Karsten Munt

452 Beiträge gefunden.

Whalefall

  • USA 2026
  • R: Brian Duffield
Ein Taucher begibt sich an der Pazifikküste auf die Suche nach den Überresten seines ertrunkenen und nicht aus dem Meer geborgenen Vaters. Dabei wird er von einem Riesenkalmar erfasst und unmittelbar darauf zusammen mit diesem von einem Pottwal verschluckt. Im Inneren des Meeressäugers bleibt dem jungen Mann nur wenig Sauerstoff, um einen Ausweg aus der extremen Situation zu finden. Ein Survival-Thriller mit einem klaustrophobischen Setting, das über Rückblenden einen harschen Vater-Sohn-Konflikt und Trauerarbeit in den Plot hineinmischt. Seiner abenteuerlichen Prämisse zum Trotz ist der Film nie allzu exzentrisch, sondern kommt eher zahm, handwerklich und darstellerisch aber überzeugend daher.
Karsten Munt | 15.10.2026

Strange Harvest

  • USA 2024
  • R: Stuart Ortiz
Die südkalifornische Stadt San Bernardino wird von einem sadistischen Serienmörder heimgesucht, der scheinbar wahllos Menschen tötet, um ihre Gliedmaßen und Organe zu sammeln. Es verdichten sich Hinweise, dass ein grausames Ritual der Grund für die Morde ist. Der Horrorfilm erzählt die Ereignisse der angeblichen Mordserie als fingierte True-Crime-Dokumentation, in die Motive aus H.P. Lovecrafts „Cthulhu“-Mythos verflochten sind. Dem stehen aber gleichermaßen die Figurenpsychologie und die Dramaturgie im Weg. Zudem kommt die fahrig inszenierte und schlechte gespielte Serienkiller-Erzählung nie in Schwung.
Karsten Munt | 09.10.2026

Sacrifice (2025)

  • Großbritannien 2025
  • R: Romain Gavras
Bei einer Wohltätigkeitsgala eines Milliardärs in einem stillgelegten Steinbruch werden ein Filmstar, der auf ein Comeback hofft, der Gastgeber und eine Performerin als Geisel genommen. Eine Gruppe von Ökoterroristen glaubt, dass durch ihre Opferung der Ausbruch eines Vulkans und damit die Zerstörung der Welt verhindert werden kann. Während die Gruppe in Richtung des Vulkans loszieht, beginnt sich der ignorante Filmstar in der Rolle des tragischen Helden einzurichten. Sein Gewissenskonflikt ist das Zentrum einer Satire, die es sich mit ihren Spitzen gegen die Verlogenheit der Superreichen und Künstler sowie gegen verblendete Terroristen allzu leicht macht. Hinter der recht einfallsreichen Fassade entpuppt sich das Drama als ziemlich hohl.
Karsten Munt | 09.10.2026

Small Prophets

  • Großbritannien 2026
  • R: Mackenzie Crook
Das Leben eines seit Jahren alleinlebenden Mannes steht still; sein Alltag entfaltet sich zwischen der Arbeit im Baumarkt, dem Warten auf die Rückkehr der plötzlich verschwundenen Ehefrau und den täglichen Besuchen in der Seniorenresidenz des Vaters. Als dieser ihm eines Tages von „Homunkuli“ genannten magischen Wesen erzählt, die mit Hilfe von Alchemie beschworen werden können, versucht der Sohn, durch sie die Wahrheit über das Verschwinden seiner Frau zu ergründen. Die verschrobene Comedy-Serie kreist um gescheiterte Lebensentwürfe und Resignation und baut darauf zwar auch Melancholie, vor allem aber sanften Humor auf. Diese Mischung funktioniert auch dort noch, wo übersinnliche Elemente und absurde Komik einfallsreich ins Spiel kommen.
Karsten Munt | 06.10.2026

