Thriller | USA 2005 | 99 Minuten

Regie: Marc Forster

Ein New Yorker Psychologe übernimmt die Betreuung eines Künstlers, der nach einem Unfall an Amnesie leidet und Selbstmord begehen will. Ein um die Auflösung herkömmlicher Erzählstrukturen bemühter Thriller mit hervorragender Kameraarbeit und ausgeklügelter Montage. Zwar untergräbt die gewollte Kunstfertigkeit mitunter die Glaubwürdigkeit der Figuren, dennoch üben die außergewöhnlichen Bilder einen höchst suggestiven Reiz aus. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
STAY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2005
Produktionsfirma
New Regency Pic./Epsilon Motion Pic./Regency Ent.
Regie
Marc Forster
Buch
David Benioff
Kamera
Roberto Schaefer
Musik
Asche & Spencer
Schnitt
Matt Chesse
Darsteller
Ewan McGregor (Sam Foster) · Ryan Gosling (Henry Letham) · Kate Burton (Mrs. Letham) · Naomi Watts (Lila Culpepper) · Elizabeth Reaser (Athena)
Länge
99 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Thriller
Externe Links
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Heimkino

Die Extras umfassen u.a. einen szenenspezifischen Audiokommentar des Regisseurs, des Cutters, des Regieassistenten Kevin Tod Haug und des Kameramanns, einen szenenspezifischen Audiokommentar des Regisseurs und des Hauptdarstellers Ryan Gosling sowie ein interessantes Feature über die Filmmusik (8 Min.).

Verleih DVD
Kinowelt (16:9, 2.35:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
Ein enigmatischer Vor- und Nachspann, der diejenigen von „Sieben“ (fd 31 642) an visuellen Einfällen übertrifft, dazwischen eine postmodern verschlüsselte Story aus der Hand von Drehbuchautor David Benioff („25 Stunden“, fd 35 931), die einem viel Geduld abverlangt. Das düstere Psycho-Drama des Deutsch-Schweizers Marc Forster, das ursprünglich von David Fincher verfilmt werden sollte, gibt sich visionär und kalkuliert verwirrend. Das Ergebnis, eine Geschichte um Schuld und Vergebung, Trauma und Erlösung, vereinigt ausgestellten Weltschmerz mit kalter Oberfläche und dem Streben nach noch nie gesehenen Bildern. Ein junger depressiver Kunststudent fasst erst allmählich Vertrauen zu der Vertretung seiner Psychiaterin. Der von Ewan McGregor gespielte New Yorker Psychologe zeigt reges Interesse an der Ankündigung des sichtlich mitgenommenen, nach einem Unfall an Schlaflosigkeit und Amnesie leidenden Künstlers, an seinem 21. Geburtstag exakt um Mitternacht Selbstmord zu begehen, und nutzt die übrig gebliebenen drei Tage für Nachforschungen. Derweil irrt sein Schützling delirierend durchs nächtliche New York, besucht Sex-Clubs, begegnet den ermordeten Eltern und hinterlässt in seiner kaum möblierten Wohnung unverständliche Botschaften an den Wänden. Der lebensmüde Student ist nicht der Einzige, den der bemerkenswert selbstlose und engagierte Psychologe vor dem Suizid retten möchte. Auch seine Lebensgefährtin und ehemalige Patientin verdankt ihm das Leben. Naomi Watts, deren Besetzung sich bald als eine Reverenz an David Lynchs phantasmagorische Filmwelten erweist, gibt sich als manisch-depressive Malerin ausreichend ambivalent, um die Richtung der Handlung ins Surreale vorzugeben. Forster zelebriert die Zweideutigkeit als filmisches System: Alles, was gesagt und getan wird, kann längst passiert sein oder erst eine Vorahnung der Zukunft in sich bergen. Personen tauchen auf, die längst tot sein müssten, die Zeitebenen verschieben sich, die Tonspur entwickelt ein Eigenleben, Wahn und Wirklichkeit sind nicht mehr voneinander zu trennen; irgendwann erübrigt es sich, all die unlogischen Anschlüsse und mysteriösen Vorfälle rational erklären zu wollen. Nach dem fulminanten Rassismusdrama „Monster‘s Ball“ (fd 35 563) und der Peter-Pan-Variation „Wenn Träume fliegen lernen“ (fd 36 908) beweist Marc Forster aufs Neue seine Wandlungsfähigkeit und Unerschrockenheit gegenüber Stoffen und Genres, die keinerlei Verbindung zueinander haben. Episoden von physisch abgestandener Symbolik wechseln sich in „Stay“ mit beeindruckenden Einfällen ab, wenn Blinde nach der Begegnung mit dem zur Jesus-Figur stilisierten Kunststudenten wieder sehen können und sich die Auflösung herkömmlicher Erzählstrukturen in der optischen Verdreifachung von Statisten, Einstellungen und einzelnen Szenen äußert. Dank suggestiver Kameraarbeit, atmosphärischer Musik und ausgeklügelter Montage vermag der über weite Strecken psychedelische Trip durchaus einen Sog zu entwickeln, stößt aber inhaltlich immer wieder an Grenzen und lässt den Betrachter zunehmend ratlos zurück. Forster ist so verliebt in seine großstädtische Moritat, dass die Glaubwürdigkeit der Figuren mitunter in einer Dunkelkammer aus Effekten und Stimmungen abhanden kommt.
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