Schande (2008)

Drama | Australien/Südafrika 2008 | 118 Minuten

Regie: Steve Jacobs

Verfilmung eines Romans von J.M. Coetzee über einen Literaturprofessor, der wegen einer Affäre mit einer Studentin von der Uni fliegt und bei seiner lesbischen Tochter im Osten Südafrikas auf einer kleinen Farm unterkommt. Dort wird er mit der hässlichen Wirklichkeit des Landes konfrontiert, was nachhaltig seine Sicht der Welt verändert. Die visuell bestechende Adaption konzentriert sich ganz auf die nuanciert gespielte Hauptfigur, vermag den komplexen Stoff aber nur ansatzweise zu bewältigen und tut sich schwer, die kontextuellen Ebenen der Vorlage in ein filmisches Äquivalent umzusetzen. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
DISGRACE
Produktionsland
Australien/Südafrika
Produktionsjahr
2008
Regie
Steve Jacobs
Buch
Anna-Maria Monticelli
Kamera
Steve Arnold
Musik
Antony Partos · Graeme Koehne
Schnitt
Alexandre de Franceschi
Darsteller
John Malkovich (David Lurie) · Jessica Haines (Lucy) · Eriq Ebouaney (Petrus) · Fiona Press (Bev Shaw) · Antoinette Engel (Melanie)
Länge
118 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Drama | Literaturverfilmung

Diskussion
Manchmal schieben sich im Kino die Erinnerungen an einen Roman über die Bilder seiner Adaption – was in der Regel kein Qualitätssiegel für den Film ist. Bei „Schande“ von Steve Jacobs nach dem gleichnamigen Roman des südafrikanischen Nobelpreisträgers J.M. Coetzee behauptet die Verfilmung dennoch ein gewisses Eigenrecht; denn sie überantwortet die vielen lakonischen Kommentare eines anonymen Erzählers dem stummen Spiel seines Hauptdarstellers John Malkovich in einer Paraderolle als feingeistiger Akademiker. Seine Figur, David Lurie, unterrichtet in Kapstadt vergleichende Literaturwissenschaft. Am liebsten doziert er schmallippig über Gedichte von Lord Byron oder William Wordsworth, in denen sich die Leidenschaft der romantischen Künstlerpersönlichkeit mit dem Egoismus eines auf sich fixierten Einzelgängers verbindet. Lurie wäre selbst gern ein „Byronscher Held“, ein Ästhet im Elfenbeinturm, doch sein Sarkasmus unterbindet jede Form der Selbstüberschätzung: zu sehr steht ihm die Mittelmäßigkeit des Daseins, auch seine eigene, vor Augen.

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