Der neunte Tag

Drama | Deutschland/Luxemburg 2004 | 97 Minuten

Regie: Volker Schlöndorff

Ein Priester aus dem berüchtigten "Pfarrerblock" des KZs Dachau wird im Januar 1941 für neun Tage in seine Heimat Luxemburg zurückgeschickt, wo ihn ein undurchsichtiger junger Gestapo-Mann für die NS-Kirchenpolitik gewinnen will. Dabei entspinnt sich ein gespenstisches Ringen, in dem der Abbé zwischen Verantwortungsbewusstsein, Überlebenstrieb und den theologisch-verdrehten Einflüsterungen des NS-Mannes einen Ausweg aus dem Dilemma sucht, seine eigene Haut zu retten, ohne einen Pakt mit dem Teufel zu schließen. Fiktives Drama auf der Grundlage eines authentischen KZ-Tagebuchs, das als optisch wie akustisch bedrängend inszeniertes, in den Hauptrollen eindrucksvoll gespieltes Kammerspiel von der Einsamkeit einer existenziellen Entscheidung handelt und mit der Thematisierung von Schuld und Vergebung oft übersehene Dimensionen des Genozids aufgreift. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Luxemburg
Produktionsjahr
2004
Regie
Volker Schlöndorff
Buch
Eberhard Görner · Andreas Pflüger
Kamera
Tomas Erhart
Schnitt
Peter R. Adam
Darsteller
Ulrich Matthes (Abbé Henri Kremer) · August Diehl (Untersturmführer Gebhardt) · Hilmar Thate (Bischof Philippe) · Bibiana Beglau (Marie Kremer) · Germain Wagner (Roger Kremer)
Länge
97 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Drama

Heimkino

Die Extras beinhalten u.a. recht umfangreiche Interviews mit dem Regisseur und den beiden Hauptdarstellern (insgesamt etwa 45 Min.).

Verleih DVD
Eurovideo (16:9, 1.85:1, DD5.1 dt.)
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Diskussion
Die Nazis und das Dritte Reich stehen derzeit hoch im Kurs. Was von den 68-ern noch wütend eingefordert wurde, die Vergangenheit nicht länger zu verdrängen, ist in der Gegenwart einer wachsenden Erinnerungsflut gewichen. In immer neuen Anläufen spülen Verlage, Fernsehanstalten und das Kino historische Bruchstücke ins öffentliche Bewusstsein, deren schroffe Fraktur bisweilen ziemlich abgeschliffen erscheint. Das hat im Kontext von „Der Untergang“ (fd 36 679) manche aufgeschreckt, die eine neuerliche Revision der NS-Zeit heraufziehen sahen. Von den (Film-)Bildern eines Diktators, der liebevoll seinen Schäferhund tätschelt oder nach dem Essen dezent die Lippen mit der Serviette abtupft, scheint eine Intimität auszugehen, die den Mythos des dämonischen Ungeheuers ins Wanken bringt. Die Angst vor dem Menschen hinter der Hitler-Maske verstellt dabei leicht den Blick auf die filmische Eigenart, die das Ende des NS-Systems mit einem platten Abbild-Realismus zu bewältigen sucht. Denn der imaginäre Zielpunkt einer angeblich um „historische Authentizität“ bemühten Inszenierung läuft darauf hinaus, ein Geschehen quasi objektiv-dokumentarisch, im Idealfall wie im RTL-Container, widerzugeben. Volker Schlöndorffs Film, ein quälendes, ebenso bildmächtiges wie spannendes Kammerspiel über die Versuchung des Bösen, widersetzt sich von der ersten Einstellung an der Illusion einer „absoluten“ Perspektive; seine Annäherung an das Schicksal eines von Millionen Menschen, dessen

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