- | Deutschland 2002 | 85 Minuten

Regie: Ulrich Köhler

Ein 19-jähriger Rekrut entfernt sich auf dem Rückweg von einem Manöver von der Truppe und verkriecht sich im Bungalow seiner Eltern in der hessischen Provinz. Müde und lethargisch begegnet er Verwandten und Freunden, bis er sich schließlich freiwillig den Feldjägern zu stellen scheint. Das in seiner äußeren Handlung eher minimalistische, im Detail aber genau ausgefeilte Porträt eines jungen Mannes; es erweitert sich zur subtilen und aufmerksamen Zustandsbeschreibung einer jungen Generation, deren Ziellosigkeit zu einer merkwürdigen Antriebslosigkeit führt, aber auch in Aggression umschlagen kann. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2002
Regie
Ulrich Köhler
Buch
Ulrich Köhler · Henrike Goetz
Kamera
Patrick Orth
Schnitt
Gergana Voigt
Darsteller
Lennie Burmeister (Paul) · Trine Dyrholm (Lene) · Devid Striesow (Max) · Nicole Gläser (Kerstin)
Länge
85 Minuten
Kinostart
02.05.2019
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.

Heimkino

Die Extras der DVD enthalten u.a. den Kurzfilm "Rakete" (D 1998, R: Ulrich Köhler, 10 Min.).

Verleih DVD
Filmgalerie 451 (16:9, 1.85:1, DD2.0 dt.)
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Diskussion
Der erste Spielfilm von Ulrich Köhler reiht sich in die Staffel jüngerer deutscher Arbeiten ein, die mit minimalistischen Mitteln, leise und unter weitgehendem Verzicht auf äußere Handlung das Lebensgefühl junger Deutscher am Beginn des neuen Jahrtausends zu beleuchten versuchen. In diesem Bemühen ist „Bungalow“ mit Arbeiten von Henner Winckler („Klassenfahrt“, fd 35 610) oder Thomas Arslan („Der schöne Tag“, fd 35 089) verwandt, mit Angela Schanelec oder Valeska Grisebach. Es sind seismografische Filme für ein aufgeschlossenes, aufmerksames Publikum, das sich Zeit nimmt für die Wahrheit hinter den Oberflächenreizen. Hauptfigur ist der 19-jährige Rekrut Paul, der sich auf dem Rückweg von einem Manöver von der Truppe entfernt und im Bungalow seiner Eltern irgendwo in der hessischen Provinz verkriecht. Lennie Burmeister spielt ihn introvertiert, mit herabhängenden Schultern, weicher Stimme und heller Haut; er verleiht seinem Helden eine merkwürdig trotzige Müdigkeit, eine dem Alter eigentlich unangemessene Lethargie. Sie mag auch als Signal dafür stehen, wie sehr die Aufbruchstimmung der 90er-Jahre der Vergangenheit angehört: Die Beschwörung von Geld, Glück und „New Economy“ ist einem heillosen Katzenjammer gewichen, und in der Figur Pauls scheint sich diese gesellschaftliche Stimmung verdichtet zu haben.

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