Wahlverwandtschaften (1996)

Literaturverfilmung | Italien/Frankreich 1996 | 98 Minuten

Regie: Paolo Taviani

Neuerliche Adaption von Goethes großem Romanwerk über die Geometrie der Liebe. Angesiedelt in der Toskana zu Beginn des 19. Jahrhunderts, sind vier Personen so sehr mit sich selbst und ihren Gefühlen beschäftigt, daß sie weder ihre Umwelt noch die gesellschaftlichen Erschütterungen ihrer Zeit wahrnehmen. Doch ihre Suche nach maximaler Harmonie ist zum Scheitern verurteilt. Ein in seiner ebenso kalten wie hochartifiziellen Form nur schwer zu ertragendes filmisches Experiment mit menschlichen Gefühlen, das nur in wenigen Momenten einen Hauch von Wärme spüren läßt. Überwiegend vermittelt der analytische Blick das ernüchternde Dokument geistiger Leere. - Ab 16 möglich.

Filmdaten

Originaltitel
LE AFINITA ELETTIVE | LES AFFINITES ELECTIVES
Produktionsland
Italien/Frankreich
Produktionsjahr
1996
Regie
Paolo Taviani · Vittorio Taviani
Buch
Paolo Taviani · Vittorio Taviani
Kamera
Giuseppe Lanci
Musik
Carlo Crivelli
Schnitt
Roberto Perpignani
Darsteller
Isabelle Huppert (Carlotta) · Jean-Hugues Anglade (Edoardo) · Fabrizio Bentivoglio (Ottore) · Massimo Popolizio (Marchese) · Laura Marinoni (Marchesa)
Länge
98 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16 möglich.
Genre
Literaturverfilmung

Diskussion
Immer und immer wieder fühlen sich Filmemacher von dieser Geschichte angezogen - und eigentlich scheitern sie auch immer wieder. 1975 blieb Siegfried Kühn bei seiner DEFA-Produktion noch verhältnismäßig eng an der Vorlage. 1986 übertrug Rudolf Thome in seinem Film "Tarot" Goethes Muster in eine Gegenwartsgeschichte und untersuchte dabei das Gespinst von Lügen und Verstellungen in den Beziehungen von zwei Paaren. Vor allem aber auch die Franzosen näherten sie wiederholt dem Stoff. Truffaut vermied es, die Geschichte direkt zu benutzen, zitierte sie aber nicht ohne Grund in seinem Film "Jules und Jim". Das Streben nach einem Ideal in den Beziehungen zwischen drei bzw. vier Menschen und das nahezu zwangsläufige Straucheln verbindet "Jules und Jim" zweifellos mit Goethes Geschichte. Und Claude Chabrol, der so überaus erfolgreiche "Insektenforscher" der französischen Bourgeoisie, scheiterte dann 1981 mit seinem französisch-deutschen Fernsehfilm nach Goethe. Die Anziehungskraft der Vorlage auf Filmemacher ist gewaltig, doch die Möglichkeit des Scheiterns nicht wenig

Filmdienst Plus

Ich habe noch kein Benutzerkonto
Kommentar verfassen

Kommentieren