Herr Figo und das Geheimnis der Perlenfabrik

Kinderfilm | Argentinien/Spanien 2006 | 94 Minuten

Regie: Juan Pablo Buscarini

Moderne Version einer alten spanischen Legende um eine Maus, die nachts unter Kopfkissen versteckte, ausgefallene Zähne von Kindern gegen Münzen austauscht. Bei der Erfüllung ihrer Mission fällt sie dem Komplott eines unloyalen Mäuse-Mitarbeiters sowie eines geldgierigen Menschen zum Opfer, wird aber von einem kleinen Mädchen und dessen Cousin gerettet. Mit viel Tempo und Humor, aber auch ruhigen Momenten und nachdenklichen Zwischentönen inszenierter Familienfilm, der geschickt reale und animierte Szenen verbindet. Ein sympathisches Plädoyer für das Bewahren der Kindheit und den Glauben an die Fantasiewelt. - Sehenswert ab 6.
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Filmdaten

Originaltitel
EL RATÓN PÉREZ
Produktionsland
Argentinien/Spanien
Produktionsjahr
2006
Produktionsfirma
Castelao Prod./Filmax Animation/Patagonik Film Group
Regie
Juan Pablo Buscarini
Buch
Enrique Cortés
Kamera
Miguel Abal
Musik
Daniel Goldberg
Schnitt
César Custodio
Darsteller
Delfina Varni (Lucía) · Fabián Mazzei (Santiago) · Ana María Orozco (Pilar) · Joe Rígoli (Justo Amancio Morientes) · Diego Gentile (Pipo)
Länge
94 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 6.
Genre
Kinderfilm | Animation
Externe Links
IMDb | TMDB

Heimkino

Verleih DVD
e-m-s (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
Nicht ohne Grund ist „Herr Figo und das Geheimnis der Perlenfabrik“ in Argentinien der erfolgreichste einheimische Familienfilm aller Zeiten; denn die Geschichte von „Ratón Pérez“, der Ratte Perez, kennt dort jedes Kind. Erfunden wurde sie 1894 von dem spanischen Geistlichen Luis Coloma, der sie dem achtjährigen Thronfolger Alfonso XIII. als „Betthupferl“ erzählte, als diesem ein Zahn ausgefallen war, und handelt vom Kindkönig Buby I – so hieß Alfonso mit Spitznamen. Als dieser wie sein reales Gegenstück einen Zahn verliert und ihn unter sein Kopfkissen legt, ruft das die wie ein Mensch gekleidete Ratte Perez auf den Plan, die der Aufgabe nachgeht, bei allen Kindern, denen ein Zahn ausfällt, diesen gegen eine Münze auszutauschen. Um Buby I. mit seinen Untertanen vertraut zu machen, verwandelt Perez ihn ebenfalls in eine Ratte und nimmt ihn mit auf seiner Mission, auch in die Armenviertel der Stadt, wobei Buby I. den Wert der Großzügigkeit lernt. Die Legende der „Zahnratte“ wird zum Grundgerüst für eine in der Jetzt-Zeit angesiedelte Geschichte; Juan Pablo Buscarini inszeniert sie als eine Mischung aus Realfilm und CGI-Animation, die ein wenig an „Stuart Little“ (fd 34 208) erinnert, den (Computer-)Mäusen aber mehr Raum gegenüber ihren menschlichen Mitspielern einräumt. Als sich die zehnjährige Lucia beim Rollschuhfahren in der Wohnung einen Zahn ausschlägt, liegt am nächsten Morgen nicht das erwartete Geldstück unterm Kissen. Der legendäre Nager Herr Figo, der hier an die Stelle der „Ratte Perez“ tritt, war nämlich kurz vor Erledigung seiner Mission vor Lucias Haus in einen Hinterhalt geraten und entführt worden. Zum Glück konnte er seine Visitenkarte zurücklassen, sodass das Mädchen und sein neunmalkluger Cousin Ramiro dem Geheimnis auf die Spur kommen: Herr Figo unterhält ein Schiff, auf dem eine Mäuseschar die Zähne der Kinder zu Perlen formt, die der nette Juwelier Morientes als Halsketten verkauft. Aus dessen Erlös stammen die Münzen unter den Kopfkissen der Kinder. Nun haben sich aber Morientes’ gieriger Neffe Pipo und Figos unloyaler Mitarbeiter Fugaz zusammen getan, um die Träume der Kinder zu zerstören und die Mäuse-Arbeiterschar als „lebendes Spielzeug“ zu verkaufen. Lucia und Ramiro können Figo befreien und den Bösewichtern mit ihm, seinen Freunden und Lucias Eltern ein Schnippchen schlagen. „Man darf nicht nur an das glauben, was man sieht“, diese Erkenntnis von Lucias Mutter ist die Botschaft des bezaubernden Familienfilms, der sich vor aktuellen „Nager“- Filmen aus den USA, von „Alvin und die Chipmunks“ (fd 28 511) über „Ratatouille“ (fd 38 348) zu „Verwünscht“ (fd 38 505), nicht zu verstecken braucht. Die Inszenierung setzt auf actionreichen Slapstick, ohne in Hektik zu verfallen, und findet immer wieder Zeit für ruhige Passagen. Dabei schlägt Buscarini auch nachdenkliche Töne an. So gibt es Konflikte im Haushalt von Lucias Eltern: Da sich der Vater für einen begnadeten Koch hält, ist er nicht bereit, in irgendeinem Restaurant zu arbeiten, und wartet auf den Ruf einer Sterne-Herberge, womit er seine Frau Pilar verärgert, die als erfolgreiche Architektin das Geld heranschafft. Als er auf ihr Drängen eine Stelle annimmt, schämt er sich zuzugeben, dass er in einer Hafen-Spelunke gelandet ist. Eine Situation, die dann mit Humor gelöst wird, sodass niemand sein Gesicht verliert. Ähnlich menschlich geht der Film mit Ramiro um, dessen Übergewicht und Strebertum nie zur Zielscheibe des Spotts werden. Er darf mit seiner Solidarität gegenüber Lucia punkten, ist immer zur Stelle, wenn sie ihn braucht, und zudem ein gewiefter Erfinder. Sein „fliegendes Fahrrad“ ist es schließlich, das sie auf Figos Schiff bringt. Ganze Sequenzen des Films, wie die an „Moderne Zeiten“ erinnernde Perlenfabrik-Szene, sind ausschließlich computer-animiert, und auch, was die CGI-Arbeit angeht, kann hier kann der Film mit Hollywood mithalten. So bekommt nicht nur Figo Kontur, sondern auch sein Widersacher sowie die ihn heimlich liebende Sekretärin. Überhaupt findet die Inszenierung eine ausgewogene Balance zwischen der Real- und der Animationswelt. Manchmal hat man den Eindruck, als übertrage sich die Spielfreude des prägnant besetzten Ensembles auch auf die Trickfiguren.
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