Eve Giden Yol - Der Weg nach Hause

Drama | Türkei 2006 | 101 Minuten

Regie: Semir Aslanyürek

Liebesgeschichte vor politischem Hintergrund: In den letzten Jahren des Osmanischen Reichs (1914-18) wird ein junger Mann beim Werben um seine Geliebte in einen Machtkampf zwischen zwei Fürsten sowie in den Ersten Weltkrieg verwickelt. Bildgestalterisch faszinierend, zeigt der Film eindrücklich die Multikulturalität der südtürkischen Region Aleppo, und doch gerät die Geschichte zeitweise zur Kolportage aus 1001 Nacht. Einem unkonventionellen Frauen- steht ein traditionelles Männerbild gegenüber, das den Film mit unangenehm heroischem Pathos ausklingen lässt. - Ab 16.
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Filmdaten

Originaltitel
EVE GIDEN YOL
Produktionsland
Türkei
Produktionsjahr
2006
Produktionsfirma
Özen Film
Regie
Semir Aslanyürek
Buch
Semir Aslanyürek
Kamera
Yusuf Aslanyürek · Eyüp Boz
Schnitt
Serhan Kazar
Darsteller
Metin Akpinar (Resat Aga) · Erdal Besikçioglu (Mahmut) · Melisa Sözen (Safiye) · Emre Altug (Halit) · Ali Sürmeli (Servet Aga)
Länge
101 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama
Externe Links
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Heimkino

Verleih DVD
Sunfilm
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Diskussion
Im Jahr 1914 liegt das Osmanische Reich in den letzten Zügen. Von außen schielen die Großmächte auf die Konkursmasse des „kranken Manns am Bosporus“, innen hat die Generalmobilmachung begonnen. In der Provinz Aleppo, heute der südlichste Zipfel der Türkei an der Mittelmeerküste, terrorisieren Banditen das Land, sichern sich korrumpierte Agas ihre Pfründe mit List und Betrug. Hier beginnt der Film, der leidenschaftliche Liebesgeschichte und Geschichtspanorama zugleich sein will. Im Städtchen Antakya verliebt sich der junge Mahmut in Safiye, Tochter des Servet Aga, der einen Machtkampf mit seinem Widersacher Resat Aga führt. Dabei geht es um Macht und Geld, vor allem aber um die Hand der „wie ein Sohn herangewachsenen“ Tochter. Um die hält nämlich Resat Agas Sohn Halit an, Anführer einer für Massenmorde und Vergewaltigungen berüchtigten Bande. Der Kampf um Safiye wird zum Konflikt zwischen Gut und Böse, dem hinterhältigen Halit, Sohn aus reichem Hause, und dem aufrechten Mahmut, Mann aus dem Volk. Die Schicksalsjahre des Ersten Weltkriegs prägen Mahmuts weiteren Lebensweg; er erlebt den erbittert geführten Kampf der Osmanen an der syrischen Front mit. 1918 kehrt er, gezeichnet von den Kriegswirren, aber klaren Verstandes, nach Antakya zurück, wo es zur entscheidenden Begegnung mit Halit kommt. Aslanyürek, der mit „Sellale – Der Wasserfall“ (fd 35 650) eine Komödie vor dem Hintergrund des Militärputschs 1960 drehte, beschreibt auch hier eine persönliche Geschichte vor politischem Hintergrund. Zwar gerät der Ritt durch die Zeit zwischen 1914 und 1918 stellenweise zur Kolportage aus 1001 Nacht, doch offenbart sich irgendwann das Faszinosum einer Region, die seit jeher Schnittstelle zwischen den Kulturen ist. Antakya ist heute Heimat christlicher und islamischer Gemeinden, gesprochen wird Arabisch und Türkisch. Eine Realität, deren multikulturelle Offenheit sich auch in der Biografie von Regisseur Aslanyürek spiegelt: 1956 in Antakya geboren, studierte er Film an der Filmhochschule VGIK in Moskau und spricht neben türkisch auch russisch und arabisch. Die Landschaft der syrischen Wüste, in der die Kriegsszenen entstanden, gehört samt den Ruinenfeldern aus römischer und byzantinischer Zeit zu den fotogensten Motiven, die mit der Totale einer Filmkamera eingefangen werden können. Hier keine beeindruckenden Bilder zu machen, dürfte schwer sein, aber Kameraman Eyüp Boz schafft es, auch den schmucken Innenhöfen der Häuser der konkurrierenden Agas und den engen Schluchten um Antakya eine besondere Atmosphäre abzugewinnen und so vom zuweilen ins theatralische Übermaß abdriftenden Spiel der Schauspieler abzulenken. Weibliche Charaktere werden ausschließlich als „supporting acts“ eingesetzt, doch bürstet Aslanyürek sowohl mit der selbstbewussten Safiye als auch der sexbesessenen Iffet, Schwester des Mahmut-Widersachers Halit, und Bildern verschleierter Prostituierter das islamische Frauenbild gegen den Strich. Beim Männerbild fehlen streitbare Untertöne: Mahmut bleibt der ernste, gerechte, tapfere Krieger, als der er zu Beginn vorgestellt wurde. Das verleiht dem Film ein unangenehmes, heroisierendes Pathos; am Ende steht Mahmut mit geschultertem Patronengurt auf einem einsamen Berggipfel. Aus dem Off ist die Rede vom „nächsten Befreiungskampf“; gemeint sein dürfte der von den Kemalisten gestützte Widerstand gegen die damalige französische Besatzung, die 1938 zur Gründung des kurzlebigen Staats Hatay führte.
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