Die Firma (1993)

Krimi | USA 1993 | 156 Minuten

Regie: Sydney Pollack

Ein junger Harvard-Absolvent stößt bei seiner Anstellung in einer Anwalts-Sozietät auf Unstimmigkeiten und Verdachtsmomente, die ihn in eine Karriere und Leben bedrohende Situation zwischen FBI und Mafia katapultieren. Die einem Bestseller entlehnte Story wächst sich unter Sydney Pollacks erfahrener Regie zu einem spannenden Unterhaltungsfilm mit sorgsam profilierten Figuren und hervorragenden Schauspielern aus. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE FIRM
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1993
Regie
Sydney Pollack
Buch
David Rabe · Robert Towne · David Rayfiel
Kamera
John Seale
Musik
Dave Grusin
Schnitt
William Steinkamp · Fredric Steinkamp
Darsteller
Tom Cruise (Mitch McDeere) · Jeanne Tripplehorn (Abby McDeere) · Gene Hackman (Avery Tolar) · Hal Holbrook (Oliver Lambert) · Terry Kinney (Lamar Quin)
Länge
156 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Krimi | Thriller | Literaturverfilmung

Heimkino

Verleih DVD
Paramount (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl., DS dt.)
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Diskussion
Von Paul Newman in "The Verdict" (fd 23 947) bis zu Tom Cruise in "Eine Frage der Ehre" (fd 30 005) - Anwälte, ihre Ethik und ihr direkter oder indirekter Einfluß auf die Gesellschaft haben Hollywood in den letzten beiden Jahrzehnten häufig zur Dramatisierung eines Berufsstandes animiert, der für Außenstehende ebenso faszinierend wie umstritten ist. Anwälte im amerikanischen Kino sind keine Atticus Finchs mehr (Gregory Peck in "Wer die Nachtigall stört", 1962), aufrechte, von Idealen angetriebene Verteidiger auch unbequemen Rechts; Anwälte auf der Leinwand sind heutzutage Symbole einer durch politischen Einnuß und ökonomische Habgier ins Bodenlose gesteuerten Gesellschaft. Auch in der Realität fungieren Anwälte und Richter als Zielscheibe einer allgemeinen Empörung, die auf der Suche nach Schuldigen an der Misere der unerwarteten und um so nachhaltiger spürbaren Rezession ist. Hollywoods Anwälte reflektieren die steigende Skepsis, aber auch die nicht nachlassende Faszination eines Berufsstandes, dessen einstiges Ethos im Bewußtsein der Massen durch Egozentrik und Skrupellosigkeit ersetzt zu sein scheint. Ohne diese "Volksstimmung" könnte ein Film wie "Die Firma" gar nicht der Publikumserfolg sein, der er in den USA geworden ist.

Mitch McDeere ist einer der brillantesten Harvard-Absolventen seines Jahrgangs, und angesehene Sozietäten machen dem hoffnungsvollen, aber verschuldeten Jung-Juristen lukrative Angebote. Mit der in der Provinz, im südstaatlichen Memphis, angesiedelten Anwaltskanzlei Bendini, Lambert & Locke redet Mitch eigentlich nur pro forma (Wer möchte schon nach Memphis?). Doch zu seinem Erstaunen macht ihm ausgerechnet die Partnerschaft aus dem Süden ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Sie legt nicht nur 20 Prozent auf die höchste Offerte drauf, die er bisher bekommen hat, sondern sie verspricht ihm auch noch ein günstiges Darlehen und einen Mercedes auf Firmenkosten. Alles läßt sich an wie die Verwirklichung eines schönen Traums. Der jungverheiratete Mitch findet sich bald mitsamt seiner Frau vereinnahmt von der Fürsorge und familiären Atmosphäre der "Firma", wie die Gemeinschaft der 41 Anwälte auf sich selbst gern Bezug zu nehmen pflegt. Hinweise darauf, daß "die Firma" sich auch ins Privatleben ihrer Partner einzumischen pflegt, wirken zunächst nur irritierend. Doch als Mitch auf vier etwas mysteriöse Todesfälle ehemaliger Kollegen stößt, fühlt er sich verwirrt. Und als eines Tages das FBI mit dem Neuling Kontakt aufzunehmen versucht, steigert sich die Verunsicherung zu einem zunächst noch wenig konkreten Verdacht. Bendini, Lambert & Lokke, findet Mitch heraus, vertritt eine berüchtigte Chicagoer Mafia-Familie, treibt auch sonst eine Reihe unsauberer Geschäfte, unter denen chronisch überhöhte Rechnungsstellung nicht das geringste ist. Als Mitch die Details durchschaut, steckt er schon viel zu tief drin, als daß er sich noch ohne langfristige Konsequenzen für seine Laufbahn aus der Affäre ziehen könnte. Mit einem Bruder im Zuchthaus ist er überdies erpreßbar. Da weder das FBI noch "die Firma" vor irgend etwas zurückscheut, muß er alles auf eine Karte setzen und greift zu einem Trick, der ihn nicht nur die Karriere, sondern auch das Leben kosten könnte.

