Katharina Zeckau

275 Beiträge gefunden.

Pumuckl und das große Missverständnis

  • Deutschland 2025
  • R: Marcus H. Rosenmüller

Als Schreiner-Meister Eder von seiner alten Lehrmeisterin aufs Land eingeladen wird und vor der Wahl steht, ihre Werkstatt zu übernehmen, führt dies zu vorübergehendem Zwist zwischen ihm und seinem sich vernachlässigt fühlenden Kobold Pumuckl. Schließlich macht sich der Pumuckl sogar auf, einen „neuen Meister“ zu finden. Der Kinoabstecher der wiederbelebten Kinder-Fernsehserie fremdelt etwas mit den Landszenen, die ein wenig an Esprit und Einfallsreichtum mangeln lassen, während ihm im Stadtkosmos höchst einfallsreiche und witzige Sequenzen gelingen. Die behutsame Modernisierung des Original-Stoffes punktet erneut mit liebevoller Animation, gut aufgelegten Darstellern und einer leicht nostalgischen, dabei aber nie rückwärtsgewandten Grundhaltung.

Tatort - Ich sehe dich

  • Deutschland 2025
  • R: Max Färberböck

Nahe einem Fluss bei Nürnberg wird durch Zufall die Leiche eines Mannes entdeckt, der zwei Jahre zuvor tief in der Erde vergraben wurde. Kommissar Voss versucht zu rekonstruieren, wieso der Tote, der ein allseits beliebter Fahrradhändler war, ein gewaltsames Ende fand. Bald stoßen er und sein Team auf ungeklärte brutale Verbrechen im Umfeld des Verstorbenen. Ein sich um formale Originalität bemühender Krimi mit einer etwas umständlich entwickelten Handlung und wenig ergiebigen Nebensträngen. Zwischen leichtem und schwerem Tonfall, dem speziellen Humor der Ermittler und der Ernsthaftigkeit des Kriminalfalls, sucht der Film seine Balance und schafft einfühlsame und auch spannende Momente.

An einem Tag im September

  • Deutschland 2025
  • R: Kai Wessel

Am 14. September 1958 trafen sich Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Ministerpräsident Charles de Gaulle in dessen Privathaus in Lothringen. Die Begegnung war Teil einer diplomatischen Wiederannäherung zwischen den Nationen, die lange als Erzfeinde galten, und legte den Grundstein für den Élysée-Vertrag 1963. Das historische Drama stellt die beiden Staatsmänner ins Zentrum, lässt Differenzen, aber auch Gemeinsamkeiten erkennen und erweitert das Kammerspiel um die Perspektiven weiterer Figuren aus dem Umfeld der Politiker sowie von offiziellen Beobachtern des Treffens und „dem einfachen Volk“. Trotz einiger Schwächen in den Nebensträngen vermittelt sich die schwierige Annäherung dank guter Dialoge und handwerklicher Sorgfalt.

Das Leben hält sich an kein Drehbuch - Max Kronawitter

Mit seiner Produktionsgesellschaft „Ikarus“ hat der Filmemacher Max Kronawitter seit 1989 rund 250 Beiträge Dokumentarfilme und Fernsehbeiträge produziert, meist als Autor, Regisseur, Kameramann, Produzent und Cutter in Personalunion. Oft ging es darin um existenzielle Themen, um Krankheit und Tod. Jetzt ist er selbst schwer erkrankt. Eine Begegnung mit dem studierten Theologen, der mit seinen Arbeiten immer Partei ergreifen und Menschen bewegen wollte.

Ohne jede Spur - Der Fall der Nathalie B.

  • Deutschland 2024
  • R: Esther Rauch

Eine österreichische Triathletin wird 2019 beim Fahrrad-Training auf einer Bergstraße angefahren und gekidnappt. Während sie sich in der Gewalt eines unzurechnungsfähigen Mannes wiederfindet und versucht, eine emotionale Verbindung zu ihm herzustellen, um lebend aus der Situation herauszukommen, organisiert ihre Familie eine großangelegte Suchaktion. Thriller nach einem realen Fall, der das Geschehen nur wenig zuspitzt, sachlich bleibt und aus den Szenen um Entführer und Entführte hohe Spannung zieht. Das psychische Weiterwirken der Gewalttat auf die Betroffene kann der Film allerdings nur andeuten.

