- | Frankreich 2001 | 119 Minuten

Regie: Patrice Chéreau

In einer tristen Londoner Wohnung treffen sich jeden Mittwochnachmittag ein Mann und eine Frau, beide um die 40, zum Sex. Dabei fällt kaum ein Wort; außerdem wissen beide so gut wie nichts voneinander, was der Mann, dessen Perspektive der Film weitgehend folgt, auf Dauer nicht aushält. Kammerspielartiges Drama, das sich an eine radikale filmische Deutung menschlicher Geschlechtlichkeit wagt und intime Gefühle mit großer Ernsthaftigkeit und in zeitgemäßer Form erkundet. Die ambitionierte Bildsprache, die auch "pornografische" Momente mit einschließt, macht dabei auch die Folgen der erotischen Dauerberieselung schmerzhaft bewusst. (Auch O.m.d.U.)

Filmdaten

Originaltitel
INTIMACY
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2001
Regie
Patrice Chéreau
Buch
Patrice Chéreau · Anne-Louise Trividic
Kamera
Eric Gautier
Musik
Éric Neveux
Schnitt
François Gédigier
Darsteller
Mark Rylance (Jay) · Kerry Fox (Claire) · Timothy Spall (Andy) · Alastair Galbraith (Victor) · Philippe Calvario (Ian)
Länge
119 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f

Heimkino

Verleih DVD
Universal (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
Eigentlich dürfte „Sex“ in mitteleuropäischen Gesellschaften kein besonders aufregendes Thema mehr sein. Vier Jahrzehnte nach der sexuellen Revolution kann man sich nur noch schwer irgendwelche Facetten menschlicher Geschlechtlichkeit vorstellen, die medial nicht schon tausendfach seziert worden wären. Und das auf allen Ebenen. Vom subversiven Treibsatz gesellschaftlicher Egalisierung bis hin zur neomythologischen Re-Sakralisierung reichte die Bannbreite des Diskurses, während sich die Volksaufklärung eher pragmatisch ans Bildhafte hielt, sei es in Printprodukten oder – nach Pornokino und Videorekorder – nun im Privatfernsehen. Dort und in der Werbung definieren makellos geformte und erotisch raffiniert codierte Körper ein umfassendes Ideal, das seinen eigentlichen Zweck, die Förderung des Konsums, geschickt zu tarnen weiß. Für die Libido scheint der sexuelle Overkill der Hochglanz-Zeichen hingegen eher abträglich zu sein: zumindest in deutschen Betten soll Umfragen zufolge eher die Lustlosigkeit regieren. Die Gründe, warum im (französischen) Kino momentan eine neue „Porno“-Debatte entstanden ist, sind deshalb nicht leicht zu eruieren. Zumindest scheint es dort unter den Filmemachern ein Bedürfnis zu geben, sich nicht länger an die juristisch definierte Pornografie-Klausel zu halten, primäre Geschlechtsorgane auf der Leinwand nicht in Aktion zu zeigen. Konkret würde die Frage nach den Intentionen in Filmen wie „Pola X“ (fd 33 987), „Baisse-moi“ (fd 34 542) oder „Romance“ (fd 34 299) recht unterschiedliche Motive eruieren. Auch Patrice Chéreaus ne

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