Horst Peter Koll

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Forget about Nick

  • Deutschland 2017
  • R: Margarethe von Trotta

Eine New Yorker Mode-Designerin wird während der Vorbereitungen zu ihrer ersten Kollektion von ihrem Mann verlassen. Ausgerechnet jetzt taucht dessen erste Ex-Frau auf, eine promovierte Literaturwissenschaftlerin aus Deutschland, um die Hälfte des mondänen Apartments zu „besetzen“, das ihr laut Ehevertrag zusteht. Fortan streiten sich die Kontrahentinnen über Liebeserwartungen und -enttäuschungen, bis sie ihre jeweiligen Stärken und Schwächen anerkennen und sich auf Perspektiven verständigen. Dramatische Komödie vor der Kulisse von Mode, Design und schickem „Lifestyle“, die von einigen schauspielerischen Akzenten lebt, ansonsten aber weitgehend steril und inszenatorisch steif wirkt.

Auf Ediths Spuren

  • Österreich 2016
  • R: Peter Stephan Jungk

Dokumentarfilm, mit dem sich der Regisseur auf die Spuren seiner Großtante begibt, der Fotografin Edith Tudor-Hart (1908-1973), die in ihren Werken ihren aufmerksamen, empathischen Blick mit ihrem sozialkritischen Engagement in Einklang brachte. Das „Familiengeheimnis“ besteht darüber hinaus darin, dass Tudor-Hart als passionierte Kommunistin von London aus als KGB-Spionin tätig war. Der spannende, an Fakten und Geschichten überbordende Film rekonstruiert in einer Mischung aus Archiv-Recherche, Zeitzeugen-Interviews und animierten Sequenzen die faszinierende, ebenso widersprüchliche wie tragische Lebensgeschichte von Edith Tudor-Hart, bringt die herausragende Künstlerin nachhaltig in Erinnerung und fragt zugleich kritisch nach den Ursachen ihrer politischen „Schwärmerei“ und deren weitreichenden politischen Folgen.

Fack ju Göhte 3

  • Deutschland 2017
  • R: Bora Dagtekin

Die chaotische Klasse der Münchener Goethe-Gesamtschule steht kurz vor dem Abitur, als der Besuch eines Berufsinformationszentrums den Schülern jede Hoffnung auf ihr Weiterkommen nach dem ohnehin wackeligen Schulabschluss raubt. Ihr nicht minder unangepasster Lehrer muss ein letztes Mal ganze Aufbauarbeit leisten. Abschluss der brachialen Komödien-Trilogie „Fack ju Göhte“ als rasante Witz- und Gag-Folge, die mit schier unerschöpflicher Energie Kalauer mit subtiler Sprachakrobatik, derbe Zoten mit dramaturgisch raffinierten Szenenabläufen verbindet. Hinter dem über die Stränge schlagenden Erzählchaos offenbaren sich Ansätze eines sozialutopischen Märchens, das voller Vertrauen auf die selbstgeschaffene Zielgruppe an Freundschaft, Selbstbewusstsein, Mut und Zivilcourage appelliert.

Es war einmal Indianerland

  • Deutschland 2017
  • R: Ilker Çatak

Ein 17-Jähriger aus einem tristen Hamburger Vorort konzentriert sich auf seinen Aufstieg als Boxer, als er zwei Wochen vor einem Auswahlkampf seiner „Traumfrau“ aus besserem Milieu begegnet, in eine wilde Achterbahnfahrt der Gefühle gerät und zwischen tiefer Verunsicherung und massiven Selbstzweifeln auch noch mit einer Gewalttat seines Vaters konfrontiert wird. Verfilmung des Jugendromans von Nils Mohl als sozialutopisches Märchen, das mit ungestümer Fabulierlust das vertraute Erzählen mit Raum und Zeit aufhebt. Ebenso mitreißend wie vital, existenziell intensiv, mal skurril oder auch surreal kommt der Film den großartig gespielten jungen Protagonisten äußerst nahe, gerade weil sie nicht bis ins letzte Detail erklärt werden.