Drunter und drüber - Chaos auf dem Friedhof

  • Österreich 2025
  • R: Christopher Schier

Eine Comedy-Serie über zwei gegensätzliche Charaktere, die um die Leitung eines Wiener Friedhofs konkurrieren. Der stellvertretende Leiter, ein herrischer Pedant, hofft nach dem Unfalltod seines Chefs auf dessen Posten, bekommt dann aber eine Frau vor die Nase gesetzt, die zwar fachlich völlig blank ist, dafür aber mit Mitarbeitern umzugehen weiß. Als die Begräbnisstätte wegen mangelnder Rentabilität geschlossen werden soll, erkennen die beiden, dass sie den Friedhof nur gemeinsam retten können. Eine weitere Erzählebene spielt in einem Toten-Zwischenreich, wo die Verstorbenen das Treiben der Lebenden wie eine Seifenoper verfolgen. Eine in ihrer Schrägheit ungewöhnliche, auch mutige Serie, die beim Humor neben Slapstick und Satire auf feine Beobachtungen, Abseitiges und Sperriges setzt. Zwar zündet nicht jeder Gag und überzeugt auch die Figurenzeichnung nicht immer, doch glänzt die Serie insbesondere mit ihren charmanten Einfällen und Schauspielleistungen.

Ewig Dein

  • Österreich 2024
  • R: Johanna Moder

Eine Frau verliebt sich in einen vermeintlich sanftmütigen Mann, der sich als Psychopath entpuppt und seine neue Freundin bedrängt und unter Drogen setzt. Ihre zunehmend wirren Erklärungen schieben Familie und Freunde auf einen psychotischen Schub und lassen sich von der fürsorglichen Art des gefährlichen Mannes täuschen. Spannender Psychothriller als elegant erzählte Story über Kontrollsucht und die Jagd nach romantischen Fassaden, in der zwar mitunter die Glaubwürdigkeit strapaziert wird, was der Spannung aber keinen Abbruch tut. Beklemmende Wirkung erzielt der Film auch über seine präzise interpretierten Figuren.

Das Kostbarste aller Güter

  • Frankreich 2024
  • R: Michel Hazanavicius

Animationsfilm über ein Baby, das von seinem Vater auf dem Weg nach Auschwitz aus dem Zug geworfen wird, um es vor dem sicheren Tod zu bewahren. Eine polnische Holzfällerfrau findet das Mädchen und zieht es auf. Nach anfänglichem Widerstand schließt es auch ihr Mann ins Herz. Doch dann erfahren Nachbarn von dem versteckten jüdischen Kind. Eine märchenhaft anmutende Romanverfilmung, die dem schlimmsten menschlichen Tun, dem Holocaust, das bestmöglichste Handeln gegenüberstellt: die bedingungslose Liebe. Ein betont einfach erzählter, warmherziger Film mit humanistischer Botschaft. Mitreißend sind zudem die Schönheit und Intensität der von Hand gemalten Bilder, die die Universalität der Geschichte betonen. Nur bei der musikalischen Untermalung wird teilweise zu dick aufgetragen.

Flow

  • Lettland 2024
  • R: Gints Zilbalodis

Eine schwarze Katze kann sich mit einigen anderen Tieren auf einem Segelboot vor einer alles überschwemmenden Flut in Sicherheit bringen. Sie sehen sich enormen Herausforderungen gegenüber, die nur durch Kompromisse und Teamwork gemeistert werden können. Die Geschichte weckt viele Assoziationen von der Klimakrise über Flüchtlingsboote bis zur biblischen Geschichte der Arche Noah. Der atemberaubende Film verzichtet auf Sprache, umgeht eine Vermenschlichung der Tiere und handelt parabelhaft vom Miteinander und einer gelingenden Gemeinschaft. Seine eindrückliche Botschaft wird in betörenden Bildern voller geheimnisvoller Landschaften transportiert. Nur bei der Animation der Tiere, die teils allzu grob gestaltet sind, spürt man die beschränkten Produktionsbedingungen. In inhaltlicher und dramaturgischer Hinsicht weist der Film weit in die Zukunft.