Verity - Dunkle Geheimnisse

  • USA 2026
  • R: Michael Showalter
Eine bislang wenig bekannte junge Schriftstellerin wird vom Ehemann einer Starautorin beauftragt, die Bestseller-Reihe seiner Ehefrau fertig zu schreiben, die nach einem schweren Unfall handlungsunfähig ist. Die Jungautorin zieht in das Anwesen der Familie, wo sie im Archiv neben den Rohentwürfen zum neuen Roman der Erfolgsschriftstellerin auch eine Autobiografie und die darin offenbarten dunkle Geheimnisse findet. Ein recht umständlich auf Volten getrimmter Psycho-Thriller, der aber durch ein starkes Ensemble und eine Hochglanzumsetzung punkten kann. Zudem trotzt er dem schwachen Plot immer wieder fantastisch inszenierte Spitzen in Richtung Erotik und Horror ab.
Karsten Munt | 01.10.2026

Unabomber

  • USA 2026
  • R: Janus Metz
Drama nach wahren Ereignissen um Ted Kaczynski, einen hochbegabten Harvard-Studenten, dessen Leben nach kontroversen psychologischen Experimenten zunehmend aus den Fugen gerät. Jahrzehnte später wird er als der „Unabomber“ bekannt, der über Jahre hinweg Brief- und Paketbomben an Universitäten und weitere Ziele verschickt und dabei mehrere Menschen tötet. Während das FBI fieberhaft nach dem Täter sucht, rückt seine schwierige Vergangenheit in den Fokus. Im Wechsel zwischen den Zeitebenen und damit Lebensabschnitten Kaczynskis verknüpft der Film das Psychogramm mit dem Ermittlungs-Prozedere, kriegt aber weder die Komplexität des Falls noch seine Spannung wirklich zu fassen.
Karsten Munt | 29.09.2026

Eiserne Wildnis - Heart of the Beast

  • USA 2026
  • R: David Ayer
Nach einem Flugzeugabsturz müssen ein ehemaliger US-Elite-Soldat und sein Diensthund in der Wildnis Alaskas ums Überleben kämpfen. Beide werden von Erinnerungen an den Krieg gequält und sind auch körperlich schwer angeschlagen, raffen sich aber ein letztes Mal auf. Der als Strapazen-Kino angelegte, aufwendig inszenierte Survival-Thriller bietet neben vielen Schauwerten und der Leidensfähigkeit der ultra-maskulinen Hauptfigur eine durchaus singuläre Perspektive auf Kriegsversehrte. Da die posttraumatischen Belastungsstörungen bei dem Hund noch mehr in den Blick genommen werden als beim menschlichen Protagonisten, setzt der Film einen ungewöhnlichen Schwerpunkt, der zu bemerkenswerten Szenen führt.
Karsten Munt | 23.09.2026

Last Seen

  • USA 2026
  • R: Christian Schwochow
Elf Jahre nach dem spurlosen Verschwinden seiner Tochter erhält ihr Vater, ein früherer Polizist, der mittlerweile beim Notruf arbeitet, den Anruf einer Jugendlichen. Er ist überzeugt, dass es sich um seine Tochter handelt, und setzt alles daran, sie zu finden. Derweil erlebt das Paar, bei dem das Mädchen seit der Entführung lebt, wie sich der jahrelange Anschein eines glücklichen Familienlebens als Lüge entlarvt. Die zunächst als Entführungsthriller inszenierte Miniserie erzählt aus wechselnden Perspektiven eine Geschichte von Trauer, Schuld und Verlust und fällt umso eindringlicher aus, je fatalistischer diese wird. Indem sie die Verwundungen der Figuren herausarbeitet, zeigt sie auf, wie unwiederbringlich zerstört die beiden betroffenen Familien sind.
Karsten Munt | 15.09.2026

