Die Passion Christi

Bibelfilm | USA 2004 | Kino: 127 DVD: 121 (= BD: 127) BD: auch 122 Minuten

Regie: Mel Gibson

In Anlehnung an Passionsspiele, die den Stationen des Kreuzweges folgen, stellt der australische Regisseur Mel Gibson den Kreuzestod Jesu als Erlösungstat für die Menschheit dar. Seine theologische Konzeption, die den Opfertod in Zusammenhang mit der Eucharistie stellt, ist in Ansätzen durchaus ernst zu nehmen, obwohl der Film in Grundpositionen, aber vor allem in der Wahl seiner darstellerischen Mittel extrem problematisch erscheint: In seinem völlig überzogenen Wahrheitsanspruch, die Bibel authentisch wiedergeben zu wollen, im besessenen Ausmalen der Grausamkeiten von Geißelung und Kreuzigung, dem eklatanten Ungleichgewicht zwischen den Abscheu erweckenden Bildern der "Abschlachtung" und der auf einen minimalen Zitatenschatz geschrumpften Botschaft der Liebe. Heikel ist die Überzeichnung der Juden, die offen ist für eine Instrumentalisierung im Sinne antisemitischer Propaganda. Gibson mutet dem Publikum einiges an schwer aushaltbaren Bildern von Blut und Gewalt zu und lässt nicht nur bibelunkundige Zuschauer eher ratlos zurück. Er kann allenfalls christlich-religiös beheimatete Zuschauer provozieren, in distanziert-kritischer Aufarbeitung des Films Fragen nach Sinn und Stellenwert des Erlösungsgeschehens von Jesu Tod und Leben im christlichen Glauben neu zu überdenken. (O.m.d.U.)

Filmdaten

Originaltitel
THE PASSION OF THE CHRIST
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2004
Regie
Mel Gibson
Buch
Benedict Fitzgerald · Mel Gibson
Kamera
Caleb Deschanel
Musik
John Debney
Schnitt
John Wright
Darsteller
James Caviezel (Jesus) · Monica Bellucci (Magdalena) · Maia Morgenstern (Maria) · Rosalinda Celentano (Satan) · Mattia Sbragia (Kaiphas)
Länge
Kino: 127 DVD: 121 (= BD: 127) BD: auch 122 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Genre
Bibelfilm

Heimkino

Die Standardausgabe (Constantin/Highlight) enthält keine bemerkenswerten Extras. Die DVD der Neuauflage (Capelight) enthält die Dokumentation zum Film "Durch seine Wunden sind wir geheilt: Die Entstehung von 'Die Passion Christi'" (50 Min.). Die BD (Capelight) enthält des Weiteren vier Audiokommentare: 1.: von Mel Gibson, Kameramann Caleb Deschanel und Cutter John Wright. 2.: von Produzent Stephen McEveety, dem Second Unit Director Ted Rae und dem Visual Effects Designer Keith Vanderlaan. 3.: von Mel Gibson, Sprachberater und Übersetzer Pater William Fulco, Theologe Gerry Matatics und Pater Theologe John Bartunek. 4.: von Komponist John Debney. Zudem enthalten sind eine Podiumsdiskussion u.a. mit dem Regisseur (14 Min.), ein Feature mit zwei im Film nicht verwendeten Szenen (5 Min.) sowie fünf Featurettes zu inhaltlichen Teilaspekten des Films (62 Min.). Nur die 4-Disc Limited Collector's Edition enthält die Kinofassung (127 Min.) (DVD & BD) und den von Regisseur Mel Gibson eingekürzte Recut (122 Min.) [nur BD]. Die Extras dieser Edition umfassen, neben den oben genannten Bonusmaterialien, die um 50 Miuten verlängerte Version des erhellenden "Making of" (100 Min.), den Soundtrack auf separater CD sowie ein 24-seitiges Booklet zum Film. Eine Teilauflage von BD und 4-Disc-Edition enthält irrtümlicherweise das nur 50-minütige "Making of" der DVD. Die 4-Disc Limited Collector's Edition ist mit dem Silberling 2014 ausgezeichnet.

Verleih DVD
Paramount & Capelight (16:9, 2.35:1, DD5.1 Hebräisch & Latein & Aramäisch, dts Hebräisch & Latein & Aramäisch)
Verleih Blu-ray
Capelight (16:9, 2.35:1, dts-HDMA Hebräisch & Latein & Aramäisch)
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Diskussion
Mel Gibsons „Die Passion Christi“ ist der vielleicht radikalste, brutalste und wahrscheinlich auch kurioseste Jesusfilm aller Zeiten. Was anfangs ein intimes Glaubenszeugnis des Regisseurs gewesen sein mag, wurde durch die gnadenlose Vermarktung ein spekulatives Produkt, das man kaum noch unvoreingenommen zur Kenntnis nehmen kann. Versucht man, sich vom Ballast der zahllosen Diskussionen zu befreien, kann man in Umrissen einen Film erkennen, der ein zentrales Mysterium des christlichen Glaubens in den Mittelpunkt stellt: die Deutung des Kreuzestodes Jesu als Erlösungstat für die Menschheit, wie es bereits im vorangestellten Motto aus Jesaja 53,5 („Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen ... durch seine Wunden sind wir geheilt“) anklingt.

Gibsons Film ist ein drastisches Passionsspiel. Es erzählt von den letzen zwölf Stunden im Leben Jesu. Die Handlung beginnt im Garten Getsemani und endet im Grunde mit Jesu Tod am Kreuz. Die Auferstehung ist als filmisch unbefriedigend umgesetzter Epilog nur angehängt. Der Film eröffnet mit dem betenden Jesus in der Zwiesprache mit Gott. Damit stellt Gibson seine Grundaussage an den Anfang: Jesus ist Gottes Sohn, der auf die Welt gekommen ist, um den Auftrag seines Vaters zu erfüllen, sein Leben hinzugeben, damit die Menschheit mit Gott versöhnt wird. Satan, der in androgyner Gestalt – dargestellt von einer Schauspielerin, aber mit männlich tiefer Stimme – als Versucher an ihn herantritt, ist der dritte Akteur im Heilsdrama. Mit dem Verrat Jesu und der Verhaftung durch die Knechte des Hohenpriesters beginnt die Leidensgeschichte – ein nicht enden wollender Weg der Grausamkeiten, an dessen Ende der Körper Jesu so gnadenlos zerstört ist, dass es keinen Zentimeter ohne Blut und Wunden gibt. Schon die

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