Konklave

  • USA 2024
  • R: Edward Berger

Nachdem der Papst unter nicht ganz geklärten Umständen gestorben ist, leitet einer der Kardinäle die Vorbereitungen zur Wahl eines Nachfolgers. Unter den aus aller Welt angereisten Kardinälen brechen beim Konklave weltanschauliche Gräben auf. Im Kampf um die Macht wird intrigiert und betrogen. Der enorm spannende Thriller verknüpft seine Handlung geschickt mit aktuellen kirchenpolitischen Debatten. Kamera, Musik- und Tonspur kreieren dabei eine Atmosphäre anhaltender Beklemmung, die souverän mit leichteren Momenten ausbalanciert wird. Auch die vielschichtigen, herausragend gespielten Figuren überzeugen. Ein fesselnder, bildgewaltiger Film, der primär von menschlichen Abgründen und nicht von Glaubens- oder kirchlichen Fragen handelt.

Bis zur Wahrheit

  • Deutschland 2023
  • R: Saralisa Volm

Eine angesehene Neurochirurgin verbringt einige Tage im Ferienhaus mit Mann, Tochter und einem befreundeten Ehepaar, zu dem deren Sohn dazustößt. Als es an einem Abend zu einer flirtartigen Situation kommt, vergewaltigt der junge Mann die Freundin seiner Mutter. Diese versucht vergebens, den traumatischen Vorfall zu verdrängen, und ihr veränderter Zustand bleibt ihrem Umfeld nicht verborgen. Als sie offenbart, was geschehen ist, begegnet ihr jedoch Misstrauen statt Mitgefühl. Das Drama um die mangelnde Unterstützung von Vergewaltigungsopfern erzählt seine Geschichte realitätsnah und einfühlsam, zeigt aber Schwächen in der Figurenzeichnung und in der dramaturgischen Auflösung.

Ungeschminkt

  • Deutschland 2023
  • R: Dirk Kummer

Eine Transfrau hat in jungen Jahren fluchtartig ihr Heimatdorf in Oberbayern verlassen und den Kontakt zur Familie abgebrochen. Als sie erfährt, dass ihre Mutter gestorben ist und sie zur Erbin bestimmt hat, reist sie nach 35 Jahren wieder in die alte Heimat. Dort erwarten sie scheele Blicke und Beleidigungen, im Umgang mit dem früheren besten Freund und der Frau, mit der die Rückkehrerin vor ihrer Geschlechtsangleichung verheiratet war, offenbaren sich aber vor allem tiefe seelische Wunden. Ein bemerkenswert sorgfältig entwickeltes Drama mit exzellenten Darstellern, das die Befindlichkeit der zentralen Figuren vielschichtig auslotet. Bei allem psychischen Ballast besitzt der Film dabei eine positive Grundstimmung, die auf Versöhnung und Vergebung zielt.

Querschuss

  • Deutschland 2024
  • R: Nicole Weegmann

Einen Tag vor der großen Feier zu seinem 80. Geburtstag erschießt sich ein Familienpatriarch. Während die Kinder und Enkel mit der schockierenden Tat zwischen Unsicherheit, Trauer und Wut klarzukommen versuchen, stößt die Schwester des Toten zu ihnen und offenbart unbekannte Seiten aus dessen Leben. Ein mit Ernst und Taktgefühl entwickeltes Drama, das manche Konflikte zwar etwas oberflächlich abhandelt, im Kern aber sehr einfühlsam von komplizierten Familienstrukturen und Gefühlen erzählt. Dabei belässt der Film den Figuren ihr Recht, das Geschehen auf ihre jeweils eigene Weise zu verstehen und zu verarbeiten.

Ich - Einfach unverbesserlich 4

  • USA 2024
  • R: Chris Renaud

Im vierten Teil der Animationsreihe um den (geläuterten) „Superschurken“ Gru und seine Mitstreiter, die Minions, wird Gru von seinem Erzfeind bedroht und muss mitsamt Familie untertauchen. Die Minions sollen derweil mithilfe eines Serums in Superagenten verwandelt werden, was den Film mit Superhelden-Versatzstücken spielen lässt. Funken werden daraus allerdings kaum geschlagen; ohnehin fehlt es dem zitatenreichen Werk an Witz und Originalität. Während das Potenzial der bekannten Figuren ausgeschöpft scheint, überzeugen lediglich die Neuzugänge im Figurenarsenal, der Soundtrack und einige liebevoll gestaltete Sequenzen in einer leicht überfüllten Nummernrevue.