The Uprising - Für die Freiheit

  • Großbritannien 2026
  • R: Paul Greengrass
Im 14. Jahrhundert erlässt das Konzil des englischen Königs Richard II. neue Steuern, die das durch die Pest schwer getroffene einfache Volk zusätzlich belasten. Ein Bauer, der nach dem Tod von Frau und Kindern mit Mühen allein seinen kargen Acker bestellt, will diese weitere Schröpfung nicht hinnehmen und beginnt einen Aufstand. Gemeinsam mit einem ehemaligen Soldaten, einem gefallenen Priester und zehntausenden Bauern zieht er Richtung London. Das auf dem Bauernaufstand von 1381 basierende Historiendrama nähert sich dem Spätmittelalter in einer verführerisch-erdigen Naturästhetik und sucht Bezüge zur Jetztzeit. Allerdings vermag es weder, die Geschichte spannend zu verdichten, noch den ihr zugrundeliegenden Mythos originell einzubeziehen.
Karsten Munt | 10.09.2026

Bad Apples

  • Großbritannien 2025
  • R: Jonatan Etzler
Eine überforderte Grundschullehrerin beginnt, fragwürdige Entscheidungen zu treffen, nachdem eines ihrer Kinder durch einen Mitschüler verletzt wurde. Unverhofft hält sie den auffälligsten Jungen in ihrem Keller gefangen, wo er von ihr versorgt wird und eine Art Privatunterricht erhält. Die Polizei verdächtigt eher den überforderten Vater des Jungen, während die Klasse ohne den Störenfried regelrecht aufblüht. Die schwarze Komödie spielt die Idee einer auf dem Rücken eines Sündenbocks aufgebauten Utopie mit humoristischen Spitzen und ostentativer Symbolik durch. Der Versuchsaufbau wird aber nicht weiter oder glaubhaft genug ausgebaut, um ihm eine echte Dynamik zu verleihen.
Karsten Munt | 09.09.2026

Runner (2026)

  • USA 2026
  • R: Scott Waugh
Ein sogenannter „Runner“ transportiert zusammen mit einem Medizinkurier ein Transplantationsorgan durch den Osten von Australien. Die Empfängerin soll ein siebenjähriges Mädchen sein. Doch ein kolumbianisches Kartell hat es ebenfalls auf das Organ abgesehen. Deshalb muss der Runner seine Erfahrung als Militär wieder aktivieren und den Schurken zusammen mit dem redseligen Begleiter entkommen. Der auf der Basis einer Buddy-Komödie ruhende Actionfilm lässt es auf den Straßen ordentlich krachen, schneidet aber auch das Melodrama aus dem Kinderkrankenhaus dazwischen. Im ständigen Wechsel zwischen Spektakel und Rührseligkeit entsteht kein ausgefeiltes, aber ein kurzweiliges und handfestes Werk.
Karsten Munt | 09.09.2026

LifeHack

  • Großbritannien 2026
  • R: Ronan Corrigan
Vier Jugendliche sind praktisch immer online und halten sich im Internet beim Chatten und mit kleinen Hackangriffen schadlos für ihre enttäuschenden analogen Leben. Als sie bei einem spontanen Hack an das Krypto-Vermögen eines Tech-Milliardärs gelangen, wiederholt das Quartett den Coup erfolgreich immer wieder. Doch dann droht die Tochter des Milliardärs, sie auffliegen zu lassen. Der Desktopfilm reiht digitale Oberflächen und Webcam-Bilder effektvoll zu einem rauschartigen Thriller zusammen, weiß das dahinter liegende Jugenddrama aber allzu schlecht zwischen die dichte Montage der Online-Raubzüge zu platzieren. Kritische Töne, sei es zur Apathie der Digitalgeneration, sei es zum Gebaren der Superreichen, bleiben in Ansätzen stecken.
Karsten Munt | 01.09.2026

Das Ende der Sterne

  • USA 2026
  • R: Ridley Scott
Eine Pandemie hat den Großteil der Weltbevölkerung ausgelöscht. Ein Mechaniker, sein Partner und sein Hund haben sich jenseits der Zivilisation ein Refugium aufgebaut, das jedoch zunehmend von Marodeuren bedroht wird und in seiner Einsamkeit immer schwerer zu ertragen ist. Mit seiner alten Cessna bricht der Protagonist auf, um ein neues Leben zu finden. Der so gemächlich wie meisterhaft inszenierte Endzeit-Film verschränkt die Atmosphäre und das Gemeinschaftsgefühl eines Howard-Hawks-Westerns mit dem elegischen Potenzial des Zivilisationsendes. Dabei hält er mit erstaunlichem Geschick seine idyllische Vision der Post-Apokalypse und die brachiale Kraft seiner Action-Sequenzen in der Balance.
Karsten Munt | 27.08.2026

