Battle Royale

Action | Japan 2000 | 105 (DVD, Kinowelt) 114 & 122 (DVD, Marketing) 114 (= DVD: 109, Capelight Kinofsg.) 122 (= DVD: 117, Capelight, Langfsg.) Minuten

Regie: Kinji Fukasaku

Um ihre rebellierenden Schüler im Zaum zu halten, hat eine futuristische Gesellschaft eine drakonische Maßnahme ersonnen: Jährlich wird eine Klasse auf einer Insel ausgesetzt, wo die Jugendlichen so lange gegeneinander kämpfen müssen, bis nur noch einer überlebt. Ein harter, zynischer Actionfilm, der als grimmige Dystopie bei seiner Premiere im Jahr 2000 im Produktionsland Japan auf Unverständnis stieß, gleichwohl aber einen Nerv traf. Eineinhalb Jahrzehnte später ist der Stoff in abgeschwächter Form im Mainstream angekommen. Eine böse Satire in Gestalt einer staatlich sanktionierten Menschenjagd, die allgemeine Formen der Reizüberflutung thematisiert.

Filmdaten

Originaltitel
BATTLE ROYALE
Produktionsland
Japan
Produktionsjahr
2000
Regie
Kinji Fukasaku
Buch
Kenta Fukasaku
Kamera
Katsumi Yanagishima
Musik
Masamichi Amano
Schnitt
Hirohide Abe
Darsteller
Tatsuya Fujiwara (Shuya Nanahara) · Aki Maeda (Noriko Nakagawa) · Taro Yamamoto (Shougo Kawada) · Masanobu Andô (Kazou Kiriyama) · Kou Shibasaki (Mitsuko Souma)
Länge
105 (DVD, Kinowelt) 114 & 122 (DVD, Marketing) 114 (= DVD: 109, Capelight Kinofsg.) 122 (= DVD: 117, Capelight, Langfsg.) Minuten
Kinostart
06.04.2017
Fsk
SPIO
JK II (Kinowelt) ungeprüft (Marketing) ab 18 (Capelight)
Genre
Action | Drama

Heimkino

Die signifikant eingekürzte DVD (Kinowelt) enthält als Bonusmaterial ein etwa 60-minütiges "Making of" zum Film. Neben dieser Rumpffassung liegt eine bemerkenswerte, aufwändig ausgestattete Edition (4 DVDs & 1 CD, Marketing) vor, die den Film in drei unterschiedlichen Fassungen zeigt: in der ungeschnittenen deutschen Fassung (113 Min.), der leicht modifizierten, in Teilen im Schnitt variierten japanischen Kinofassung (113 Min.) sowie einer vom Regisseur angefertigten Langfassung (121 Min.). Zudem ist auf einer separaten CD der Soundtrack des Films enthalten. Das 60-minütige "Making of" ist auf Grund seines trockenen, kommentarlosen Duktus gewöhnungsbedürftig, aber nicht uninformativ. Die "Perfect Collection" ist mit dem "Silberling 2004" ausgezeichnet. Die 2017 erschienene Neuauflage (Capelight) enthält auf DVD die Langfassung (Extended Cut) sowie keine bemerkenswerten Extras. Neuauflage der BD (Capelight) enthält die Kinofassung und den Extended Cut. Das ebenfalls erschienene "Limited Steelbook Edition" (2 DVDs plus 2 BDs) enthält zudem als Extras das "Making of", ein Interview mit Takeshi Kitano (11 Min.), zwei Featurettes zur Musik des Films (7 Min. & 10 Min.) sowie die Featurettes "Pressekonferenz zur Premiere" (12 Min.) und "Kinostart im Maru No Uchi Toei Movie Theatre" (14 Min.). Die "Limited Steelbook Edition" ist mit dem Silberling 2017 ausgezeichnet.

Verleih DVD
Kinowelt (16:9, 1.85:1, DD5.1 jap./dt.) marketing-film (16:9, 1.85:1, DD5.1 jap., DD2.0 dt., DTS dt.) Capelight (16:9, 1.78:1, DD5.1 jap./dt.)
Verleih Blu-ray
Capelight (16:9, 1.78:1, dts-HDMA jap., dts-HDMA7.1 dt.)
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Dystopische Tragödie über eine staatlich verordnete Menschenjagd unter Schülern. Ein japanischer Skandalfilm aus dem Jahr 2000, der jetzt erstmal "uncut" in Deutschland zu sehen ist.