Der Kolibri - Chronik einer Liebe

  • Italien 2022
  • R: Francesca Archibugi

Ein episches Familien- und Liebesdrama, das als Porträt eines unerschütterlichen Mannes die Geschichte eines römischen Arztes und dessen unerfüllte Liebe zu einer Frau von den späten 1960ern über 50 Jahre hinweg erzählt. Die motivreiche Romanverfilmung ist wie ein Bewusstseinsstrom gestaltet und springt assoziativ durch Räume, Zeiten und Themen. Trotz einer kunstvollen Montage, einer eleganten Kamera und großenteils herausragenden schauspielerischen Leistungen hält der Film auf Distanz und findet in der Fülle seiner Motive und Anspielungen zu wenig Konstanz, um in Bann zu schlagen.

Morgen ist auch noch ein Tag

  • Italien 2023
  • R: Paola Cortellesi

In einem römischen Wohnblock fristet die Ehefrau eines gewalttätigen Mannes und Mutter von drei Kindern 1946 ein entbehrungsreiches Dasein, plant aber insgeheim die Rebellion. Doch ein ums andere Mal kann sie ihre Kinder nicht zurücklassen. Eine gewagte Mischung aus neorealistischem Drama, Musical, Krimi-Elementen und Commedia all’italiana, die von tief verinnerlichten patriarchalen Strukturen und den scheiternden Versuchen erzählt, daraus auszubrechen. Der in schwarz-weiß gedrehte Film besticht durch einen enormen Einfallsreichtum, den geschickten Einsatz verschiedenster Erzählelemente, herausragende Darsteller, einen mitreißenden Soundtrack, schmerzhafte Aktualität und eine Haltung, die auf Bürger- und Gemeinsinn wie gesamtgesellschaftliche Lösungen setzt.

Tatort - Zerrissen

  • Deutschland 2023
  • R: Martin Eigler

Bei einem Überfall auf einen Stuttgarter Juwelier wird eine Frau getötet. Die Ähnlichkeit mit einem anderen Raub führt die Kommissare auf die Spuren zweier verwandter Familien, an denen ihre Fragen aber abprallen. Die besten Chancen scheinen sich bei einem 13-jährigen Jungen zu ergeben, der in einem Jugendheim untergebracht ist und in einen Loyalitätskonflikt gerät. Der thematisch nicht überladene „Tatort“-Krimi entwickelt seine Geschichte um Familienbande, Vertrauen und die Mängel staatlicher Institutionen stimmig aus den vielschichtigen Figuren. Auch inszenatorisch und optisch ist der präzise gespielte Film gelungen.

Mein Falke

  • Deutschland 2022
  • R: Dominik Graf

Eine forensische Biologin, die nach einer Trennung in ihrer Arbeit als Pathologin aufgegangen ist, wird von einem jungen Falken und einer ihr unbekannten Halbschwester aus ihrer inneren Isolation gelockt. Während sie den Raubvogel zu zähmen versucht, wühlen schockierende Todesfälle ihre Gefühle zusätzlich auf. Das mitunter nahezu dokumentarisch anmutende Drama über eine emotional eingefrorene Frau, die sich wieder dem Leben öffnet, glänzt durch eine flirrende Durchlässigkeit und melancholisch-raue Bilder. Dabei geht es um Fragen nach Nähe und Distanz, Freiheit und Unfreiheit, die sich in Beziehungen stellen.

Die Bologna-Entführung - Geraubt im Namen des Papstes

  • Italien 2023
  • R: Marco Bellocchio

1857 wurde der siebenjährige Edgardo Mortara auf Geheiß von Papst Pius IX. aus seiner jüdischen Familie in Bologna nach Rom entführt, weil er als Kind heimlich getauft worden war. In einem Katechumenenhaus wurde er christlich erzogen und trat als junger Mann den Augustiner-Chorherrn bei. Das historische Drama rekapituliert die verbürgte Geschichte mit einer aufwändigen Inszenierung, lässt aber eine inhaltliche Durchdringung des Stoffes vermissen. Zwar werden zahlreiche Konflikte angespielt, aber ähnlich wie die Psychologie der Figuren nicht vertieft; auch spirituelle Fragen oder religiöse Konflikte wirken vage und äußerlich.

