Menschen am Sonntag

Drama | Deutschland 1928/29 | Kino & BD: 74 (=DVD: 71) (VHS: 58) Minuten

Regie: Robert Siodmak

Die Chronik eines Sonntags im Berlin der Weimarer Republik: Eine Verkäuferin, eine Filmstatistin, ein Vertreter und ein Chauffeur fahren zum Wannsee, wo sie ihre Freizeit verbringen. Eine halbdokumentarische Collage aus Spielszenen und Sozialreportage, durch Bildverismus, Darstellung und Vermittlung sozialer Realität eines der herausragenden Werke der deutschen Stummfilm-Avantgarde. Die präzisen und authentischen Beobachtungen aus dem Milieu der Angestelltenkultur, beispielhaft für die gesellschaftliche Entwicklung der späten 20er Jahre, haben den Charakter eines historischen Dokuments; der Inszenierungsstil des Films, der seine Episoden aus dem Flair der Originalschauplätze und der spontanen Selbstdarstellung seiner Laienschauspieler entwickelt, beeinflußte den poetischen Realismus im Frankreich der 30er Jahre und wirkte stilbildend für den italienischen Neorealismus. Die Mitglieder des Autorenkollektivs emigrierten später in die USA. Die perfekt aus dem Flair der Originalschauplätze und der spontanen Selbstdarstellung der Laienschauspieler entwickelte Inszenierung erstrahlt in der herausragenden Rekonstruktion in neuem Licht. - Sehenswert ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
1928/29
Regie
Robert Siodmak · Edgar G. Ulmer · Curt Siodmak · Fred Zinnemann
Buch
Billy Wilder · Robert Siodmak
Kamera
Eugen Schüfftan
Musik
Otto Stenzel · Elena Kats-Chernin · Donald Sosin · Steven Garling
Darsteller
Brigitte Borchert (Brigitte, Verkäuferin) · Christl Ehlers (Christl, Mannequin) · Erwin Splettstößer (Erwin, Taxifahrer) · Wolfgang von Waltershausen (Wolfgang, Weinvertreter) · Annie Schreyer (Annie, Daheimgebliebene)
Länge
Kino & BD: 74 (=DVD: 71) (VHS: 58) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 12.
Genre
Drama | Literaturverfilmung

Heimkino

Das bald nach der Uraufführung veränderte und verschwundene Werk wurde 1997 bis 1998 in Amsterdam aus unterschiedlichsten Quellen rekonstruiert und restauriert, 2010 in 2K digitalisiert und jener Scan dann 2014 unter Leitung der deutschen Kinemathek neu gemastert. Das Ergebnis entspricht annähernd der einstigen Premierenfassung und ist in Bild und Ton besser denn je. Letzteres liegt auch an der 2014 von Donald Sosin neu eingespielten, beschwingten Klaviermusik. Das Mediabook, beinhaltet (neben DVD und Blu-ray) ein 18-seitiges bebildertes Booklet, in dem man die ganze Produktionsgeschichte und die Wiederzugänglichmachung in einem Bericht von Martin Koerber (deutsche Kinemathek) nachvollziehen kann. Spannend und informativ ist auch das 24-minütige "Making of" „Weekend am Wannsee“ über die Restaurierungsarbeiten. Die Edition ist mit dem Silberling 2018 ausgezeichnet.

Verleih DVD
zyx (FF, Mono); Atlas (16:9, 1.19:1, Mono)
Verleih Blu-ray
Atlas (16:9, 1.19:1, dts-HD Mono)
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Diskussion
„Menschen am Sonntag“ erscheint hier in völlig neuem Licht - und dass, obwohl dieser Klassiker des deutschen Avantgardefilms nur um 230 Meter im Vergleich zur bislang gebräuchlichen Version länger geworden ist. Zunächst sticht die verbesserte Bildqualität der filmischen Irrungen und Wirrungen von vier Berliner Ausflüglern am Wannsee ins Auge. Vorbei ist es mit den vermeintlich expressionistischen Schatten in den jungen Gesichtern der Laiendarsteller; Eugen Schüfftans meisterliche Kamera ist manchmal neusachlich, öfter aber elegant-impressionistisch. Der Filmhistoriker Martin Koerber erzielte im Bologneser Labor eine erstaunliche Vereinheitlichung der verschiedenen Nitro-Fundstücke auf höchstem Niveau. Ausgehend von der stark gekürzten niederländischen Verleihfassung, gelang es mit Hilfe einer Kopie aus Lausanne, mehr als die Hälfte der Kürzungen gegenüber der verlorenen deutschen Premierenfassung rückgängig zu machen. Ein

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