Komödie | USA 2009 | 94 Minuten

Regie: Lynn Shelton

Zwei Freunde aus College-Zeiten treffen sich nach Jahren wieder. Die Begegnung verunsichert die beiden, die völlig unterschiedliche Lebenswege verfolgen, der eine als Abenteurer, der andere als abgesicherter Familienvater. Ein während einer Party gefasster Plan fordert die sexuellen Grenzen der Männerfreundschaft heraus. Eine intelligente und witzige Buddy-Komödie um männliche Identitätskrisen und das Sich-Reiben an Rollenbildern, überzeugend durch spontan und natürlich wirkende Dialogszenen, glaubwürdige Figuren und die bewegliche Kamera. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
HUMPDAY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2009
Regie
Lynn Shelton
Buch
Lynn Shelton
Kamera
Benjamin Kasulke
Musik
Vince Smith
Schnitt
Nat Sanders
Darsteller
Mark Duplass (Ben) · Joshua Leonard (Andrew) · Alycia Delmore (Anna) · Lynn Shelton (Monica) · Trina Willard (Lily)
Länge
94 Minuten
Kinostart
09.09.2010
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Komödie

Diskussion
„I fuckin’ love you“, ruft Ben stürmisch aus, als er nach vielen Jahren Andrew wieder trifft, seinen alten Freund aus dem College. Die Begrüßung der beiden ist kumpelhaft-herzlich und versammelt so ziemlich alle gängigen Rituale einer typischen Männerfreundschaft: Schulterklopfen, Schattenboxen, Buddy-Floskeln, Give-Me-Fives – ein Repertoire an Gesten und Codes, die ein begrenztes Maß an körperlicher Nähe zulassen, ohne einen gewissen Sicherheitsabstand zu überschreiten. Beide scheinen zu wissen, wann eine Umarmung abgebrochen werden muss, um beim anderen (oder sich selbst) keine Verlegenheit zu erzeugen. Ben, der Weltenbummler, platzt zunächst wie ein Fremdkörper in Andrews Welt, die allen Anforderungen einer bürgerlichen Existenz gerecht wird. Er hat ein hübsches Haus, einen guten Job, eine nette Frau, Anna, und das erste Kind ist sozusagen „in Produktion“ – „Humpday“ beginnt mit einer komischen Szene, in der das Paar eine erotische Verführung anzukurbeln versucht und dann erleichtert abbricht, als sich beide gegenseitig eingestehen, dass sie zu müde zum Sex sind. Zunächst kommen sich die unterschiedlichen Lebensentwürfe von Andrew und Ben nicht in die Quere, man gibt sich weltoffen und tolerant. Doch der Blick auf den anderen ist von Projektionen verstellt, beide fühlen sich ein Stück weit in Frage gestellt und in ihrer Identität bedroht. Ben, der nie irgendetwas in seinem Leben beendet hat, wird durch die klare Lebensordnung seines Freundes verunsichert, Andrew wiederum bewundert die Unabhängigkeit des „On the Road“-Abenteurers und befürchtet, womöglich doch ein konformistischer Langweiler geworden zu sein. Als Ben ihn mit zu einer Künstler-Party nimmt, fühlt er sich in der hippieesken Gesellschaft kuschelnder Pot-Raucher zunächst unbehaglich, doch irgendwann „steigt“ er ein und trinkt, kifft und quasselt sich in die Gemeinschaft. Schließlich versucht er sogar, die anderen in ihren Freizügigkeiten zu übertrumpfen. So macht er den Vorschlag, für das Humpfest, ein lokales Amateur/Kunstporno-Filmfestival einen Beitrag zu drehen, in dem er und Ben miteinander Sex haben. Ein Porno zwischen zwei heterosexuellen Männern, das erscheint den Freunden wie die subversivste Kunstidee überhaupt. Dabei verbirgt sich hinter dem Einfall eher eine Art Radikalitätstest, der das Selbstverständnis der beiden Männer in Frage stellt und Verwirrung in Andrews Beziehung zu Anna bringt. Was zunächst wie der Plot einer weiteren deftigen Judd-Apatow-Komödie klingt, wird unter der Regie von Lynn Shelton zu einem intelligenten und witzigen Indie-Buddy-Movie im Stil des „Mumblecore“. Die Figuren reden sich um Kopf und Kragen, die Dialoge wirken spontan und improvisiert, die Kamera ist bewegt und konzentriert sich fast ausschließlich auf die Interaktion zwischen Andrew, Ben und Anna. Das Projekt, einen Amateurporno zu machen, der „beyond gay“ ist, wie Ben begeistert ausruft, nimmt eine seltsame Eigendynamik an. Irgendwann ist nämlich nicht mehr klar, ob es nun darum geht, dem anderen die eigene Unkonventionalität zu beweisen oder aus der Grenzüberschreitung tatsächlich etwas für sich selbst zu gewinnen. „Humpday“ ist eine fein gezeichnete, urkomische Geschichte über zwei Freunde, die die abgesicherten Grenzen einer heterosexuellen Männerfreundschaft herausfordern und es dadurch richtig mit der Angst zu tun bekommen. „I wish I was more gay“, sagt Ben irgendwann. Man glaubt es ihm sogar
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