Ein Regenbogen zu Weihnachten

  • Deutschland 2023
  • R: Esther Gronenborn

Eine Tierärztin lernt bei einem Notfalleinsatz einen Mann kennen und lässt sich von seiner Hartnäckigkeit zu einer Beziehung bewegen. Als sie nach einem Jahr seine beiden Teenager-Kinder kennengelernt, gerät die erste Kontaktaufnahme komplett daneben. Auch die weiteren Bemühungen der Frau, sich den Jugendlichen anzunähern, scheinen unter einem schlechten Stern zu stehen. Die weihnachtliche Liebeskomödie wirkt durch viel Hin und Her recht konstruiert und setzt auf einen wechselhaften Umgang mit inszenierter wie erzählter Zeit. Stimmig gezeichnete Figuren und die guten Darsteller gleichen dies streckenweise wieder aus.

Loriot 100

  • Deutschland 2023
  • R: André Schäfer

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Loriot alias Vicco von Bülow am 12. November 2023 versammelt die Hommage eine Vielzahl an Kollegen, Künstlern und Kommentatoren, die sich an ihn und seine Kunst erinnern. Die Dokumentation belässt es jedoch nicht bei verehrenden Ovationen, sondern verbindet eine Fülle an Ausschnitten aus Loriots Karikaturen, Sketchen und Filmen mit einer klugen Analyse, die seine satirische Kunst als Spiegel der bundesrepublikanischen Gesellschaft durchsichtig machen. Um den Menschen Vicco von Bülow geht es dabei nur am Rande.

Der Teufel auf der Anklagebank

  • Großbritannien 2023
  • R: Chris Holt

In den 1980er-Jahren sorgte in den USA der Prozess gegen Arne Cheyenne Johnson für Aufsehen, der seinen Vermieter ermordet hatte und dessen Anwalt auf Schuldunfähigkeit wegen angeblicher dämonischer Besessenheit plädierte. Der Dokumentarfilm beleuchtet mithilfe von am Horrorgenre geschulten Nachstellungen, Interviews mit Zeitzeugen und Archivmaterial die Hintergründe des historischen Falls. Dabei baut der Film zunächst ein reißerisches Schocker-Szenario auf, um dieses am Ende durch gegenläufige Recherchen weitgehend in sich zusammenfallen zu lassen. Ein Verfahren, das wenig seriös wirkt und die Geschichte seines zentralen Protagonisten erneut für sensationalistische Zwecke missbraucht.

Gernstls Reisen - Auf der Suche nach Irgendwas

  • Deutschland 2023
  • R: Franz X. Gernstl

Zum 40. Jubiläum lässt ein Dokumentarfilm die Geschichte der beliebten Reisesendungen des bayerischen Filmemachers Franz Xaver Gernstl Revue passieren. Das autobiografische Projekt erzählt von den Anfängen, den Höhen, Tiefen und Erfolgsrezepten der besonderen Reportagen, in denen Gernstl und seine beiden Mitstreiter Menschen aus ihrem Leben erzählen lassen. Reichhaltiges Archivmaterial, Gespräche und Interviews, ein kluger Off-Kommentar sowie ein stimmiger Soundtrack verbinden sich zu einem ausgewogenen Film mit einer wohltuend selbstironischen Mischung aus Nostalgie und Gegenwartsbezug.

Wochenendrebellen

  • Deutschland 2023
  • R: Marc Rothemund

Ein zehnjähriger Autist und sein Vater fahren Wochenende für Wochenende mit dem Zug durch Deutschland, um alle Fußballvereine aus der ersten, zweiten und dritten Liga live spielen zu sehen. Die öffentlichen Verkehrsmittel und Fußballstadien sind durch die vielen Reize und Menschen echte Herausforderungen für den Jungen, was der Film visuell und auditiv überzeugend vermittelt. Das feinfühlige Drehbuch, eine geschickte Regie und überzeugende Darsteller tragen zu einem anrührend-fesselnden Film bei, der auf einem authentischen Erlebnisbericht fußt und das Thema Autismus auf unterhaltsam-lebendige Weise nahebringt.

Inside Greenpeace

  • Deutschland 2023
  • R: Florian Nöthe

Doku-Serie über die Umweltschutzorganisation „Greenpeace“, die sieben Aktivisten porträtiert und begleitet. Es geht aber auch um die über 50-jährige Geschichte der Organisation, mit vielen internen und einigen externen Stimmen. Dazu kommen die ikonisch gewordenen Bilder waghalsiger Aktionen, aber auch bislang unbekannte Archivaufnahmen. Der fünfteiligen Serie ist Sympathie für ihren Gegenstand anzumerken, Kritisches kommt nur am Rande vor. Gelegentlich erschweren arges Pathos und eine etwas sprunghafte Dramaturgie den Zugang. Der vielschichtige Gegenstand sowie die enorme Materialfülle sprechen jedoch für sich.

