High Fidelity

Komödie | USA 2000 | 114 Minuten

Regie: Stephen Frears

Ein 35-jähriger Plattenfreak, der sich weigert, erwachsen zu werden und mit seinen Liebesgeschichten immer Schiffbruch erlitten hat, arbeitet in Begegnungen mit seinen Ex-Freundinnen die Vergangenheit auf und wird reif für die wahre Liebe. Eine ironisch-kritische Komödie, die einen liebevollen Blick auf die Menschen und ihre Schwächen wirft. In Haupt- wie Nebenrollen hervorragend besetzt und grandios inszeniert, überzeugt der Film durch seine lebensbejahende Botschaft, die die in den Personen angelegten Fähigkeiten aufscheinen lässt. (Kinotipp der katholischen Filmkritik) - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
HIGH FIDELITY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2000
Regie
Stephen Frears
Buch
D.V. DeVincentis · Steve Pink · John Cusack · Scott Rosenberg
Kamera
Seamus McGarvey
Musik
Howard Shore
Schnitt
Mick Audsley
Darsteller
John Cusack (Rob) · Iben Hjejle (Laura) · Todd Louiso (Dick) · Jack Black (Barry) · Lisa Bonet (Marie De Salle)
Länge
114 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 14.
Genre
Komödie

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. ein Feature mit neun nicht verwendeten Szenen.

Verleih DVD
Buena Vista (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
„Was war zuerst da? Der Kummer oder die Musik?“, fragt Rob Gordon, ein Plattenfreak Mitte 30, der seine pubertäre Phase nicht überwunden hat. All die Songs von unerfüllter Liebe, Schmerz, Verlust, die er in seiner umfangreichen Vinylplattensammlung archiviert hat - haben sie sein Leben kaputt gemacht, oder fühlt er sich zu diesen Songs hingezogen, weil sein Leben eine Katastrophe ist? Gerade hat Laura ihn verlassen, was ihn zu quälerischen Selbstgesprächen treibt. Er erinnert sich an die „Top 5 seiner ultimativen Schlussmach-Liste“, die schief gelaufenen Liebesbeziehungen die er seit seinem 14. Lebensjahr hatte. Seine musikalische Passion pflegt Rob auch beruflich: Er führt den kleinen Plattenladen „Championship Vinyl“, der sich auf Raritäten für Sammler spezialisiert hat. Dort hängt er tagsüber mit zwei Gleichgesinnten herum: mit Barry, dem extrovertierten Choleriker, den nichts mehr beleidigen kann als ein von seinen Vorstellungen abweichender Musikgeschmack, und Dick, einem verklemmten Plattenfreak, der sich mitfühlend auf Robs Probleme einlässt. Mehr mit sich selbst beschäftigt als mit den Kunden, jonglieren die drei mit ihren musikalischen Kenntnissen und verbringen die Zeit damit, immer wieder neue TOP-5-Listen (die besten Eröffnungssongs, die besten Songs über den Tod) aufzustellen. Um einen Schlussstrich unter die Vergangenheit zu ziehen, macht sich Rob daran, mit seinen verflossenen Freundinnen Kontakt aufzunehmen, um die Frage zu klären, warum sie ihn verlassen haben. Gleichzeitig spinnt er eine neue Romanze mit der Sängerin Marie de Salle. Aber Laura kann er nie vergessen, er legt sich sogar mit Ian an, ihrem neuen eitlen Macho-Freund. Der Tod ihres Vaters bringt Laura in eine emotionale Krise. Sie sucht Halt bei Rob, der sie zur Beerdigung begleitet. Beide kommen sich wieder näher, und Rob sieht ein, dass ihm nichts Besseres passieren kann als Laura. Sie bringt ihn beruflich auf einen neuen Weg: Er arbeitet wieder als DJ und macht eine Promotionsveranstaltung für eine von ihm selbst produzierte junge Punk-Band. So ist er am Ende bereit, Abschied von der Phase pubertärer Unentschlossenheit zu nehmen.

Nach Ausflügen ins Genrekino mit Filmen wie „Mary Reilly“ (fd 31 868) und „The Hi-Lo Country“ (fd 33 637) hat sich Stephen Frears wieder auf eine seiner Stärken besonnen: den kritisch-ironischen, aber liebevollen Blick auf die Menschen und ihre Schwächen, der einen Film wie „The Snapper“ (fd 30 608) zu einem Erlebnis machte. Fast könnte man auf die Idee kommen, Frears sei auch nach London zurückgekehrt. Nick Hornbys Erfolgsroman hat er von London nach Chicago verlegt, aber er filmt Chicago so, als wäre es London. Es regnet oft, viele Szenen spielen im Dunkeln. Fast zu düster für eine Komödie, könnte man meinen, wenn nicht die Menschen, die er porträtiert, innerlich strahlen würden. Die bezaubernde Komödie über einen jungen Mann, der nicht erwachsen werden will, ist die Geschichte einer Menschwerdung: Rob, der endlose Monologe mit sich und dem Zuschauer führt und in seinem Plattenarchiv wie ein Autist lebt, wird durch die Liebe verwandelt. Aber nicht nur er. Dick, der verklemmte Plattenfreak, lernt im Laden eine Gleichgesinnte kennen und wird ein neuer Mensch. Barry, das Großmaul, überrascht als perfekter Sänger, zwei jugendliche Ladendiebe erweisen sich als talentierte Punk-Musiker. Dieses Aufscheinen der in den Personen angelegten Fähigkeiten eröffnet der Komödie eine hoffnungsvolle Perspektive, die nicht auf die Hauptfigur begrenzt bleibt. In einer Welt der kleinen Wunder kann es den Zuschauer auch nicht verblüffen, wenn kurz Bruce „The Boss“ Springsteen erscheint, um Rob einige wohl gemeinte Ratschläge zu geben.

Die Verbindung von Leben und Pop-Musik, eine thematische Grundidee des Romans wie des Films, ist keineswegs nur ein Vorwand für einen Soundtrack, der aus vielen Hits der letzten 40 Jahre besteht, sondern wird vielschichtig gehandhabt. Die Musik ist für Rob eine Fluchtwelt, aber auch ein Medium der Selbstfindung und der Kommunikation: Er formuliert seine Gefühle, indem er Sampler zusammenstellt. Rob sortiert ständig seine Plattensammlung („nach biografischen Kriterien!“), kann aber sein Leben nicht ordnen. Er stellt ständig Prioritätenlisten auf, kennt aber die wahren Prioritäten seines Lebens nicht. Der Soundtrack kommentiert dies indirekt, wenn er sich gerade aus solchen Titeln zusammensetzt, die nicht in Robs „TOP 5“-Listen auftauchen. Ein Song, den Rob nicht mag – Peter Framptons „Baby, I love your way“ – , ist für ihn in der Unplugged-Version von Marie de Salle plötzlich doch eine Entdeckung, und der von den Freaks oft geschmähte Stevie Wonder darf im Abspann den utopischen Akzent ausdrücken: „When I fall in love it will be forever“. Frears unterhält glänzend, ohne auf Tiefgang zu verzichten. Alle Rollen sind hervorragend besetzt. John Cusack trägt den Film wie es sonst nur ein Woody Allen könnte, Iben Hjejle („Mifune“, fd 33 696) bringt den Charme der Natürlichkeit mit einem überirdischen Lächeln, das Julia Roberts Konkurrenz macht. Die eigentliche Sensation aber sind Todd Louiso und Jack Black als Dick und Barry: ein umwerfendes Komiker-Duo, das allein den Film sehenswert macht.
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