Saved! Die Highschool-Missionarinnen

Komödie | USA/Kanada 2004 | 92 Minuten

Regie: Brian Dannelly

Eine amerikanische Schülerin, die eine christliche High School besucht, verführt ihren Freund aus Angst, dass dieser schwul werden könnte, und wird prompt schwanger. Als sie daraufhin von ihrer besten Freundin verstoßen wird, beginnt sie an deren frommer Fassade zu kratzen, was viel Bigotterie und Scheinheiligkeit zu Tage fördert. Der stereotypen Teenager- Komödie gelingt es nicht, das von ihr skizzierte Szenario ideologischkritisch zu entfalten, stattdessen bleibt sie in Ungereimtheiten und oberflächlichen Vorwürfen stecken. - Ab 14 möglich.
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Filmdaten

Originaltitel
SAVED!
Produktionsland
USA/Kanada
Produktionsjahr
2004
Produktionsfirma
Infinity/James Forsyth Casting/Single Cell/Red Bull
Regie
Brian Dannelly
Buch
Brian Dannelly · Michael Urban
Kamera
Bobby Bukowski
Musik
Christophe Beck
Schnitt
Pamela Martin
Darsteller
Jena Malone (Mary) · Mandy Moore (Hilary Faye) · Macaulay Culkin (Roland) · Patrick Fugit (Patrick) · Heather Matarazzo (Tia)
Länge
92 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14 möglich.
Genre
Komödie
Externe Links
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Heimkino

Die Extras umfassen u.a. einen Audiokommentar mit dem Regisseur, dem Produzenten Sandy Stern und Co-Drehbuchautor Michael Urban sowie ein Feature mit elf im Film nicht verwendeten Szenen (16 Min.) inklusive eines alternativen Filmanfangs.

Verleih DVD
Sony/MGM (16:9, 1.85:1, DD5.1 engl./dt.)
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Jesus liebt sie. Zu dieser Erkenntnis ist Mary schon in frühester Kindheit gelangt, als ihr Vater starb. Seitdem pflegt sie einen speziellen Kult: ihre Liebe zu Jesus. Unerschütterlich und ungebrochen wird sie durch eine Vision bestätigt – halb ohnmächtig im Pool treibend, verkennt sie den Gärtner, der sie rettet, als Jesusfigur, die ihr rät, mit ihrem Freund zu schlafen, um ihn von seiner gerade offenbarten Homosexualität zu kurieren. Schließlich sei Homosexualität ein abnormer, nicht gottgewollter Zustand. Zu ihrer Überraschung misslingt der Versuch jedoch; seine religiösen Eltern schicken ihn in ein Heim. Nachdem dann auch noch Marys Periode ausbleibt, wird sie zur Ausgestoßenen. Von da an trampelt der Film die ausgetretenen Pfade einer typischen Highschool- Klamotte breit: die beste Freundin, die bei allen beliebte Hilary, die zugleich als Rädelsführerin der Jesusjünger und energischste Verehrerin des Heiland erscheint, wird zu Marys Feindin. Sie entpuppt sich als Intrigantin, die nachts heimlich die Schule mit Graffitis verunstaltet („Jesus sucks“), um am nächsten Morgen der Gruppe um Mary die Schuld in die Schuhe zu schieben. Der Pastor der Schule ist ein Einpeitscher ähnlich den berüchtigten amerikanischen Fernsehpredigern. Seine inhaltsleere Rede beendet er mit animierendem „Jesus rockt“- Gebrülle, bis sich die Schüler von ihren Plätzen erheben und ekstatisch schreien – einige werden sogar ohnmächtig. Die von ihm beschworene Züchtigkeit vergisst er aber, wenn er sich mit Marys Mutter trifft.

Neben diesen Stereotypen existieren auch interessanter angelegte Figuren wie der an den Rollstuhl gefesselte Bruder von Hilary, Roland, der mit seinem Zynismus und Wortwitz gegen den Wahn der Schwester ankämpft. Doch alle Figuren verharren im unfertigen Zustand. Scheinbar hat die groteske Exposition den Mut des Regisseurs und Co-Autors Brian Dannelly aufgezehrt. So einfach es ist, jede Art von bedingungsloser Ergebenheit anzugreifen, so schlecht vermag Dannelly mit dem von ihm gestalteten Szenario umzugehen. Die renitente, Zigaretten rauchende Punkerin Cassandra ist bekennende Jüdin, was von Hilary zum Anlass genommen wird, sie auf den „richtigen“, weil christlichen Weg zu bringen. Cassandras Auto samt Aufklebern („Jesus liebt dich – jeder andere findet, du bist ein Arschloch“) wird Ausgangspunkt einer Liebesbeziehung zwischen ihr und Roland. Diese Konstellation hätte spannend werden können, wenn die Drehbuchautoren ihre Figuren ernst genommen hätten: Ständig redet sie beispielsweise von vorehelichem Sex, wie sehr sie ihn genieße und nicht mehr missen möchte. Dass dies unter diesen Umständen zu Spannungen mit ihrem querschnittsgelähmten Freund führen könnte, wird hingegen ausgeblendet. Die Liebe zu ihm soll so rein und unschuldig sein wie die zu Jesus. Eine Formel, die dem Konzept folgt, ohne in sich schlüssig oder nachvollziehbar zu sein.

Generell ist das Interesse des Films an Glauben und Religion vordergründig: Solange sie für einen laschen Witz zu gebrauchen sind, werden sie benutzt. So muss Mary sich beispielsweise einem überfallartig eingeleiteten Exorzismusritual unterwerfen, natürlich zu den Klängen von Oldfields Thema zu „The Exorcist“. So wie der Personenkult dargestellt wird, ist er leicht austauschbar. Hätte man Britney Spears oder andere Popgrößen als Idol genommen, wäre dem jugendlichen Zuschauer nicht verborgen geblieben, dass er den Figuren auf der Leinwand sehr ähnlich sein kann. Ernstzunehmende Kritik an dieser Art exaltiertem Fundamentalismus findet freilich nicht statt, das Gegenteil ist der Fall. Die Aussage des Films bleibt simpel und lautet: Je weniger man zur Religiosität neigt, desto besser ist man als Mensch. Im selben Maße, in dem sich Mary von ihrer alten Weltanschauung entfernt, wird sie als reifer und sympathischer dargestellt. Hinzu kommt, dass die Erwachsenen, der Pastor, Marys Mutter und Hilary allesamt Heuchler sind. Sie propagieren Werte, an die sie sich selbst nicht halten. Der Film gerät aufs ideologische Glatteis, da er nicht eine Figur hat, die ihre Religion ernsthaft und seriös betreibt. So bleibt der Eindruck, dass die nächste Stufe nach der praktizierten Religion der Atheismus sei.

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