Im Angesicht des Verbrechens

- | Deutschland 2009 | 500 (10 x 50)/DVD: 488 Minuten

Regie: Dominik Graf

Ein junger Berliner Polizist russisch-jüdischer Abstammung, dessen Bruder von der Russenmafia ermordet wurde, wird gemeinsam mit einem Kollegen im Zuge eines Schlags gegen das organisierte, von Russen kontrollierte Verbrechen vom LKA angefordert. Die beiden erhalten die Gelegenheit, sich zu profilieren, ihre Karriere zu fördern und persönliche Konflikte auszutragen. Höchst spannendes, ausufernd erzähltes (Fernseh-)Epos um Identitäten, rivalisierende Clans, Prostitution, Schmuggel und Hierarchien, das Genremuster nutzt und diese zugleich bricht. Die brillant inszenierte, vorzüglich gespielte Krimiserie mischt Polizeithriller und Familiensaga, wobei sie herkömmliche Erwartungshaltungen und Sehgewohnheiten unterläuft und mit atemberaubenden Kameraperspektiven und weiteren visuellen Einfällen aufwartet. (Titel der Folgen: 1. "Berlin ist das Paradies"; 2. "Wo wir sind, ist vorne"; 3. "Der Überfall"; 4. "Der Verrat"; 5. "Nur ehrliche Liebe ist gute Liebe"; 6. "Rosen fallen vom Himmel"; 7. "Wer Angst hat, verliert"; 8. "Berlin ist ein Paradies"; 9. "Du bekommst, was Dir zusteht"; 10. "Alles hat seine Zeit") - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2009
Regie
Dominik Graf
Buch
Rolf Basedow
Kamera
Michael Wiesweg
Musik
Florian van Volxem · Sven Rossenbach
Schnitt
Claudia Wolscht
Darsteller
Max Riemelt (Marek Gorsky) · Ronald Zehrfeld (Sven Lottner) · Marie Bäumer (Stella, Mareks Schwester) · Misel Maticevic (Mischa, Stellad Mann) · Alina Levshin (Jelena)
Länge
500 (10 x 50)
DVD: 488 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.

Heimkino

Verleih DVD
Ascot/Elite (16:9, 1.78:1, DD2.0 dt.)
DVD kaufen

Diskussion

Dominik Grafs zehnteiliges Fernsehepos „Im Angesicht des Verbrechens“ hat seine Uraufführung im Februar 2010 im „Internationalen Forum des Jungen Films“ der „Berlinale“ erlebt. Die Fernsehproduktion, in der es in der Form eines seriellen Krimis und als Fortsetzungsgeschichte um das Thema der Russenmafia geht, erhielt daraufhin hymnische bis sensationelle Besprechungen durch die deutsche Filmkritik. Das scheint angesichts der Tatsache, dass es zu deren gutem Ton gehört, auf das Fernsehen und seinen Einfluss zu schimpfen, ein markanter Widerspruch zu sein. Doch der löst sich auf, wenn man die Karriere und die Position des Regisseurs Dominik Graf näher betrachtet.

Denn anders als viele seiner Kollegen hat der Kino-Maniac Dominik Graf nie pauschal auf das Fernsehen geschimpft. Stattdessen hat er, nachdem er im Kino mit seinem Spielfilm „Die Sieger“ (1994) ein Desaster an der Kasse erlebt hatte, im Fernsehen in immer neuen Versuchen Erzählweisen ausprobiert und radikalisiert – auf der Ebene des Melodrams, der Komödie, des Thrillers, des Kriminalfilms und des Serienkrimis. Schon in seinen Anfängen hatte Graf seriell gearbeitet. Er war maßgeblich an der ARD-Serie „Der Fahnder“ (1983-2001) beteiligt, zu der er nicht nur die besten Einzelfolgen beisteuerte, sondern diese zugleich als Blaupausen für spätere Kinofilme benutzte. In Graf, der sich auch in seinen Schriften als Kenner und Liebhaber des Kinos erweist, hat die Filmkritik also jemanden, mit dem auch sie das ansonsten so ungeliebte Fernsehen zu ertragen vermag.

Die Prüfung einer Maxime

Umgekehrt erlebte die Fernsehkritik ab Mitte der 1990er-Jahre in Grafs Person jemanden, der anders als viele andere sein Handwerk nicht nur beherrscht, sondern der auch mit hoher Anstrengung und Intensität auf einer hohen Qualität des filmischen Erzählens besteht, ob nun im Einzelfilm oder in einer Serien-Folge. Die vielen Grimme-Preise, die Graf erhielt, beweisen, welche Bedeutung dieser Regisseur für die Fernsehkritik mittlerweile besitzt. Dass er wiederum seinen ersten Grimme-Preis viel zu spät erhielt, deutet an, dass die Fernsehkritik Dominik Graf erst für sich entdecken musste, um ihn dann umso inniger in die Arme zu schließen.

„Im Angesicht des Verbrechens“ kann man in diesem wechselseitigen Sinn als Prüfung jener Maxime deuten, die Graf, bezogen auf das deutsche Fernsehen, im „film-dienst“

Filmdienst Plus

Ich habe noch kein Benutzerkonto
Kommentar verfassen

Kommentieren