Ich habe den englischen König bedient

Literaturverfilmung | Tschechien/Slowakei 2006 | 118 Minuten

Regie: Jirí Menzel

In einer skurrilen Zeitreise, die von den 1920er- bis in die 1950er-Jahre führt, wird vom Aufstieg und Fall eines tschechischen Kellners erzählt. Die kleinwüchsige Hauptfigur erinnert sich an die Zeit der ersten tschechischen Republik, der deutschen Besatzung und des Nachkriegs. Politische Umbrüche und heftige Amouren erhalten in seiner Rückblende ein ähnliches Gewicht, wobei es dem Film vorrangig um das Charakterbild eines um Anpassung bemühten, primär am eigenen Fortkommen interessierten Kleinbürgers geht. Dabei nähert er sich seinem Helden eher zärtlich als mit dem Gestus der Abrechnung, bevorzugt weiche Töne und sinnliche Bilder und jongliert lustvoll mit der Filmgeschichte. Der schöne, vielleicht etwas altväterliche Abschluss des meisterlichen Lebenswerks von Jiri Menzel. - Sehenswert ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
OBSLUHOVAL JSEM ANGLICKÉHO KRÁLE
Produktionsland
Tschechien/Slowakei
Produktionsjahr
2006
Regie
Jirí Menzel
Buch
Jirí Menzel
Kamera
Jaromír Sofr
Musik
Ales Brezina
Schnitt
Jirí Brozek
Darsteller
Ivan Barnev (junger Jan Dítê) · Oldrich Kaiser (alter Jan Dítê) · Julia Jentsch (Líza) · Martin Huba (Skrivánek) · Marián Labuda (Walden)
Länge
118 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 14.
Genre
Literaturverfilmung

Diskussion
Das filmische Werk von Jirí Menzel ist eng mit dem erzählerischen von Bohumil Hrabal verbunden: Schon 1965 beteiligte sich der Regisseur, der kurz zuvor die Prager Filmhochschule absolviert hatte, an dem Episodenfilm „Perlen auf dem Meeresgrund“ nach Erzählungen des Dichters; später entstanden Adaptionen wie „Liebe nach Fahrplan“ (1966, fd 15 139), für die Menzel den „Oscar“ erhielt, „Kurzgeschnitten“ (1980, fd 23 214) oder „Das Wildschwein ist los“ (1983). Ein exemplarisches Schicksal erfuhr ihr gemeinsamer Film „Lerchen am Faden“ (1969, fd 28 815), eine Tragikomödie über den real existierenden Stalinismus, die auf den Index kam und erst 1990 uraufgeführt werden durfte. Nach dieser Arbeit wurde Menzel mit einem mehrjährigen Berufsverbot belegt; in jener Zeit wirkte er unter anderem als Darsteller für Rainer Simon, der ihn für die Hauptrolle seines subversiven Märchens „Sechse kommen durch die Welt“ (1972, fd 26 328) zur DEFA holte. Die langjährige Freundschaft und Geistesverwandtschaft mit dem 1997 verstorbenen Hrabal bewog Menzel, sich nun auch um die Verfilmung des 1974 erstmals erschienenen Romans „Ich habe de

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