Mutiny

  • Großbritannien 2026
  • R: Jean-François Richet
Als ein milliardenschwerer Logistikunternehmer Opfer eines Mordanschlags wird, sinnt sein zu Unrecht beschuldigter Leibwächter auf Rache. Sein kompromissloser Rachefeldzug führt ihn auf ein Containerschiff der Reederei, wo er mit den Verantwortlichen abrechnet. Ein Actionfilm der Mittelklasse auf einem dünnen Plot- und vorgeschobenem Themenfundament, der keine inhaltlichen oder formalen Ansprüche verfolgt, sondern schnörkelloses Kampfkino um Hauptdarsteller Jason Statham bietet. Das aber wird so konsequent wie kompetent inszeniert und hält auch jenseits der Actionsequenzen die Spannung aufrecht.
Karsten Munt | 24.08.2026

Frost ohne Schnee und Eis

  • Norwegen 2026
  • R: Asgeir Helgestad
Seit mehr als einem Jahrzehnt dokumentiert ein norwegischer Filmemacher den Lebensweg einer Eisbärin namens Frost. Sein dritter Film über das Leben der Bärin entspinnt sich als eine Erinnerung an die alljährlichen Begegnungen zwischen dem Naturfilmer und der Bärin, die vom Klimakollaps zunehmend in gefährliche Nähe zur menschlichen Zivilisation gedrängt wird. Der Naturdokumentarfilm findet über den persönlichen Zugang immer wieder erstaunliche Bilder der Wildtiere als Individuen, ohne sie zu vermenschlichen oder ihr zunehmend gefährdetes Leben in Klischees von Sentimentalität einzureihen.
Karsten Munt | 17.08.2026

The Hawk

  • USA 2026
  • R: Jonathan Watson
Comedy-Serie um einen einstigen Golfstar, der nach dem Ende seiner Karriere noch einmal zu alter Größe zurückfinden will. Obwohl sein Körper ihm Grenzen setzt und sein Umfeld längst mit ihm und seiner Karriere abgeschlossen hat, klammert sich der ebenso ego- wie exzentrische Sonderling an die Hoffnung auf ein letztes großes Comeback. Die mit konfrontativ-deftigem Humor erzählte Außenseiter-Geschichte sucht keine Distanz zu ihren narzisstischen Protagonist:innen, findet in deren Verdorbenheit neben dem Humor aber auch eine ehrliche und empathische Verbindung zum abseitigen, exzentrischen und wunderbar albernen Amerika.
Karsten Munt | 17.07.2026

Lucky

  • USA 2026
  • R: Jet Wilkinson
Nach einem mit ihrem Ehemann begangenen Millionenraub erwacht eine Trickbetrügerin vom Gatten verlassen und ihrer Beute beraubt in einem Hotelzimmer. Das FBI ist ihr ebenso auf den Fersen wie ihre ebenfalls kriminelle Schwiegermutter. Auf der Flucht und zugleich auf der Jagd, muss die Betrügerin einen neuen, eigenen Weg finden. Die entlang bekannter und mitunter überstrapazierter Krimi-/Thriller-Motive und Figuren aufgezogene Miniserie ist oft zu sehr auf den eigenen, durchaus sichtbaren Hochglanz reduziert, um zu den lebendigen Teilen seiner Geschichte vordringen zu können.
Karsten Munt | 16.07.2026

Die Odyssee (2026)

