Die Unberührbare

Biopic | Deutschland 1999 | 110 Minuten

Regie: Oskar Roehler

Die letzten Monate von Gisela Elsner, die nach dem Fall der Mauer, ihrer illusionistischen, unkritischen Liebe zum "realen Sozialismus" beraubt, aus dem Leben schied. In schwarz-weißen Bildern, die Ausdruck des psychischen Zustands der Hauptfigur sind, wird die Biografie der Dichterin aufgeblättert. Ohne Rückblenden zu benutzen, macht Regisseur Oskar Roehler, der Sohn von Gisela Elsner, die inneren und äußeren politischen Umstände dieser Vita begreifbar. Der Film, in seiner kritisch-zärtlichen Distanz ein Balanceakt, erweist sich in allen Belangen als künstlerisch eindrucksvoll und erregend. Maßgeblichen Anteil daran hat die überragende Hannelore Elsner in der Titelrolle. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
1999
Regie
Oskar Roehler
Buch
Oskar Roehler
Kamera
Hagen Bogdanski
Musik
Martin Todsharow
Schnitt
Isabel Meier
Darsteller
Hannelore Elsner (Hanna Flanders) · Vadim Glowna (Bruno) · Tonio Arango (Ronald) · Michael Gwisdek (Joachim) · Bernd Stempel (Dieter)
Länge
110 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Biopic

Heimkino

Verleih DVD
e-m-s (1.66:1, DD5.1 dt.)
DVD kaufen

Diskussion
Mitte der 60er-Jahre galt Gisela Elsner als Entdeckung. „Riesenzwerge“ hieß der Roman, mit dem die engagierte Linke den künstlerischen Durchbruch schaffte und in den Literaturbetrieb der Bundesrepublik Deutschland Einzug hielt. Auch später schrieb sie noch das eine oder andere wichtige Werk, ihr analytischer Sarkasmus war geschätzt. Aber ihre Selbstzweifel legten sich wie Mehltau auf all ihre persönlichen Beziehungen; sie isolierte sich zunehmend von anderen Menschen, hing Illusionen nach, die von ihrer Umwelt belächelt wurden. Kaum jemand im Westen verstand, beispielsweise, ihre unkritische Liebe zur DDR. Sah sie dort ihre antikapitalistischen Ideale verwirklicht? Oder liebte sie die DDR vor allem, weil man sie dort verlegte, während sich der Westen kaum noch für sie interessierte? Was sie als Angst der kapitalistischen Gesellschaft vor ihrer Subversivität deutete, nicht etwa als Folge ihrer zunehmenden künstlerischen Impotenz. Als die Mauer fiel, war auch Gisela Elsner am Ende. Drei Jahre später stürzte sie sich aus dem vierten Stock eines Krankenhauses in den Tod.

In „Die Unberührbare“ erzählt Oskar Roehler die Geschichte dieser zerrissenen Frau - die seiner Mutter. Als er drei Jahre alt war, hatte sie die Familie verlassen; der Junge blieb beim Vater, dem (im Februar 2000 verstorbenen) Schriftsteller

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