Kit Kittredge

Kinderfilm | USA 2008 | 96 Minuten

Regie: Patricia Rozema

In den 1930er-Jahren sucht der Vater eines neunjährigen Mädchens in Chicago Arbeit, während die Mutter in Cincinnati mit Untermietern über die Runden zu kommen hofft. Als bei ihnen eingebrochen und ein junger Landstreicher dafür verantwortlich gemacht wird, will ihn das Mädchen entlasten. Klug inszenierter, spannend-lehrreicher Kinderfilm um eine Figur, die auf einer populären Puppenmarke basiert. Die Besetzung sowie die sorgfältige Umsetzung bieten rundum gelungene Unterhaltung. - Ab 6.

Filmdaten

Originaltitel
KIT KITTREDGE: AN AMERICAN GIRL
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2008
Regie
Patricia Rozema
Buch
Ann Peacock
Kamera
David Boyd
Musik
Joseph Vitarelli
Schnitt
Julie Rogers
Darsteller
Abigail Breslin (Margaret Mildred "Kit" Kittredge) · Julia Ormond (Margaret Kittredge) · Chris O'Donnell (Jack Kittredge) · Jane Krakowski (Miss May Dooley) · Wallace Shawn (Mr. Gibson)
Länge
96 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 0
Pädagogische Empfehlung
- Ab 6.
Genre
Kinderfilm

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. ein Feature mit im Film nicht verwendeten Szenen (4 Min.).

Verleih DVD
Warner (16:9, 1.78:1, DD5.1 engl./dt.)
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Diskussion
Der Börsencrash von 1929 stürzte die USA in eine ihrer größten Krisen. Was die Erwachsenen die „Große Depression“ nennen, bedeutet für Kinder wie Kit Kittredge den Abschied vom behüteten Familien-Idyll. In den 1930er-Jahren verliert auch der Vater der Neunjährigen seinen Job und muss sich von Cincinnati ins ferne Chicago aufmachen, um die Familie irgendwie durchzubringen. Vielen von Kits Nachbarn geht es in diesen Tagen ähnlich, und so belebt sich das Anwesen der Kittredges nicht nur durch die Treffen von Kits geheimem Mädchenclub im Baumhaus, sondern auch durch diverse Untermieter, die ihre Mutter günstig ins Haus gelassen hat, um wenigstens das Nötigste zum Überleben zu verdienen – von der drohenden Hypothekentilgung ganz zu schweigen. Doch die unvermittelte Armut schweißt auch zusammen. So erlebt die Familie mit ihren Untermietern – der Tanzlehrerin Miss Dooley, Mrs. Howard und ihrem kleinen verschüchterten Sohn Stirling sowie der skurrilen Bibliothekarin Miss Bond und dem kauzigen Varieté-Künstler Jefferson Berk – auch schöne Stunden. Vielen geht es außerdem noch schlechter. Obdachlos geworden, leben sie am Ohio River in spärlichen Bretterbuden und Zelten. Der erstaunlich selbstständige Teenager Will und sein kleiner Freund Countee zählen zu den Landstreichern, die bei der gutherzigen Mrs. Kittredge gegen ein wenig Essen Gelegenheitsarbeiten verrichten. Woanders sind die Leute vom Fluss weniger beliebt und werden für die immer häufiger vorkommenden Diebstähle in der Siedlung verantwortlich gemacht. Doch Kit, die sich mit Will und Countee anfreundet, will für Aufklärung sorgen. Die zu Unrecht beschuldigten Landstreicher scheinen genau die richtige Story für die Hobbyjournalistin zu sein. Sie und ihre Freunde machen sich auf, Will zu entlasten und den wahren Dieb zu finden. Die Vorgaben der HBO-Produktion scheinen nicht sehr verheißungsvoll, ist das im Zentrum stehende „American Girl“ doch eine immens erfolgreiche Spielzeug-Puppe, deren kitschiges Franchise mit dem von Barbie zu vergleichen ist. Eine während der großen Wirtschaftskrise spielende Geschichte wirkt mit diesem oberflächlichen Ansatz zunächst kaum kompatibel. Doch die seit „Mansfield Park“ (fd 34366) sträflich unterbeschäftigte Regisseurin Patricia Rozema und die Drehbuchautorin Ann Peacock haben den Spagat mit Bravour gemeistert und einen erstaunlich unterhaltsamen und nachdenklichen Kinderfilm geschaffen. Mit viel Einfühlungsvermögen gelingt es ihnen, die 1930er-Jahre mit ihrer wachsenden Armut, der Hoffnungslosigkeit und den dramatischen Auswirkungen auf die Mittelschichtsfamilien so aufzubereiten, dass die Problematik auch für die avisierte Zielgruppe der sechs- bis 14-jährigen Mädchen gut vermittelbar wird. Zudem vernachlässigen die Macher mit der investigativen Abenteuerstory um die Heldin und ihren Freundeskreis nicht den Spannungsaspekt, dessen eine (melo-)dramatische Geschichte unbedingt bedarf, um bei Kindern zu wirken. Dass es dabei mitunter ein wenig naiv und idealisierend zugeht, ist nicht weiter tragisch, denn nicht zuletzt das durchweg hochkarätig besetzte Ensemble sorgt für die nötige Erdung der Geschichte. Für die dramatischen Momente sind Julia Ormond und Chris O’Donnell als Kits Eltern sowie Glenne Headly als alleinerziehende, ehemals wohlhabende Mrs. Howard verantwortlich. Für das angenehm wenig überzogene komödiantische Element sorgen Stanley Tucci als launenhafter Magier und Joan Cusack als quirlige Bibliothekarin. Mittler zwischen den Emotionen sowie den prominenten Erwachsenen- und dem teils aus Laien bestehenden Kinderdarstellern ist die souveräne Abigail Breslin, die nach „Little Miss Sunshine“ (fd 37908) erneut beweist, dass sie zu den jungen Hoffnungen Hollywoods zählt.
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