Komödie | Deutschland 1991 | 99 Minuten

Regie: Gerhard Polt

Von seiner uneinsichtigen, standesstolzen reichen Frau hinausgeworfen, muß ein ehemaliger Kellner sein Leben neu beginnen und feiert Erfolge als vom Fernsehen entdeckter "Poet". Eine zähflüssig inszenierte Komödie um einen gemütvollen "Narren" in einer Welt der Selbstdarsteller und Karrieristen. Die satirischen Spitzen gegen das Fernsehen und die Kultur-"Schickeria" bleiben ebenso stumpf wie die Dichtkunst der Hauptfigur. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
1991
Regie
Gerhard Polt · Fred Unger
Buch
Gerhard Polt
Kamera
Wolfgang Treu
Musik
Biermösl Blosn
Schnitt
Ingrid Broszat
Darsteller
Gerhard Polt (Ernst Held) · Christiane Hörbiger (Frau Held) · Ulrike Kriener (Agnes) · Robert Meyer (Herr Fuchs) · Natalia Lapina (Camilla Bleiss)
Länge
99 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie

Diskussion
Die Leidenschaft für seine - gelinde gesagt - äußerst schlichte Dichtkunst wird Ernst Held zum Verhängnis. Der ehemalige Kellner war durch die Heirat mit einer Hotel-Besitzerin längst aller finanziellen Sorgen enthoben, da ertappt ihn seine standesstolze und auf ihren Ruf bedachte Frau beim Seitensprung. Zwar war er der attraktiven Schönheit nur ins Netz gegangen, weil sie sich angeblich für seine Poesie interessierte, und daß er ohne Hosen angetroffen wird, liegt daran, daß er ungeschickterweise seinen Pfefferminz-Tee vergoß. Doch bevor Ernst die Dinge erklären kann, werden ihm alle Privilegien entzogen, und er findet sich mittellos in den Straßen Münchens wieder. Nun verfaßt Ernst zwar naiv-belanglose Gedichte, ist aber gewitzt genug, um nicht unter die Räder zu kommen. Als Agnes, Besitzerin der Kneipe "Goldener Löffel", ihn als Kellner einstellt, nutzt er sein neues Domizil als Plattform für eine neue Existenz. Am Ende hat er Fernseh-Karriere gemacht - wenn auch eher unfreiwillig, da findige Programm-Macher in seiner Poesie "den" neuen Kultur-Trend entdeckten -, und Agnes' Kneipe ist zum Szene-Treff avanciert, der keine finanziellen Sorgen mehr bereitet, dafür aber von der "Schickeria" vereinnahmt ist und damit seine ursprüngliche Gemütlichkeit eingebüßt hat.

Gerhard Polt spielt Ernst Held als liebenswertaufrichtigen Toren, der sein Herz am rechten Fleck hat und seine Gemütlichkeit und innere Zufriedenheit über alles schätzt. Daß er in der modernen Welt der schnellebigen Trends und Moden, der katzbuckelnden Kameristen und zynischen Erfolgsmenschen als ein Exot wie vom fremden Stern erscheint, nutzt der Kabarettist und Satiriker Polt als Kniff für komische Effekte, aber auch um der beschriebenen Gesellschaft den (Eulen-)Spiegel vorzuhalten. Dabei bleibt die kino-inszenatorische Aufbereitung der Abenteuer Ernst Helds freilich ähnlich schlicht und behäbig wie dessen Dichtkunst, und so mancher hübsche Einfall verpufft angesichts der lieblosen Reihung episodischer Handlungsteile, die weder Dichte noch Schärfe besitzen - und damit keine zielgerichtete Stoßkraft. Die nur in Ansätzen satirisch ausgereizten Themen werden regelrecht abgehakt: Polt als Schüler eines Rhetorik-Lehrers, der seinen arglosen Kunden mit Nichtigkeiten das Geld aus der Tasche zieht; Polt im Labyrinth protziger Verlagshäuser, in denen man sich mehr fürs private Tennis-Match als für Literatur interessiert; Polt im Netz arroganter Fernsehprogramm-Gestalter, die mit zynischer Kaltschnäuzigkeit den billigsten Mist zur hochkarätigen Fernseh-Unterhaltung erheben und ihre Borniertheit in Szene-Restaurants und - Kneipen selbstgefällig zur Schau stellen. Polt attackiert das Klischee-Denken der Menschen, indem er selbst zu Klischees greift, was eine durchaus legitime Methode sein kann, wenn man etwa an Charles Lewinskys satirischen Fernsehroman "Mattscheibe" denkt. Doch Polt bleibt stets auf halben Wege stecken, nicht zuletzt, weil er das Medium Kino nie wirklich nutzt. Bezeichnend auch, daß ihm keine griffige Komposition gelingt, um Ernst Helds Sehnsucht nach innerer Ruhe zu versinnbildlichen: da sieht man ihn einmal gequält lächelnd im Biergarten sitzen und darf sich seinen Teil dazu denken - ob man allerdings viel Lust dazu hat, solche armselige Bildgestaltung weiterzudenken, ist mehr als fraglich.
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