Mein Vater, der Held

Komödie | Frankreich 1991 | 103 Minuten

Regie: Gérard Lauzier

Der verwicklungsreiche Prozeß von Bindung und Lösung zwischen einem Vater und seiner heranwachsenden Tochter während des Weihnachtsurlaubs, als ein junger Mann die Liebe des Mädchens erweckt. Komödie, die trotz Neubelebung verschiedener Klischees die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens und der Persönlichkeitsentwicklung psychologisch ebenso genau beschreibt wie die väterliche Ablösung vom geliebten Kind. Überzeugend auch durch die Frische und Natürlichkeit der Darsteller. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
MON PERE, CE HEROS
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
1991
Produktionsfirma
Film par Film/D.D./Orly Films/Paravision/Canal +/TF 1
Regie
Gérard Lauzier
Buch
Gérard Lauzier
Kamera
Patrick Blossier
Musik
François Bernheim
Schnitt
Georges Klotz
Darsteller
Gérard Depardieu (André) · Marie Gillain (Véronique) · Patrick Mille (Benjamin) · Catherine Jacob (Christelle) · Charlotte de Turckheim (Irina)
Länge
103 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Komödie
Externe Links
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Heimkino

Verleih DVD
BMG (16:9, 1.85:1, DD5.1 dt.)
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Diskussion
Die Ferien des Monsieur André sind seine Weihnachtsfreude. Alljährlich holt der Geschiedene sein Töchterchen bei der Ex-Frau ab, um mit dem Kind über die Festtage zu verreisen. Diesmal jedoch muß André feststellen, daß das "Kind" für Weihnachtsferien in der liebgewordenen Form nicht mehr so recht zu haben ist. Auf Mauritius, dem Ferienziel, hat André bei der Gestaltung schöner Tage der Gemeinsamkeit mit vielen äußeren und inneren Widerständen zu kämpfen, denn das Töchterchen, Véro, hat sich zu einem hübschen Teenager entwickelt und erregt zum fassungslosen Ärger des Vaters am Strand und in der Disco bei jungen wie ergrauten Männern Aufmerksamkeit und Interesse. Andrés kummervolle Enttäuschungen vertiefen sich, als er feststellen muß, daß Véro selbst auf Reizwirkungen setzt. Und als der junge Benjamin in braungebrannter Attraktivität am Strand auftaucht und mehr und mehr Véros Herz und Sinne erregt, schrillen bei Vater André alle Alarmglocken. Eifersüchtig versucht er die Annäherungen zwischen Véro und Benjamin zu sabotieren, während Véro ihrerseits den Vater benutzt, um Benjamin durch Eifersucht aus dem Stadium unverbindlichen Flirtens in die Phase wachsender und sich verfestigender Liebe zu überführen. Dabei bedient sie sich in erwachender Weiblichkeit nicht nur der Koketterie und kleiner Listen, sondern auch einer Notlüge, die verhängsnisvolle Folgen hat. Letzten Endes aber sind alle Beteiligten reicher an Erfahrungen, Einsichten und Reife geworden; und mit dem etwas wehen Lächeln des resignierenden Sich-Abfindes läßt André sein "Kleines" ins Leben und Lieben mit dem "anderen" - am Ende dieses schwierigen Prozesses von Ablösung und Verzicht in der Selbstüberwindung mehr ein Held als zuvor in äußerlichen Aktionen.

Schon in seinem episodenhaften Teenager-Film "Kleiner Spinner" (fd 24 841) verstand es Gérard Lauzier, mit Behutsamkeit die Gefühlsverwirrungen, Pubertätsnöte und Ängste von Heranwachsenden überzeugend aufzudecken. Obwohl es an der Neubelebung von Klischees des Kinos um "reifende Jugend" nicht fehlt, erreicht Lauzier auch jetzt wieder ein glaubwürdiges Bild von Jugendlichen. Wie aus dem spielerischen und tapsigen Zugreifen sich echte Gefühle und Zärtlichkeit entwickeln, ist mit psychologischer Stimmigkeit ebenso ausgeführt wie die väterliche Tragikomödie Andrés. Wie er die langsame, aber unaufhaltsame Aufweichung von Véros Elektra-Komplex erlebt, ihre Ablösung von der Verinnerlichung der Vaterinstanz zugunsten ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung - das macht Gérard Depardieu in einer feinen Mischung aus Komik und Herzenselend zu einer anrührenden Charakterstudie. Und selbst da, wo sich Situationskomik ergibt, liegen die Wurzeln des Amüsanten immer in den inneren Verfassungen der Personen. So entsteht beispielsweise ein wahres Schmunzelvergnügen, wenn André und der junge Benjamin sich nach näherem "Beriechen" geradezu miteinander anfreunden und bei vertieft hingedroschenem Kartenspiel die ungeduldig ihre Ansprüche anmeldende Véro gleichsam als zweitrangig übersehen - eine Kostprobe männlichen Verhaltens, die Véros Auffassung vom "Erstanspruch" merklich erschüttert und in ihr die Ahnung aufdämmern läßt, daß ein Mann nicht immer nur für die Frau allein da ist und bestimmte Eigeninteressen für sie aufgibt. Wie überhaupt ein relativierendes Element im Film stets mitschwingt: in der locker aufkommenden Beziehung Andrés zu einer Frau am Ferienort ebenso wie in seinem Abschiednehmen von Véro am Schluß der Geschichte. Da gibt es ein wehmütig-nachdenkliches Nachwirken für die enteilenden jungen Liebenden, die (noch) nicht wissen, daß das Scheitern des absoluten Gefühls in einer Welt des Alltags und gesellschaftlicher Notwendigkeiten immer möglich ist.
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