  • Großbritannien 2026
  • R: Christopher Nolan
Nach dem Fall und der Plünderung der Stadt Troja bricht das griechische Heer zur Heimreise auf. Allein Odysseus, dessen Kriegslist den Kampf für die Griechen entschied, bleibt die Rückkehr in seine Heimat Ithaka verwehrt. Auf der Insel der Nymphe Kalypso erinnert sich der Held an seine Irrfahrten, die Begegnung mit dem Kyklopen, den Laistrygonen und dem Ungeheuer Scylla, während die Freier in seiner Heimat seine Frau und seinen Sohn bedrängen. Die in gedämpften Naturfarben strahlende Adaption des homerischen Epos liest den Mythos des listenreichen Protagonisten gegen den Strich und schlägt damit eine Brücke in die politische Gegenwart. Inszenatorisch bewegt sich der knapp dreistündige Film zwischen Genre-Glanzstücken, gediegener Fantasterei und einer eleganten Verschränkung von Prosaischem mit popkultureller Fantasy entlang der Motive Schuld und verlorener Menschlichkeit.
Karsten Munt | 15.07.2026

Evil Dead Burn

  • USA 2026
  • R: Sébastien Vanicek
Nach dem Unfalltod ihres gewalttätigen Ehemannes begegnet seine Witwe bei der Trauerfeier im abgelegenen Anwesen der Familie nach langer Zeit ihren Verwandten wieder. Insgeheim hat von ihnen eine dämonische Kraft Besitz ergriffen, um das Erbe des verstorbenen Großvaters und alle Angehörigen zu vernichten. Sechster Teil der Horrorfilmreihe um Sam Raimis „Tanz der Teufel“ (1981), der mit gnadenloser Brutalität und großem handwerklichen Spieltrieb dem Splatter-Genre huldigt, sich dabei aber allzu sehr auf eine ebenso plumpe wie sperrige Allegorie stützt.
Karsten Munt | 13.07.2026

Insekten - Helden im Verborgenen

  • Deutschland 2026
  • R: Nepomuk Pfaff
Die Symbiose zwischen Insekten und Pflanzen hat der Welt eine ungeahnte Vielfalt an Arten und Lebensformen beschert. Die über Jahrmillionen evolutionär gewachsene Verbindung steht heute, im Zeichen des sechsten Massenaussterbens, vor dem Kollaps. Die Naturdokumentation versucht die Faszination für den Formen- und Farbreichtum von Flora und Fauna mit einem Appell für den Artenschutz zu verbinden. Beides geht inhaltlich, aber nicht ästhetisch zusammen.
Karsten Munt | 09.07.2026

Kraken - Erwachen der Tiefe

  • Norwegen 2026
  • R: Pål Øie
Eine Aquafarm in einem norwegischen Fjord nutzt ein neuartiges Verfahren, um die dort gezüchteten Lachse von Parasiten zu befreien. Eine Meeresbiologin soll die Auswirkungen des Ultraschalls auf das Ökosystem untersuchen und stößt dabei auf die Spuren eines Nachfahren der sagenumwobenen Megafauna des Fjords. Bald bedroht ein gewaltiger Kraken die Menschen im Fjord-Umfeld. Der behäbige Monsterfilm fährt viele Erzählstränge auf, um austauschbare Figuren für einen Showdown mit dem Ungetüm in Stellung zu bringen. Dabei kann er aber weder als Monster-Spektakel überzeugen, noch seiner mahnenden Botschaft zum Schutz der Wasserwelt Gewicht verleihen.
Karsten Munt | 06.07.2026

Resurrection

  • China 2025
  • R: Bi Gan
Die Menschen der Zukunft haben ihre Träume gegen die Unsterblichkeit eingetauscht. Nur wenige haben einen Weg gefunden, sich ihre Träume in der spirituell verarmten Zukunft zu erhalten. Eine namenlose Agentin verfolgt einen dieser „Phantasmer“ bis in die symbolgeladene Welt seiner Träume hinein. Kunstvoll und traumwandlerisch durchlebt der Film die vielen ästhetischen Formen der Kinogeschichte und ihrer Genres. Das ist beeindruckend gestaltet und wird mit viel Pathos vorgetragen. Der Film verwendet die vielen Formen und Genres, mit denen er spielt, aber rein zweckdienlich und räumt ihnen keine kreative Dynamik ein.
Karsten Munt | 24.06.2026

