986 so manchen Betrachter. Knapp drei Jahrzehnte später ist das »wichtigste Werk der filmischen Subversion« (Claus Löser) der Berliner Avantgarde-Szene – digital restauriert – bei den Internationalen Kurz­filmtagen in Oberhausen (30.4.-5.5.) neu zu sehen.
Martin Ostermann | 02.05.2015

Dein Wille geschehe

  • Frankreich 2012-2015
  • R: Rodolphe Tissot
Eine aus drei Staffeln bestehende französische Serie rund um eine Gruppe junger Männer, die in einem Kapuzinerkloster in Paris auf den Beruf als katholischer Priester vorbereitet werden. Rund um die angehenden Priester, den Pater, der ihre Ausbildung leitet, und diverse andere Protagonisten aus der Amtskirche oder dem persönlichen Umfeld der Protagonisten wird ein vielschichtiges Panorama aufgerollt, das sich mit den Hierarchien und der Organisation der katholischen Kirche und ihren aktuellen Reizthemen ebenso befasst wie mit den vielfältigen spirituellen wie lebenspraktischen Herausforderungen, die sich den Männern stellen. Dabei bleibt die Serie durch die Nähe zu ihren glaubhaft-lebensnah gezeichneten Figuren trotz der ein oder anderen etwas kontruierten Wendung durchgehend spannend. Aktuell sind alle Folgen der drei Staffeln in der arte-Mediathek bis 14. Juni 2021 online abrufbar.
Martin Ostermann | 11.10.2012