Die Story des Films ist einem berühmten Bestseller entlehnt. John Grishams Roman hat es auf eine Auflage von sieben Mio. Exemplaren gebracht und wurde in 29 Sprachen übersetzt. Es ist ein Buch mit allen Ingredienzen des Publikumserfolges, eine spannende, einnehmende, mit genügend, aber nicht zu viel kritischem Hintergrund versehene Geschichte, die letztlich aber die Grenzen der Bestsellertechnik weder zu sprengen vermag noch überhaupt darüber hinausgehen möchte. In der Hand von Sydney Pollack ("Die drei Tage des Condors", "Jenseits von Afrika") wurde aus dieser Vorlage ein Film mit allen Vorzügen seines persönlichen Stils. Obwohl die ausufernde Story des Buches verkürzt werden mußte, sind die Figuren noch lebendig und vielschichtig, bis in die kleinste Rolle hinreißend besetzt und geführt. Pollacks Filme sind stets in erster Linie Schauspielerfilme, doch in der filmischen Kondensierung seiner Geschichten erweist er sich auch als hervorragender Manipulator technischer Mittel. In "Die Firma" ist es vor allem der Schnitt, der Ereignisse zueinander in Beziehung setzt oder miteinander kontrastiert, aus dem die Story ihre Spannung, aber auch ihre Dimension gewinnt. Je länger der Film dauert, je mehr sich die anfängliche Illustrierten-Konstellation in ein kompliziertes Geflecht von Vermutungen und Bedrohung verdichtet, um so interessanter werden auch die zunächst recht eindimensionalen Charaktere. Nicht zuletzt Mitchs Mentor in der Firma (Gene Hackman in einer weiteren Glanzrolle) gerät mehr und mehr zu einer schillernden Figur zwischen Anpassung, Schuld und persönlicher Tragik. Aber auch Tom Cruise wird diesmal mehr abverlangt als jugendliches Draufgängertum; und je mehr der naive Erfolgsmensch Mitch nicht nur Verführbarkeit und Ernüchterung, sondern auch existentielle Verzweiflung kennenlernen muß, um so mehr wächst Cruise in eine schauspielerische Dimension hinein, die unverkennbar Pollacks Handschrift trägt.

"Die Firma" ist kein bedeutender Film, bedeutend in dem Sinn, daß er Wesentliches über den Zustand unserer Gesellschaft mitzuteilen hätte. Insofern ist der Roman engagierter und rigoroser, wartet vor allem mit einem vom Film abweichenden, ernüchternden Ende auf. Die Story basiert weitgehend auf vertrauten Vorstellungen und Vorurteilen und ruht sich sattsam auf ihnen aus. Aber "Die Firma" ist ein guter Film im Sinne eines handwerklich intelligent gefertigten Kinostücks. Eine in so vieler Hinsicht stimmige Arbeit wie diese ist im Studiobetrieb Hollywoods selten geworden und zeigt, daß Sydney Pollack auch nach seinem opulent-äußerlichen "Havanna" (fd 28 776) nach wie vor solides Kino garantiert. "Die Firma" ist, auf ein heutiges Thema übertragen, die Art von Film, für die Hollywood einst mit Recht berühmt war und die heute kaum noch anzutreffen ist.

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