Manila (1999)

Drama | Deutschland 1999 | 115 Minuten

Regie: Romuald Karmakar

Eine Hand voll deutscher (Sex-)Touristen wartet im Flughafen von Manila auf ihren Rückflug, der aus unbestimmten Gründen von Stunde zu Stunde verschoben wird. Zwangsweise kommt man sich näher, wobei die unfreiwilligen Begegnungen recht unterschiedliche Reaktionen provozieren. Eine beklemmende Situationsbeschreibung, die die moralisch-geistigen Untiefen der Figuren auslotet und den Zuschauer zum Zeugen teils heftiger Ausbrüche macht. Streckenweise statuarisch inszeniert, verdient vor allem die Unerbittlichkeit, mit der Romuald Karmakar die verschiedenen psychischen Physiognomien herausarbeitet, ein hohes Maß an Respekt.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
1999
Regie
Romuald Karmakar
Buch
Bodo Kirchhoff · Romuald Karmakar
Kamera
Fred Schuler
Musik
Ric Manrique jr · Stefan Broedner
Schnitt
Peter Przygodda
Darsteller
Margit Carstensen (Regine Görler) · Peter Rühring (Knut Görler) · Martin Semmelrogge (Franz) · Ces Quesada (Marcy) · Manfred Zapatka (Herbert)
Länge
115 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Genre
Drama

Heimkino

Verleih DVD
Senator (16:9, 1.85:1, DD2.0 dt.)
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Diskussion
Früher, als das Kino noch dem Fernweh verpflichtet war und es noch keine Script-Doktoren gab, da begann man ein Drehbuch gern mit einem interessanten Schauplatz: „Eine Bar in Casablanca“, „Ein Passagierschiff auf hoher See“, „Eine Flughafenhalle in Manila“. Einige wenige Filmemacher gaben sich auch ganz mit ihrer Örtlichkeit zufrieden, und sie überlegten, welchen Aktionismus diese denn beflügeln könne: Jacques Tati zum Beispiel, der in „Playtime - Tatis herrliche Zeiten“ (fd 15 687) eine High-Society-Party in vorzivilisatorische Exzesse trieb, oder Will Tremper, der 1962 seinen Ensemblefilm „Die endlose Nacht“ (fd 11 971) drehte, dem Romuald Kamarkars neuer Film nun wie eine grimmige Travestie entgegentritt. Tremper zeigte eine bunte, von populären Film-, Fernseh- und Schlagerstars gespielte Schar in der Gefangenensituation einer Flughafenhalle. Dichter Nebel hinderte am Fortkommen und die fortgeschrittene Abendstunde an der Unterdrückung sexueller Begierden. Auch wenn „Manila“ thematisch einem aktuellen Thema verpflichtet ist - nämlich dem deutschen Sextourismus - , sollte man Tati und Tremper stets im Hinterkopf behalten. Karmakar ist ein filmischer Aktionist; seine Filme handeln von Exzess

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