Rehragout-Rendezvous

  • Deutschland 2023
  • R: Ed Herzog

Im neunten Provinzkrimi um den niederbayerischen Dorfpolizisten Franz Eberhofer zieht dessen Oma aus, was den Rest der Familie im Chaos versinken lässt, während seine Freundin als Bürgermeister-Vertretung ungeahnte Machtgelüste entwickelt. Zudem muss das Verschwinden eines Bauern aufgeklärt werden. Der handwerklich solide Film ist einmal mehr einfallsreich und überwiegend witzig, wo es um die skurrilen Figuren und den Dorfkosmos geht, während der Krimianteil konstruiert und blutleer wirkt. Neben einigen gelungenen Einfällen hat der Film einmal mehr in seinem gut gelaunten Ensemble eine sichere Bank.

37 Sekunden

  • Deutschland 2022
  • R: Bettina Oberli

Eine junge Frau klagt einen älteren, verheirateten Musiker, mit dem sie zuvor eine Affäre hatte, der Vergewaltigung an. Bei dem Mann handelt es sich ausgerechnet um den Vater ihrer besten Freundin, einer Anwältin, die sich nun genötigt sieht, ihren Vater und ihre Familie zu verteidigen. Eine packende Serie, die zugleich Vergewaltigungs-, Familien- und Gerichtsdrama ist. Dabei entwerfen die Autoren ein so komplexes wie stimmiges Figuren- und Beziehungsgeflecht, das sich immer selbstzerstörerischer ineinander zu verknoten scheint. Überzeugende Darstellerleistungen bis in die Nebenrollen und eine Inszenierung, die viel Gespür für Rhythmus, Atmosphäre und flirrende Situationen beweist, machen daraus einen vielschichtigen, gleichwohl in seiner Benennung des Übergriffs klaren Beitrag zum Thema sexueller Gewalt.

Was ist schon normal?! Familienbilder im aktuellen Kinofilm

Die Familie gehört zu den Strukturen, die in der Gesellschaft wie im Film am öftesten verhandelt werden. Die Frage, was überhaupt eine Familie ist, steht dabei stets neben der nach Akzeptanz: Entspricht die Form der Familie dem, was gesellschaftlich als „normal“ empfunden wird? Und ist „Normalität“ überhaupt das Ziel oder geht es vielmehr um Abgrenzung davon? Eine Reise durch aktuelle Filme über ein Reizthema mit frischen Antworten von den USA und Deutschland bis Südkorea.

Nonnen

  • Frankreich 2023
  • R: Lola Pidoux

Mit leiser Poesie und einem schönen Blick für Details porträtiert die Dokumentation den Alltag von 15 Benediktinerinnen im Priorat Sainte-Bathilde vor den Toren von Paris. Die lebenstüchtigen Nonnen kommen aus der ganzen Welt und wissen ihre Aufmerksamkeit für die Sorgen und Nöte der Menschen mit ihrer Spiritualität zu vereinbaren. Der Film atmet ein ehrliches Interesse am klösterlichen Leben, ohne die Frauen hagiografisch zu überhöhen. Eine unaufgeregte, überraschend vergnügliche Annäherung, die durchaus Sinn für skurrile Bildmotive und leisen Witz besitzt.

Griechenland oder der laufende Huhn

  • Österreich 2023
  • R: Thomas Stipsits

Ein Wiener Muttersöhnchen im mittleren Alter erbt von seinem ihm bis dahin unbekannten Erzeuger ein Grundstück auf einer griechischen Insel. Überstürzt reist er an, doch die Einheimischen versuchen ihn mit Tricks und Täuschungen zu manipulieren, da sie eigene Pläne mit dem Landstück haben. Eine belanglose, uninspirierte Komödie, die an mangelnder Figurenzeichnung, einem unoriginellen Drehbuch und vorhersehbaren Pointen krankt. Auch dem Schauplatz Griechenland fällt der Inszenierung außer Klischees als Sehnsuchtsort kaum etwas ein.