Verrückt nach Mary

Komödie | USA 1998 | Kino: 119 (=DVD: 114, =BD: 119) Langfassung BD: 130 (=DVD: 125) Minuten

Regie: Bobby Farrelly

13 Jahre, nachdem ein College-Absolvent das erste "Date" mit seiner Angebeteten durch ein groteskes Mißgeschick vermasselt hat, beauftragt er einen Detektiv, ihren Aufenthaltsort herauszufinden. Dieser aber verliebt sich ebenfalls in die junge Frau und setzt alles daran, sie für sich zu gewinnen. "Postmoderne" romantische Komödie, die typische Komik-Situationen durch eine Reihe grober Geschmacklosigkeiten auf eine extreme Spitze treibt und dabei auch vor zynischen Späßen auf Kosten von Minderheiten nicht zurückschreckt.

Filmdaten

Originaltitel
THERE'S SOMETHING ABOUT MARY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1998
Regie
Bobby Farrelly · Peter Farrelly
Buch
Edward Decter · John J. Strauss · Peter Farrelly · Bobby Farrelly
Kamera
Mark Irwin
Musik
Jonathan Richman
Schnitt
Christopher Greenbury
Darsteller
Cameron Diaz (Mary) · Matt Dillon (Healy) · Ben Stiller (Ted) · Lee Evans (Tucker) · Chris Elliott (Dom)
Länge
Kino: 119 (=DVD: 114, =BD: 119) Langfassung BD: 130 (=DVD: 125) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Genre
Komödie

Heimkino

Die Standard DVD enthält nur die Kinofassung, die DVD-Special Editions und die BD enthält zudem eine Langfassung des Films. Die Extras der Standard DVD umfassen u.a. einen Audiokommentar der beiden Regisseure. Die Special Editions sowie die BD enthält zudem einen weiteren Audikommentar der Drehbuchautoren Ed Decter und John J. Strauss. Die "2er-Disk Special Edition" und die BD enthält zudem ein Feature mit 19 so im Film nicht verwendeten Szenen sowie weitere Interviews und Hintergrund-Storys.

Verleih DVD
Fox (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)
Verleih Blu-ray
Fox (16:9, 1.85:1, dts-HDMA engl., dts dt.)
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Diskussion
Peter und Bobby Farrelly sind momentan die „bad boys“ Hollywoods: zwei ausgekochte Überzeugungstäter, die mit einer Mischung aus eingängigen Stoffen und provozierenden Tabuverletzungen ihren Platz im Mainstream-Kino gefunden haben. Nach der erfolgreichen Klamotte „Dumm und dümmer“ (fd 31 275) und der Bowling-Farce „Kingpin“ (fd 32 232) wenden sie ihre Methode gezielter Tiefschläge nun auf das Sujet der romantischen Komödie an. Mitte der 80er Jahre verliebt sich ein unbeholfener College-Schüler in die titelgebende Schulschönheit, die sich weder von seiner altmodischen Topffrisur noch dem gigantischen Drahtverhau in seinem Mund täuschen läßt: Ted hat das Herz auf dem rechten Fleck – aber leider seine Männlichkeit in den Reißverschluß seiner Hosenfalle eingezwickt, als sie zum Abschlußball wollen. 13 Jahre nach diesem schmerzhaften Mißgeschick raubt ihm die sehnsüchtige Erinnerung an Mary noch immer die Lebensfreude. Ein Freund überredet ihn, die Verlorene durch einen Privatdetektiv suchen zu lassen. Der spürt Mary in Florida auf, verfällt aber selbst ihren Reizen und setzt alles daran, Ted aus dem Spiel und sich in selbiges zu bringen. Nicht zimperlich bei der Wahl seiner Methoden, spioniert er Marys geheimste Wünsche aus und verwandelt sich in ihre Idealvorstellung von einem Mann. Inzwischen dämmert es aber dem Auftraggeber, daß er getäuscht wurde. Er macht sich auf den Weg in den Süden, der von Homosexuellen, prügelsüchtigen Polizisten und einem Serienkiller gepflastert ist. Dort hat sein Rivale zwischenzeitlich ebenso listig wie erfolgreich das Terrain sondiert, wobei er neben vielen anderen Schwierigkeiten auf einen weiteren Liebessüchtigen traf: Tucker, einen scheinbar gehbehinderten Architekten, der ein simpler Pizzabote war, bis ihm Mary begegnete. Es soll nicht der letzte sein.

Es fällt nicht schwer, sich über die unzähligen Geschmacklosigkeiten dieser pubertären Komödie aufzuregen. Zungenküsse mit einer Promenadenmischung sind so wenig jedermanns Sache wie Sperma im Haar oder gnadenlose Scherze auf Kosten von Minderheiten. In der Empörung aber wird zum einen leicht das nüchterne Kalkül des publikumsträchtigen Skandals verkannt, das mit der öffentlichen Resonanz als Werbeträger rechnet. Läßt man die Aufregung um die zynischen Spitzen und die je nach persönlichem Gusto als unzumutbar empfundenen Entgleisungen beiseite, entpuppt sich der Film als typisch postmodernes Produkt, in dem mit den Mitteln der Übertreibung und Karikierung die Regeln des Genres dekonstruiert – und zugleich goutiert werden. Die anarchischen Späße eines W. C. Fields waren zu ihrer Zeit nicht weniger anstößig, nur daß die Infantilisierung bestimmter kultureller Bereiche seither gewaltig fortgeschritten ist. In gewissem Sinn treiben die Farrelly-Brüder typische Komik-Sujets nur auf eine groteske Spitze, wenn sie alltägliche Mißgeschicke und Wunschfantasien bis jenseits des Schmerzpunktes eskalieren lassen. Daß sie dabei die Regeln des Anstandes und der „guten Sitten“ grob verletzen, zählt ebenso zum Konstruktionsprinzip wie die Kunst, durch die Wahl geeigneter Darsteller und inszenatorischer Mittel die Balance zu wahren, um das Publikum nicht vorzeitig aus dem Kino zu treiben. In „Verrückt nach Mary“ sind dies Ben Stiller, dem man den einfältigen Liebesnarr gerne glaubt, und vor allem Cameron Diaz, die mit ihrer fröhlichen Natürlichkeit die Eindimensionalität ihrer Rolle überspielt. Daß der romantische Teil des mitunter arg holpernden Drehbuchs funktioniert, liegt am eingängigen Titelsong, mit dem Jonathan Richman als eine Art Bänkelsänger den Film eröffnet und von Episode zu Episode fortlaufend kommentiert. Den Anschlag auf die romantische Komödie (vgl. fd 18/98, S. 40) wird diese ebenso überleben wie alle anderen Genres, die in den Fleischwolf der Dekonstruktivisten geraten sind, weil sich auf Dauer mit der Manie kleinkindlicher Funktionserkundigung jene Bedürfnisse nicht befrieden lassen, auf die das Kino immer geantwortet hat: auf echte Gefühle und die Imagination einer befreiten Existenz im Reich der Fantasie.
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