Love Field - Liebe ohne Grenzen

Drama | USA 1992 | 104 Minuten

Regie: Jonathan Kaplan

Eine etwas dümmliche, aber gutherzige Provinzschönheit aus Dallas, die eine glühende Verehrerin von Jackie Kennedy ist, will 1963 unbedingt zur Beisetzung des ermordeten Präsidenten nach Washington reisen, auch gegen den Willen ihres Ehemanns. Bei der Reise im Greyhound Bus trifft sie auf einen Afroamerikaner, der mit seiner Tochter auf der Flucht vor der Polizei ist. Nach anfänglichen Mißverständnissen kommen sich die ungleichen Reisegefährten während der gemeinsamen Flucht näher und verlieben sich ineinander. Eine nostalgisch eingefärbte Entwicklungsgeschichte vor dem Hintergrund des Kennedy-Attentats, die den durch den Mord am Präsidenten enttäuschten Hoffnungen auf ein neues Amerika als Lichtschimmer die aufkeimende Liebe der Protagonisten entgegenhält. Ein zwar etwas naives, aber von guten Darstellern getragenes "Period Picture". - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
LOVE FIELD
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1992
Regie
Jonathan Kaplan
Buch
Don Roos
Kamera
Ralf D. Bode
Musik
Jerry Goldsmith
Schnitt
Jane Kurson
Darsteller
Michelle Pfeiffer (Lurene Hallett) · Dennis Haysbert (Paul Johnson alias P. Carter) · Stephanie McFadden (Jonell) · Brian Kerwin (Ray Hallett) · Louise Latham (Mrs. Enright)
Länge
104 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama

Heimkino

Verleih DVD
Vocomo
Verleih Blu-ray
Vocomo
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Diskussion

Für die wasserstoffblonde Friseuse Lurene ist der 22. November 1963 ein ganz besonderer Tag. Die Kennedys sind zu Besuch in Dallas, Texas, und für sie, weniger von der Politik, als vielmehr vom Chic und der Aura der "First Lady" Jackie angezogen, geht ein Traum in Erfüllung. Wenig später weicht der Jubel grenzenlosem Entsetzen, die Schüsse auf den Präsidenten und dessen Tod lahmen nicht nur die Stadt, sondern die gesamte Nation.Für Lurene steht außer Frage, Jackie, mit der sie sich nach einer Fehlgeburt noch verbundener fühlt, beim Begräbnis ihres Mannes beizustehen; sie nimmt deswegen sogar einen Streit mit ihrem biertrinkenden und ständig nörgelnden Ehemann Ray in Kauf.

Im Überlandbus nach Washington lernt sie die kleine Jonell kennen, ein schwarzes Mädchen, das mit seinem Vater Paul ebenfalls auf dem Weg nach Norden ist. Die ständig vor sich hinplappernde Frau drängt sich den beiden Mitreisenden förmlich auf, bedrängt den mehr als zurückhaltenden Paul mit ihrer Herzlichkeit. Als sie während eines Aufenthalts Narben am Körper Jonells entdeckt, zieht Lurene die denkbar falschen Schlüsse. Sie glaubt an Kindesmißhandlung und -entführung und alarmiert die Polizei, die schon hinter Paul her ist, der seine außereheliche Tochter aus einem Waisenhaus geholt hat, in dem sie mißhandelt wurde. Nachdem Paul sich erklärt hat und seine Flucht allein fortsetzen will, hängt sich Lurene wie eine Klette an ihn, denn schließlich ist auch sie in den Fall verstrickt, und er scheint ihre einzige Garantie zu sein, rechtzeitig nach Washington zu kommen. Doch die gemeinsame Fahrt in gestohlenen Autos wird für die Frau zu mehr als einer Reise zu einem Staatsakt: ihr werden die Augen geöffnet, sie erkennt das wahre Amerika, ein Land, in dem Rassentrennung und -diskriminierung an der Tagesordnung sind. Sie muß auch erkennen, dass John F. Kennedy für die Schwarzen kein Heilsbringer, sondern lediglich ein Präsident wie viele andere vor ihm ist. Natürlich verliebt sich das ungleiche Paar ineinander; doch die Rahmenbedingungen dafür, dass es ein Happy End für sie geben könnte, sind denkbar ungünstig.

Nach Oliver Stone ("John F. Kennedy ~ Tatort Dallas", fd 29 360) und John Mackenzie ("Ruby", fd 29 798) bezieht sich auch Jonathan Kaplan in seinem 1992 entstandenen Film auf das Attentat auf den amerikanischen Präsidenten, um seine durch und durch nostalgisch gefärbte Entwicklungsgeschichte in Gang zu bringen. Den programmatischen Titel liefert dabei der Flughafen von Dallas - "Love Field". Kaplan interessiert allerdings die aktuelle Tagespolitik und die "nationale Tragödie" nur am Rande, sie dient als Aufhänger für die Begegnung zweier Menschen, die sich von ihrem gewohnsheitsgemäßen Leben immer weiter entfemen, um endlich zu sich selbst zu finden, die ihre wahren Bedürfnisse erkennen und Position beziehen. Dies trifft in erster Linie auf die naive Provinzschönheit Lurene zu - hervorragend dargestellt von Michelle Pfeiffer -, die, zum ersten Mal mit der Realität konfrontiert, endlich ihre Weltfremdheit abstreifen kann. Paul, der sein ganzen Leben mit den verschiedenen Formen des Rassismus konfrontiert war, ist da schon auf- und abgeklärter. Er versucht, sich unauffällig in der weißen Welt zu arrangieren, seine Erwartungen sind auf das Mindestmaß beschränkt. Klare Stellung bezieht er erst, als das (Liebes-)Verhältnis zwischen ihm und Lurene geklärt ist; zuvor will er sie und damit auch sich aus allem heraushalten.

"Love Field" bemüht sich detailversessen, die Atmosphäre der 1960er Jahre auferstehen zu lassen, beschreibt ein wenig wehmütig jene Zeit, in der die amerikanische Nation ihre vermeintliche Unschuld und ihren großen Traum verlor. Diese akribische Rückbesinnung führt dazu, dass man dem Film - bis auf wenig Ausnahmen - kaum ansieht, dass er in den 1990er Jahren produziert wurde. Seine Kritik an gesellschaftlichem Verhalten und Rollenstrukturen tut niemanden weh; der Rückblick signalisiert, dass diese Zeiten gottlob überwunden sind. Ein Blick auf das heutige Amerika belehrt den Zuschauer allerdings rasch eines Besseren. Was bleibt, ist eine siLiebesgeschichte, deren Konstellation in den 1960ern in der Tat brisant war, die sich jedoch heute nur noch wie der "Sturm im Wasserglas" ausnimmt. Anders als Stanley Kramers ähnlich gelagerter Film "Flucht in Ketten" von 1958 (fd 7 244) fehlt es Jonathan Kaplans Werk an politischem Gewicht. Das Ergebnis ist die Gewißheit, dass die Autos früher formschöner waren und eine Love Story darüber, dass alle Hindernisse durch die Kraft der Liebe überwunden werden können: Nostalgie und Naivität gehen so eine "Mischehe" ein.

Fotos: © 1991 Orion Pictures Corporation

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