We Need to Talk About Kevin

Drama | Großbritannien/USA 2011 | 112 Minuten

Regie: Lynne Ramsay

Ein Junge hat in seiner Schule ein Massaker verübt. Mit suggestiv-experimenteller Bildsprache fokussiert der Film auf die Perspektive seiner traumatisierten Mutter und lässt in Rückblenden deren von der Geburt an gestörte Beziehung zu ihrem Sohn aufscheinen. Ohne die Ursachen des jugendlichen Amoklaufs erklären zu wollen, formuliert er in seiner subjektiven Herangehensweise eindringlich das Entsetzen und die Fassungslosigkeit angesichts einer Gewalttat, die sich einem rationalen Zugriff zu verweigern scheint. Dank einer ausdrucksstarken Hauptdarstellerin und der virtuosen filmischen Umsetzung ein fesselnd-verstörender Film. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
WE NEED TO TALK ABOUT KEVIN
Produktionsland
Großbritannien/USA
Produktionsjahr
2011
Regie
Lynne Ramsay
Buch
Lynne Ramsay · Rory Kinnear
Kamera
Seamus McGarvey
Musik
Jonny Greenwood
Schnitt
Joe Bini
Darsteller
Tilda Swinton (Eva) · John C. Reilly (Franklin) · Ezra Miller (Kevin als Teenager) · Siobhan Fallon (Wanda) · Jasper Newell (Kevin mit 6 bis 8 Jahren)
Länge
112 Minuten
Kinostart
16.08.2012
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Drama

Diskussion
Ebenso ursprünglich wie todesnah sind die ersten Bilder des Films: ein flächendeckendes Gemisch aus entfesselten Körpern und zerquetschten Tomaten. Mittendrin in der Menge eine Frau, die sich wie im Rausch der Tomaten-Körper-Orgie (oder -schlacht) hingibt – ein Szenario, das bedrohlich wirkt und gleichzeitig vom Glück der Selbstauflösung erzählt. In der Realität kann Eva Khatchadourian, die Frau im Tomatenbad, tatsächlich nur davon träumen. Was ihr widerfahren ist, lässt sich nicht auslöschen. Auch wenn sie sich noch so sehr die Hände wund schrubbt, um die rote Farbe, mit der die Nachbarn ihre Hauswand beschmieren, wieder loszuwerden: das Rot haftet an ihr, so wie Kevin für immer an ihr haftet. Nicht das Rot von Tomaten und nicht das von Farbe, sondern das Rot von Blut. Hohlwangig und mit leerem Blick geistert Eva durch Reste eines kaputten Lebens. Sie betäubt sich mit Tabletten und Alkohol und wird auf offener Straße von einer Frau geohrfeigt, was sie widerspruchslos über sich ergehen lässt.

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