Brüderbande

  • Frankreich 2014
  • R: Jean-Charles Hue

Ein 18-jähriger, von seinem älteren Bruder für kriminelle Beutezüge eingespannter Junge lebt mit seiner jenischen Familie in ärmlichen Verhältnissen in einer Siedlung im Norden Frankreichs. Als ein weiterer Bruder aus der Haft entlassen wird, planen die drei den Diebstahl eines LKW mit Industriemetall. Die Aktion gerät zur Bewährungsprobe. Der experimentierfreudige französische Regisseur Jean-Charles Hue schuf mit nichtprofessionellen Darstellern und dokumentarischer Beharrlichkeit ein eher ereignisarmes Drama, das die reizbaren Brüder während ihrer langen Diskussionen beobachtet, ihre Familienbande ebenso auslotet wie die Unwägbarkeiten ihrer Charaktere.

Bullyparade - Der Film

  • Deutschland 2017
  • R: Michael Herbig

Kinoausgabe der Fernsehsketch-Serie „Bullyparade“ (1997-2002), in der die vertrauten Mechanismen der Komik von „Bully“ Herbig in fünf Kurzfilmen aneinandergereiht werden, darunter stilechte Fortsetzungen von „Der Schuh des Manitu“ (2001) und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ (2004). Während die Komiker überdreht albern, kalauern, Worte und Sätze verdrehen und vordergründig-turbulenten Quatsch auf dem schmalen Grat zwischen kindlicher Unschuld und kindischer Regression aneinanderreihen, hält sich der Mut zu Überraschungen und subversiver Hintergründigkeit arg in Grenzen.

Die Pfefferkörner und der Fluch des Schwarzen Königs

  • Deutschland 2017
  • R: Christian Theede

Vier Kinder-Detektive aus Hamburg entlarven während einer Klassenfahrt in die Südtiroler Bergwelt die wahren Ursachen eines Fluchs und kommen einer skrupellosen Geschäftsfrau und ihen Machenschaften auf die Spur. Lieb- und seelenloser, bombastisch inszenierter Abenteuer- und Detektivfilm für Kinder, der die Muster der traditionsreichen Fernsehserie "Die Pfefferkörner" ins Übergroße steigert und die handelnden Kinder in einer atemlosen, gänzlich mechanischen Folge von Äußerlichkeiten distanzlos ins Heroische erhebt.

Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

  • Deutschland 2017
  • R: Arne Feldhusen

Ein Ex-Künstler, der nach einem Zusammenbruch in die Psychiatrie musste, wird 1994 von einstigen Berliner Kumpels aus der Sicherheit einer drogentherapeutischen Hamburger Wohngemeinschaft gelockt, um sie als Mädchen für alles durch die von Alkohol, Drogen und Musikexzessen geprägten Höhen und Tiefen einer Techno-Rave-Tournee durch Deutschland zu lotsen. Die famos gespielte Geschichte der turbulent-chaotischen Tour verbindet Komik und Melancholie, virtuose Sprachakrobatik und ausgelassene Albernheiten, feiert die Euphorie einer Epoche, um sie zugleich ironisch zu hinterfragen. Dabei begegnet der Film seinen Figuren mit liebevoller Menschlichkeit.

Western (2017)

  • Deutschland 2017
  • R: Valeska Grisebach

Ein wortkarger Einzelgänger Ende 40 kommt mit einem Trupp deutscher Bauarbeiter in ein entlegenes Gebiet Bulgariens, um ein Wasserkraftwerk zu errichten, knüpft Freundschaften mit den Bewohnern eines nahe gelegenen Dorfs, was zu Annäherungen, aber auch zu Konflikten führt und ihn zwischen die Fronten geraten lässt. Ein intensives Drama um die tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit und einem Platz im Leben. Souverän verbindet der in grandiosen Naturlandschaften schwelgende, eindrucksvoll von Laiendarstellern gespielte „Heimatfilm“ Mythen und Chiffren des Western-Genres mit dem geduldigen neorealistischen Blick auf Möglichkeiten und Grenzen menschlichen Miteinanders.