Diskussion
Als der 15-jährige Shuya Nanahara seinen Vater erhängt in der Wohnung entdeckt, hat der Tote seinem Sohn auf einer Rolle Toilettenpapier nur ein paar Worte hinterlassen: „Gib nicht auf und halt dich wacker!“ In Kinji Fukasakus „Battle Royale“ erlebt Japan Anfang des 21. Jahrhunderts seine bislang größte Krise. Die grassierende Arbeitslosigkeit bedingt eine landesweite Desillusion, die sich von den Eltern auf die Kinder überträgt. Die Regierung sieht sich gezwungen, als hilflose Reaktion auf 80.000 streikende, marodierende Schüler das „Millennium-Erziehungsreform-Gesetz“, kurz „BR-Gesetz“, zu erlassen. Es besagt, dass unter den besonders aufmüpfigen und lernunwilligen Klassen jährlich eine ausgewählt wird, auf die eine drakonische Strafe wartet. Dieses Mal hat es Shuyas Klasse 9B der Shiroiwa-Mittelschule getroffen. Als die 40 Schüler im Alter von 15 oder 16 Jahren narkotisiert in einem von Militärs bewachten Klassenraum aufwachen und ihrem Lehrer Kitano aus der 7. Klasse gegenüberstehen, können sie noch nicht ahnen, dass sie sich auf einer kleinen Insel irgendwo im Meer befinden. Bis auf einen Schüler wird keiner von ihnen das Eiland lebend verlassen; so besagt es die Spielregel des „Battle Royale“. Langsam dämmert es den verschreckten Jugendlichen, dass sie gegeneinander in einem „Spiel“ auf Leben und Tod antreten müssen. Ausgestattet mit den Dingen des täglichen Gebrauchs und einer mehr oder minder potenten Waffe, werden sie für drei Tage freigelassen, um zu überleben. Markiert sind sie mit einem Halsband, das sie bei Regelverstoß, Fluchtversuch oder nach Ablauf der Tagesfrist tötet. Niemand bleibt eine Wahl. Die Eltern seien über ihren Verbleib informiert, heißt es lapidar. Gesetz ist nun mal Gesetz! So ist der Ausgangspunkt im Science-Fiction-Drama „Battle Royale“, das selbst in Japan, wo mit Gewalt im Film meist eher unaufgeregt umgegangen wird, nach der Premiere im Jahr 2000 eine Kontroverse provozierte, die bis ins japanischen Parlament führte. „Battle Royale“ schien einen Nerv getroffen zu haben, der über die bekannten Debatten hinausführte. Fukasaku entwirft in seiner grimmigen Dystopie ein Japan in naher Zukunft, dessen Wirtschaft desolat ist und dessen gesellschaftliche Strukturen nicht mehr funktionieren. Der Film überzeichnet zudem die Politik, die in ihrer Hilflosigkeit die Pädagogik über Bord schmeißt und als letztes abschreckendes Mittel Kinder auf Kinder hetzt. In Japan endete die Diskussion nicht mit einem Verbot, sondern einer gesellschaftspolitischen Debatte über den Film. In Deutschland hingegen kam der Film nur radikal gekürzt in den Handel. Was seinerzeit als Tabubruch verstanden wurde, nämlich tödliche Schaukämpfe zwischen Minderjährigen, taugt anderthalb Jahrzehnte und eine multimedial sozialisierte Generation später in abgeschwächter, weil „unterhaltender“ Form sogar als Mainstream-Event. Auch wenn die Romanautorin Suzanne Collins beharrlich jede Kenntnis des 1999 von Kōshun Takami veröffentlichten Romans zum Film bestreitet, sind die Analogien zwischen „Battle Royale“ und „Die Tribute von Panem“ (fd 40 979) offensichtlich. Doch während der Hollywood-Film sich den Untiefen seines Sujets nicht stellt, zeigt Fukasaku, wie es ist, wenn Leben auf dem Spiel steht. Zu Beginn von „Battle Royale“ werden Erinnerungen an Klassiker des Genres von Ernest B. Schoedsacks „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ (1932) bis John Woos „Harte Ziele“ (fd 30 570) wach, die jedoch gleich wieder verworfen werden. Denn Fukasakus Werk ist ein Solitär. Schon allein deshalb, weil der sich über zwei Drittel der Erzählzeit ausbreitende Kampf der Kinder zwar staatlich sanktioniert, aber nicht medial ausgeschlachtet wird. Während Hollywoods harte Action-Varianten bis hin zu „Die Tribute von Panem“ das Sujet stets für eine Öffentlichkeit inszenieren, erfährt bei Fukasaku das Volk allenfalls das Siegergesicht aus den Nachrichten. Das Spiel ist hier nicht „Unterhaltung“, sondern Drama im Verborgenen. Die Zuschauer indessen bekommen eine Mischung aus „Herr der Fliegen“ und grimmig-zynischer, mitunter auch flippig als Satire überhöhter Tragödie präsentiert, die auch deshalb schmerzt, weil den Figuren in ihrem Finden, Agieren und Töten Raum zur Entwicklung gegeben werden. „Was sollte ein Erwachsener heute einem Kind sagen?“, fragt der Film am Ende. Eine rhetorische Frage. Denn „Battle Royale“ zeigt auf eindrückliche Weise, was die Erwachsenen ernten, wenn sie bei ihren Kindern versagen. „Battle Royale“ wurde von der FSK inzwischen neu geprüft und fürs Kino erstmals ungeschnitten mit „ab 18“ freigegeben. Einer Diskussion stände damit auch in Deutschland nichts mehr im Weg.
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