Türkisch für Anfänger

- | Deutschland 2012 | 100 Minuten

Regie: Bora Dagtekin

Kinofilm nach der gleichnamigen Fernsehserie um eine deutsch-türkische Multikulti-Familie: Bei einer Urlaubsreise nach Thailand geraten die beiden Familienclans aneinander, als ihre erwachsenen Kinder nach einem Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel stranden. Ohne Einbettung der Figuren in den Berliner Alltag verliert das Sujet viel von seinem Witz, unterhält aber immer noch als überspannte Parodie auf einschlägige Film- und Fernsehformate, aber auch als romantische Komödie. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2012
Regie
Bora Dagtekin
Buch
Bora Dagtekin
Kamera
Torsten Breuer · Benjamin Dernbecher
Musik
Beckmann · Heiko Maile
Schnitt
Charles Ladmiral
Darsteller
Josefine Preuß (Lena) · Elyas M'Barek (Cem) · Anna Stieblich (Doris) · Adnan Maral (Metin) · Pegah Ferydoni (Yagmur)
Länge
100 Minuten
Kinostart
15.03.2012
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.

Diskussion
Bis die deutsch-türkische Multikulti-Familie Schneider-Öztürk in der Fernsehserie „Türkisch für Anfänger“ einigermaßen sortiert war, mussten viele Folgen vergehen und noch mehr Vorurteile, persönliche, weltanschauliche (bzw. religiöse) Krisen und Neurosen überwunden werden. Dabei spielte politische Unkorrektheit – als eine kulturelle Klischees überstrapazierende und damit parodierende Strategie – eine wichtige Rolle, ebenso auch die sorgfältig ausgearbeiteten und überaus liebenswerten Figuren, die sich über größere dramaturgische Bögen hinweg entfalten konnten. Auf den gleichnamigen Spielfilm, den der Drehbuchautor der Serie, Bora Dagtekin, als Regiedebüt inszenierte, trifft dies weniger zu. Neben einigen Problemen, die dem Transfer der Serie ins Kinoformat zuzuschreiben sind, besteht der Hauptfehler in der ulkigen, aber recht fatalen Idee, das Personal der Schneider-Öztürks von dem Familienhaushalt in Berlin auf eine einsame Insel bzw. in eine thailändische Ferienanlage zu verpflanzen. Damit ist der Film keine Fortsetzung der Serie, sondern erzählt eine völlig neue, an deren Grundkonflikte angelehnte Geschichte. Die Schauspieler sind dieselben, ebenso die Charaktere, allerdings fällt das Spiel mit Stereotypen, das im Fernsehen so intelligent und beweglich praktiziert wurde, eher grob aus. Die Eigenheiten der Figuren werden auf Primärreize verkürzt: verklemmte Jungfrau, Ökohexe und romantischer Macho, Eso-Mutter mit Angst vor dem Altern und überkorrekter Beamter, Kopftuchträgerin mit Bikinifigur... Gleich zu Beginn begegnen sich die Schneider-Öztürks, die sich im Schnelldurchlauf finden müssen, in einem Flugzeug nach Thailand, das im Meer notwassern muss. So landet die ebenso frustrierte wie emanzipierte 19-jährige Lena Schneider mit dem türkischen Testosteron-Bolzen Cem, seiner streng religiösen Schwester Yagmur und dem stotternden Griechen Cota auf einer einsamen Insel; derweil werden die Eltern, der korrekte Polizeibeamte Metin Öztürk und Lenas Mutter, eine esoterische Psychotherapeutin, gerettet und in einen Ferienclub gebracht. In der Folge entwickelt sich „Türkisch für Anfänger“ neben der überspannten Parodie auf Film- und Fernsehformate vom „Dschungelcamp“ bis zu Katastrophen-, Abenteuer- und Horrorfilmen vor allem zur vorhersehbaren „Was-sich-nervt-das-liebt-sich“-Geschichte, die ganz auf ein Teenager-Publikum zugeschnittenen ist und sich dabei unübersehbar an US-amerikanischen Komödien orientiert. Ästhetisch zwischen Reiseprospekt und Eis-Reklame angesiedelt, gibt es gut gebaute Körper in Badehosen und Bikinis zu sehen; dabei setzt Dagtekin vor allem auf das prominente, sich gegenseitig anziehende wie abstoßende Paar Lena und Cem, das seinen liebevollen Charme und sportlichen Witz immerhin hinüber retten konnte. Allerdings gerät ohne die Einbettung der Figuren in ihren gesellschaftlichen und familiären Hintergrund (Patchworkhaushalt, Schule, Freundeskreis) der auf Pointen und Zoten getrimmte Schlagabtausch zur bloßen Nummernrevue; die auf die Debatten der Integrationsgesellschaft scharf zielenden politischen Unkorrektheiten der Fernsehserie wirken hier ebenso plump wie harmlos. Dass „Türkisch für Anfänger“ dennoch zu den gelungeneren deutschen Komödien gehört, sagt daher weniger über die Qualität des recht pubertären Films als über den Zustand dieses Genres in Deutschland im Allgemeinen.
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