Hwal - Der Bogen

Drama | Südkorea/Japan 2005 | 89 Minuten

Regie: Ki-duk Kim

Ein alter Fischer beherbergt seit langem ein Mädchen auf seinem Boot, das er an dessen 17. Geburtstag heiraten will. Doch kurz davor verliebt sich die junge Frau in einen Studenten, was die Beziehung zu dem alten Mann auf eine schwere Probe stellt. In schönen Bildern und mit spirituellem Gestus philosophiert das Drama über die Dialektik von Refugium und Gefängnis, Zärtlichkeit und Sadismus, Liebe und Gewalt. Der zwölfte Film von Kim Ki-duk leidet jedoch an wiederkehrenden Metaphern und Symbolen, die den Film zu einem déjà-vu-ähnlichen Erlebnis machen. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
HWAL
Produktionsland
Südkorea/Japan
Produktionsjahr
2005
Produktionsfirma
Happinet Pic./Kim Ki-duk Film
Regie
Ki-duk Kim
Buch
Ki-duk Kim
Kamera
Jang Seong-back
Musik
Kang Eun-il
Schnitt
Ki-duk Kim
Darsteller
Han Yeo-reum (junges Mädchen) · Sei Si-jeok (Student) · Jeon Gook-hwan (Vater des Studenten) · Jeon Seong-hwang (alter Mann)
Länge
89 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama
Externe Links
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Heimkino

Die Extras umfassen u.a. ein ausführliches "Making of" (40 Min.).

Verleih DVD
REM (16:9, 1.85:1, DD2.0 korea./dt.)
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Diskussion
Die ersten Bilder geben das Thema des Films vor: Unter Anwendung seiner ganzen Muskelkraft zieht ein Mann eine Sehne auf einen Bogen. Dann drückt er eine Trommel unter diese Sehne. Aus dem Jagd- wird ein Musikinstrument, aus dem Werkzeug der Gewalt eines der Poesie. Wie immer in seinen Arbeiten öffnet der koreanische Regisseur Kim Ki-duk aber auch Türen zu weiterreichenden Interpretationen: Versteht man den Bogen als Zeichen für Härte und Männlichkeit und die Trommel als „weibliches Prinzip“, dann ergibt sich aus der Korrespondenz beider jener Klang, den Kim dem Instrument entlockt. Es ist kein naturalistischer, sondern ein übersinnlicher atmosphärischer Klang: etwas, das vom jenseitigen Ufer zur Welt der Menschen herüberweht. So erweist sich auch „Hwal – Der Bogen“ als ein zutiefst spirituelles Unternehmen. Dabei erzählt der Film zunächst eine durchaus handfeste Geschichte. Seit mehr als zehn Jahren beherbergt ein alter Mann ein Mädchen auf seinem Fischerboot. Demnächst feiert es seinen 17. Geburtstag und soll dann seine Frau werden. Der Hochzeitstermin ist im Kalender seit langem fest vermerkt; der Mann kauft dafür Schuhe und ein rotes Kleid; mit sehnsuchtsvollem Blick auf das erwartete Datum streicht er jeden Abend einen Tag im Kalender ab. Jeon Seong-hwang spielt diesen Fischer als etwas verkniffenen, misstrauischen, dann wieder grundgütigen Greis, der sich von der Heirat einen Aufschub des Alterns verspricht. Wenn sich seinem Schützling fremde Männer nähern, nutzt er den Bogen als Waffe und schießt Pfeile in Richtung der aufdringlichen Burschen. Nachts verwandelt er das Gerät in ein Musikinstrument zurück und entlockt ihm unterm weiten Sternenhimmel sphärische Klänge. Das Mädchen, das von Han Yeo-reum dargestellt wird, dankt ihm mit jenem Lächeln, das ihm Lebenskraft verleiht. Erst als unter den Männern, die als fischende Ausflügler auf dem Schiff des Alten Station machen, ein Student ankommt, in den sich das Mädchen verliebt, eskaliert die Situation. Auf die Eifersucht des Greises reagiert es mit Trotz; als es mit dem Studenten in Richtung Festland aufbricht und sich der Alte ein Tau um den Hals schlingt, das an das fliehende Boot befestigt ist, kappt das Mädchen das Seil: so, als ob jede Verbindung zu dem Leben davor abgeschnitten werden könnte. Inzwischen jongliert „Hwal – Der Bogen“ längst mit der Dialektik von Refugium und Gefängnis, Zärtlichkeit und Sadismus, Liebe und Gewalt. Vor allem die Figur des alten Mannes erscheint ambivalent, versetzt sie doch in ein Wechselbad der Gefühle zwischen Mitleid und Abscheu: Mit dem Weggang des Mädchens droht der Alte im Grunde alles zu verlieren, was er besitzt. Die Schmerzen, die es ihm bereitet, das Mädchen, also im übertragenen Sinne auch die Jugend loszulassen, könnten für ihn tödlich sein. Aber auch der Student ist nicht nur schlechthin der Befreier des Mädchens aus der Umklammerung, sondern legt, indem er das Einbrechen der Moderne in die Archaik symbolisiert, zugleich auch die Wurzeln künftigen Leids frei. Das alles sieht äußerst gediegen aus und ist in schönen Bildern fotografiert, mit einer engelsgleichen Hauptfigur, die schweigend durch den Film schwebt. Allerdings stellen sich in „Hwal – Der Bogen“ auch diverse Déjà-vu-Effekte ein, so als ob Kim Ki-duk die wirkungsvollsten Elemente einiger vorangegangener Arbeiten gefiltert und zu einem neuen malerischen Opus vorzugsweise für schwärmende westliche Metaphysiker kombiniert habe. Die Stummheit der Hauptfiguren, ihre Verständigung über Blicke und Gesten; der Handlungsort auf einer Art einsamen Insel im Strom des Lebens; das Spiel leuchtender Farben vor dem monochromen Hintergrund des Wassers; die oft unergründliche Abhängigkeit zwischen Frau und Mann, ihre Polarität und der zwischen ihnen waltende Magnetismus: Das alles hat es bei Kim mindestens schon einmal und auch in originellerer Form gegeben. „Hwal – Der Bogen“ scheint, bei allen Finessen im Detail, ein Intermezzo, ein Atemholen des Regisseurs vor einem neuen, hoffentlich wieder innovativen nächsten Werk.
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