Obsession - Du sollst mich lieben

  • USA 2025
  • R: Curry Barker
Ein netter, introvertierter Mann verliebt sich in eine Arbeitskollegin, schreckt aber zurück, als sie ihn direkt nach seinen Gefühlen für ihn fragt. Diese verpasste Chance verärgert ihn so, dass er mittels eines magischen Objekts die bedingungslos glückliche Bindung herbeisehnt. Tatsächlich weicht ihm die Freundin nicht mehr von der Seite, doch erscheint dies mehr und mehr als pathologische, zerstörerische Form der Liebe. Was als harmlose Beziehungskomödie beginnt, wandelt sich langsam in Horror, der immer wieder auf überraschende Weise variiert wird. Der satirische Mystery-Horror-Thriller entwickelt als formal und darstellerisch brillanter Film eine zunehmend verstörende Wirkung, mit der das Amüsement purem Schrecken weicht.
Karsten Munt | 19.06.2026

Saving Spoonie

  • Deutschland 2026
  • R: Till Harms
Nur noch wenige hundert Exemplare des Löffelstrandläufers leben auf der Erde, Habitatverlust, Umweltverschmutzung und Wilderei haben den Bestand der Vogelart drastisch reduziert. Eine kleine Gruppe von Biologen, Ornithologen und Naturschützern kämpft für das Überleben der Vögel, die sie liebevoll „Spoonie“ nennen. Dabei gelingen, ob in China oder Deutschland, immer wieder Teilerfolge, Verhandlungen mit autokratischen Systemen und die bleibenden Schäden durch Industrieabfälle lassen aber kaum Optimismus zu. Der Dokumentarfilm folgt den Erhaltungsbemühungen und zeigt zwischen leisen Symbolbildern und der Hingabe der Naturschützer, wie frustrierend und dennoch unumgänglich Artenschutz in einer multipolaren, spätkapitalistischen Welt ist.
Karsten Munt | 18.06.2026

The Death of Robin Hood

  • USA 2026
  • R: Michael Sarnoski
Robin Hood ist am Ende seines Lebens angelangt. Während seine Legende eines edlen Banditen, der für die Gerechtigkeit eintritt, noch immer verbreitet ist, lebt er mit den Konsequenzen seiner wahren, von Mord und Gewalt geprägten Vergangenheit. Als er bei einem Kampf schwer verletzt wird, gelangt er auf eine Klosterinsel, wo sich eine Nonne seiner annimmt und seine Hoffnung auf Erlösung neu erweckt. Eine düstere Variante der Robin-Hood-Geschichte fernab des Mythos, die konsequent vom Weg aus der Barbarei heraus erzählt und dafür archaisches Pathos wie auch christliche Symbolik bemüht. Historie und Stoff legen dem Film eine besondere Schwere auf, die durch die Aussicht auf Erlösung aufgebrochen wird.
Karsten Munt | 15.06.2026

Fränk

  • Estland 2025
  • R: Tõnis Pill
Ein 13-jähriger Junge aus Estland verbringt den Sommer bei seinem Onkel, um nicht bei seinem gewalttätigen Vater zu sein, während seine Mutter eine neue Wohnung sucht. Schnell findet er Anschluss an eine Gruppe von Jungen, die ähnliche Gewalterfahrungen gemacht haben und sich mit Mutproben, Drogen und Schikanen gegen einen behinderten Mann die Zeit vertreiben. Dadurch scheint sich dem Jungen ein Ausweg aus den väterlichen Gewaltzyklen zu offenbaren. Das Jugenddrama mit der konzeptionell einfachen Idee der weitergegebenen Gewalt weigert sich beharrlich, zur Parabel zu werden. Seine Stärke liegt bei den einfühlsam und fein gezeichneten Hauptfiguren, die dem Film viel Eigenständigkeit geben.
Karsten Munt | 09.06.2026

Kap der Angst (2026)

