Drama | Deutschland/Frankreich 2010 | 83 Minuten

Regie: Angela Schanelec

Auf dem Pariser Flughafen Orly unterhalten sich Fluggäste: Ein Mann und eine Frau lernen sich kennen, ein junges Paar steht am Ende seiner Beziehung, eine Mutter tauscht sich mit ihrem Sohn aus. Derweil fährt eine junge Frau zum Flughafen, um in der anonymen Öffentlichkeit einen Brief ihres Ex-Geliebten zu lesen. Die Personen werden mit einem Teleobjektiv aus der Masse herausgelöst, während der reguläre Flughafenbetrieb weiter läuft, sodass sich die impressionistisch in die "wirkliche" Welt hinein getupften Episoden innerhalb eines stark konzeptuellen Rahmens abspielen. Dennoch entfalten sich die Themen um Liebe und Abschied fern jeden dramatischen Kalküls mit beeindruckender Stilsicherheit, poetisch und mit viel Anteilnahme für die Figuren. (O.m.d.U.) - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
ORLY
Produktionsland
Deutschland/Frankreich
Produktionsjahr
2010
Regie
Angela Schanelec
Buch
Angela Schanelec
Kamera
Reinhold Vorschneider
Musik
Cat Power
Schnitt
Mathilde Bonnefoy
Darsteller
Bruno Todeschini (Vincent) · Natacha Régnier (Juliette) · Mireille Perrier (Helen) · Maren Eggert (Sabine) · Emile Berling (Ben)
Länge
83 Minuten
Kinostart
04.11.2010
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Drama
Diskussion
Ganz am Ende von Angela Schanelecs „Marseille“ (fd 36 715) entschwand die Protagonistin Sophie schlicht und einfach aus der Geschichte: Sie entzog sich dem „aufdringlichen“ Blick der Kamera und wurde Teil der urbanen Anonymität. Intuitiv suchte man sie mit den Augen auf der Leinwand und meinte, sie irgendwo in der Ferne in ihrem gelben Kleid am abendlichen Meer spazieren zu sehen. Was freilich nur ein trügerischer Nachhall auf der Netzhaut sein mochte – oder auch auf der Seele, weil man nicht loslassen will von dieser schönen, stets kontrollierten und doch poetischen Erzählweise der Regisseurin, die einem nichts vorschnell offenbart und der man sich bereitwillig öffnen muss, um über die stillen Momente, die Leerstellen und Ellipsen in der Erzählung hinweg sein ganz persönliches Verhältnis zu den schweigsamen, rastlos flanierenden, suchenden Protagonisten zu finden. Maren Eggert spielte diese Sophie. Sechs Jahre später begegnet man der Schauspielerin nun gleich zu Beginn von „Orly“ wieder: in den belebten Straßen von Paris, wobei sie jetzt Sabine heißt, was man wohl glauben muss – auch wenn man sie immer noch Sophie nennen möchte. Es ist eine Art Prolog: Sabine hat sich von Theo getrennt, der hinter ihr her telefoniert, aber die Dinge nicht mehr aufhalten kann. Sabine will nicht, dass er sie weiterhin anruft. Dass sie auf dem Weg zum Pariser Flughafen Orly

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