Der Grinch (2000)

- | USA 2000 | 105 Minuten

Regie: Ron Howard

Adaption eines in Amerika beliebten Weihnachtsmärchens über ein Fabelwesen mit dünnen Fingern und grünem Zottelfell, das den Menschen den Heiligen Abend verdrießen will. Komischer Fantasy-Film, der sich mit immensem Budget und Jim Carrey in der Hauptrolle auf die Suche nach der Bedeutung von Weihnachten macht und eine wüste Mischung aus Kitsch und Galle anrichtet. Bei aller Turbulenz schlägt er durchaus auch hintergründige Töne an. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
HOW THE GRINCH STOLE CHRISTMAS | DR. SEUSS' HOW THE GRINCH STOLE CHRISTMAS
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2000
Regie
Ron Howard
Buch
Peter S. Seaman · Jeffrey Price
Kamera
Don Peterman
Musik
James Horner
Schnitt
Dan Hanley · Mike Hill
Darsteller
Jim Carrey (Der Grinch) · Taylor Momsen (Cindy Lou Who) · Jeffrey Tambor (Bürgermeister May Who) · Christine Baranski (Martha May Whovier) · Bill Irwin (Lou Lou Who)
Länge
105 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.

Heimkino

Die Extras umfassen u.a ein Feature mit nicht verwendeten Szenen sowie eine Fülle von Kurzfeatures zu Teilaspekten des Films.

Verleih DVD
Universal (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt., DTS dt.)
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Diskussion
Es war an einem kalten Winterabend, der Wind kam aus einer seltsamen Richtung, da mischte sich ein Körbchen mit einem kleinen grünen Baby zwischen die anderen, die gerade durch die Lüfte zu ihren neuen Familien schwebten. Als es schließlich bei Clarnella und Rose landete, wussten die beiden Damen sogleich, dass sie mit etwas ganz Besonderem beschenkt worden waren. Niemand in Whoville sah dem kleinen Grinch auch nur annähernd ähnlich; und bis auf die Klassenschönste Martha May, die sein animalisches Äußeres insgeheim verehrte, konnte den Sonderling niemand ausstehen. Als der Grinch sich mit acht Jahren das erste Mal rasierte, um am Fest der Liebe seiner Martha May ein besonderes Geschenk zu machen, verspotteten ihn die Kinder so bitterlich, dass er beschloss, in die Berge zu flüchten und fortan das Dorf, seine Bewohner und besonders Weihnachten abgrundtief zu hassen. Das also ist die Geschichte vom bösen, grünen Grinch, der Whoville seither wie eine Plage begleitet und nichts lieber tut, als allen Whos sämtliche (Weihnachts-)Freude zu verderben. Nur die kleine Cindy Lou Who mag nicht an das Böse glauben. Selbst ein Grinch sollte Heiligabend nicht allein sein! Daher schlägt sie dem Bürgermeister vor, das Monster nach Whoville einzuladen, mit ihm zu feiern und ihm den Status des Zeremonienmeister zu verleihen. Gegen den Willen des Stadtobersten beschließen die Bürger, einen Versuch zu vagen; dabei hegt der Grinch schon Pläne, den Whos das Weihnachtsfest ein für allemal zu verderben.

Dr. Seuss’ Kinderbuch „Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat“ gilt seit den späten 30er-Jahren in den amerikanischen Haushalten als unverzichtbare Winterlektüre. Die einprägsamen Zeichnungen des grünen Widerlings mit dem Zottelfell, den langen dünne Fingern und dem eiskalten, viel zu kleinen Herzen haben sich, wie hierzulande der Struwwelpeter, im kindlichen Gedächtnis festgesetzt. Kein Wunder, dass sich Hollywoods Unterhaltungsmaschinerie früher oder später dieses Stoffes annehmen würde. Mit Ron Howard ist einer der großen Profis der Branche verpflichtet worden, um dem traditionellen Weihnachtsgeschäft auch im Jahr 2000 einen Blockbuster zu bescheren. Bei Howard, der schon mit „Splash“ (fd 24 768) und „Cocoon“ (fd 25 296) sein Talent für familiengerecht aufbereitete fantastische Geschichten bewies, war das nur äußerst schwierig als Realfilm zu verwirklichende Märchen in guten Händen. Mit immensem Budget und der nötigen Fantasie schuf eine handverlesene Crew aus „Oscar“-gekrönten Production-Designern, Make-up- und Special-Effects-Künstlern die wundersame Welt von Who samt ihrer noch wundersameren Bevölkerung als klebrig-süßes Gesamtkunstwerk - ähnlich Disneys bonbonfarbenem Entenhausen. Dass so viel Lieblichkeit nur mit monströser Boshaftigkeit in Frage zu stellen ist, liegt auf der Hand; und niemand in Hollywood verkörpert diese Eigenschaft intensiver als Jim Carrey. Allein an dem zurzeit aufsehenerregendsten Komiker („Der Mondmann“, fd 34 247, „Die Maske“, 31 076) liegt es, der naiven Weihnachtsgeschichte zugleich Pepp und Tiefe zu verleihen. Dass ihm dies, „verunstaltet“ unter seinem Ganzkörper-Make-up, über weite Strecken tatsächlich gelingt, spricht für seine Ausnahmestellung. Da ihm die Maske viel von seiner extrovertierten Mimik nimmt, vermittelt er einen Großteil seines typischen Wahnwitzes mittels der Stimme, wobei ihm das Drehbuch einige Sarkasmen bereit stellt, die es ihm leicht machen, den permanenten Zuckerguss heilsam zu konterkarieren. Dabei steht außer Frage, dass sämtliche Boshaftigkeiten nicht wirklich so gemeint sind und sich im Finale alles in einem weihnachtlichen Happy End auflöst. Auch die Moral der Geschicht’ setzt auf Harmonie: Weihnachten ist ein Fest, bei dem die Liebe wichtiger ist als alle Geschenke (was natürlich nicht heißt, dass nach dieser Erkenntnis alle weniger Geschenke bekommen). Da die Titelgestalt hierzulande nicht zum Allgemeingut zählt und der wüste Mix aus Kitsch und Galle zum Teil recht hintergründig daherkommt, dürfte der dezidierte Kinderfilm wohl eher einem erwachsenen Publikum zuträglich sein. Dennoch werden größere Kinder nicht zuletzt ob des brachialen Slapsticks sicher ihren Spaß haben.
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