  • USA 2026
  • R: Morten Tyldum
Über das scheinbar perfekte Leben eines gutbetuchten Anwalts-Paares legt sich ein bedrohlicher Schatten, als ein Mörder, an dessen Prozess die beiden einst beteiligt waren, wegen eines angeblichen Justizirrtums vorzeitig aus der Haft entlassen wird, sich der Familie heimtückisch annähert und Schwachstellen im Familiengefüge auszunutzen beginnt, um den Zusammenhalt zu zerstören. Die Serienverfilmung eines Thriller-Stoffs, der erstmals in den 1960ern verfilmt wurde („Ein Köder für die Bestie“) und den Martin Scorsese im gleichnamigen Film von 1991 adaptierte, setzt ähnlich wie Scorseses Film aufs Unterlaufen simpler Gut-Böse-Schemata und findet einen eigenen Zugang, indem sie die Familienkonstellation modifiziert und neue Themen, etwa die Bedeutung des Internets, einfließen lässt. Ein Psychoterror-Szenario, in dem der Horror immer dicht unter der Oberfläche liegt.
Karsten Munt | 05.06.2026

Cyberpunk Romance

  • Deutschland 2026
  • R: Joscha Douma
In der nahen Zukunft lassen sich Apps direkt in das neuronale Netz des eigenen Gehirns laden, Port-Zugänge im Kopf bieten Zugriff auf enzyklopädisches Wissen, Fremdsprachen und Mittel zur Emotionsregulation. Eine Gruppe anarchischer Hacker nutzt die Möglichkeiten dieser Technologie für ihre Zwecke, bis einer von ihnen in ein neurotechnisches Koma fällt. Um ihn zu retten, muss seine technologieskeptische Freundin sich an sein Bewusstsein koppeln und sein Gehirn „neu starten“. Eine dystopische Zukunftsvision mit interessanten maschinenethischen Fragen, die angesichts der thesenhaften Verdammung der Selbstdigitalisierung keine tiefschürfenden Antworten erfahren. Auch die dazugehörige Liebesgeschichte bleibt leblos.
Karsten Munt | 29.05.2026

Solo Mio

  • USA 2026
  • R: Charles Francis Kinnane
Ein amerikanischer Lehrer wird von seiner Verlobten unmittelbar vor der Hochzeit verlassen. Notgedrungen will er die zweiwöchigen Flitterwochen in Rom und der Toskana allein verbringen, wird aber rasch von anderen Urlaubern unter die Fittiche genommen. Zudem erweisen sich auch die Einheimischen als freundlich und hilfsbereit, insbesondere eine Frau, die bei dem Verlassenen neue romantische Gefühle weckt. Eine warmherzige Komödie um die bekannte Persona des Komikers Kevin James als liebenswerter Tollpatsch und ein Italien, das bis zur Selbstparodie als idealer Urlaubsort dargestellt wird. Dass der Film allzu einseitig die Männerperspektive seiner Hauptfigur wiedergibt, mindert allerdings ein wenig die sympathischen Züge des herzlichen Szenarios.
Karsten Munt | 28.05.2026

The Boroughs

  • USA 2026
  • R: Augustine Frizzell
In einer noblen Seniorenresidenz geht ein mörderisches Wesen um, das den betagten Bewohnern den letzten Rest Leben stiehlt. Ein neu angekommener ehemaliger Ingenieur und Witwer entdeckt das Monster eines Abends, findet aber bei der Leitung der Residenz und beim Sicherheitsdienst wenig Aufmerksamkeit, weil alle Seltsamkeiten der Alterssenilität zugeschrieben werden. Mit Hilfe seiner neuen Nachbarn versucht er selbst, das dunkle Geheimnis hinter der Fassade der Residenz aufzudecken. Eine mit Mitteln des „Creature Features“ spielende Reflexion ums Altern und den Umgang mit der eigenen Sterblichkeit. Als Mystery-Serie näher an „The Twilight Zone“ als an den modernen Vertretern des Genres, findet sie ihre Stärken eher in den entschleunigten, nachdenklichen Momenten als in der Unmittelbarkeit.
Karsten Munt | 21.05.2026