Drama | Frankreich/Deutschland/Schweiz/Japan 1999 | 134 Minuten

Regie: Léos Carax

Ein dem Großbürgertum zugehöriger junger Mann wirft seine behütete Existenz hin, um einer geheimnisvollen Fremden zu folgen, die behauptet, seine Halbschwester zu sein. Diese Entscheidung konfrontiert ihn zum ersten Mal mit sozialen Randzonen; er kommt seiner bisherigen Existenz abhanden und schließt sich einer obskuren Künstler-Terroristen-Kommune an. Zwischen den beiden Lebensentwürfen gibt es keine Annäherung, die Katastrophe ist unausweichlich. In seinem vierten Film erreicht Léos Carax nur selten die archaische Kraft seiner früheren Arbeiten. Dies liegt weniger an der Heterogenität seines Materials als am Unvermögen, Distanz zu beziehen. Da der Gestus des Wollens größer als seine Substanz erscheint, musste der Film zwangsläufig scheitern. (Titel der Langfassung: "Pierre oder der Kampf mit der Sphinx")

Filmdaten

Originaltitel
POLA X
Produktionsland
Frankreich/Deutschland/Schweiz/Japan
Produktionsjahr
1999
Regie
Léos Carax
Buch
Léos Carax · Jean-Pol Fargeau · Lauren Sedofsky
Kamera
Eric Gautier
Musik
Scott Walker
Schnitt
Nelly Quettier
Darsteller
Guillaume Depardieu (Pierre) · Catherine Deneuve (Marie) · Katerina Golubeva (Isabelle) · Delphine Chuillot (Lucie) · Laurent Lucas (Thibault)
Länge
134 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 18; f
Genre
Drama | Literaturverfilmung

Diskussion
Der atmosphärische Bruch innerhalb der ersten Filmminuten könnte kaum drastischer sein: Nach dem Shakespeare-Zitat „Die Zeit ist aus den Fugen“ ertönt Kriegslärm, man sieht verfremdete Wochenschau-Aufnahmen von deutschen Stuka-Bombern und Tricksequenzen von Friedhöfen, die von Detonationen umgepflügt werden. Dann plötzlich die totale Idylle. Ein malerisches Chateau in der Normandie, weiches Licht, tiefgestaffelte Landschaften, schöne Menschen. Hier lebt Pierre mit seiner Stiefmutter sorglos in den Tag hinein. Er, ein unter Pseudonym arbeitender Bestsellerautor, sie, vorrangig mit der Nachlassverwaltung beschäftigt. Pierres Hochzeit mit der schönen Lucie steht unmittelbar bevor; Vorbereitungen müssen getroffen werden. Nichts scheint den sanften Gleichlauf der Tage beeinträchtigen zu können. Bis Pierre eines Tages von der Erscheinung einer geheimnisvollen Fremden heimgesucht wird: Isabelle ist mit einer Frau und deren Kind aus einem Krisengebiet nach Europa geflohen und gibt vor, die uneheliche Tochter von Pierres Vater zu sein, mithin seine Stiefschwester. Ohne dies rational begründen zu können, hört der Bourgeois auf seine i

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