Das verflixte 3. Jahr

Komödie | Frankreich/Belgien 2012 | 98 (24 B./sec.)/94 (25 B./sec.) Minuten

Regie: Frédéric Beigbeder

Regiedebüt des französischen Schriftstellers Frédéric Beigbeder auf der Grundlage seines Romans: Ein scharfzüngiger Literaturkritiker und Lifestyle-Kolumnist steht vor den Trümmern seiner Ehe. Deprimiert und voller Selbstmitleid schreibt er ein zynisches Buch, in dem er der Liebe eine Halbwertzeit von nur drei Jahren zumisst. Ausgerechnet jetzt tritt eine schöne, aber verheiratete Frau in sein Leben. Eine zwischen Oberflächlichkeit und Originalität changierende Komödie über die Unmöglichkeit der Liebe. Dabei zeigt sich der Regisseur deutlich von der neurotischen Nachdenklichkeit und den ironischen Selbstzweifeln eines Woody Allen beeinflusst. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
L' AMOUR DURE TROIS ANS
Produktionsland
Frankreich/Belgien
Produktionsjahr
2012
Regie
Frédéric Beigbeder
Buch
Frédéric Beigbeder · Christophe Turpin · Gilles Verdiani
Kamera
Yves Cape
Musik
Martin Rappeneau
Schnitt
Stan Collet
Darsteller
Gaspard Proust (Marc Marronnier) · Louise Bourgoin (Alice) · JoeyStarr (Jean-Georges) · Jonathan Lambert (Pierre) · Frédérique Bel (Kathy)
Länge
98 (24 B.
sec.)
94 (25 B.
sec.) Minuten
Kinostart
19.07.2012
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Prokino (16:9, 2.35:1, DD5.1 frz./dt.)
DVD kaufen

Diskussion
Es beginnt mit dem Ende. Marc Marronier, scharfzüngiger Literaturkritiker und Lifestyle-Kolumnist, war drei Jahre lang mit der bezaubernden Anne verheiratet. Doch nun sitzen sie mit ihren Anwälten vor dem Scheidungsrichter. In rascher Bilderfolge lässt Marc für den Zuschauer noch einmal die Vergangenheit lebendig werden: Erstes Kennenlernen, erste Langeweile, erste Entfremdung. „Im ersten Jahr kauft man die Möbel. Im zweiten Jahr stellt man sie um. Im dritten Jahr teilt man sie auf“. Marc, ein sentimentaler Romantiker, aber kann nicht loslassen und überlässt sich dem Selbstmitleid. Für ihn ist der Fall klar: Wahre Liebe dauert nicht länger als drei Jahre und ist mit den drei genannten Phasen akkurat umschrieben. Eine Theorie, die er schriftlich niederlegt und mit zynischen Aphorismen spickt. Doch kein Verlag will den Roman mit dem Titel „Das verflixte 3. Jahr“ drucken. Bis die Verlegerin Francesca Vernesi Interesse zeigt. Das Buch erscheint unter Pseudonym und wird ein großer Erfolg. Ausgerechnet jetzt lernt Marc die schöne, aber verheiratete Alice kennen. Marc macht ihr beharrlich den Hof. Doch dann fliegt sein Pseudonym auf, und Alice weiß, wer die gemeinen Machosprüche geschrieben hat. Frédéric Beigbeder, Jahrgang 1965, machte bislang als Autor von Romanen wie „Memoiren eines Sohnes aus schlechtem Hause“ und „39,90“, der 2007 von Jan Kounen (fd 38 823) verfilmt wurde, von sich reden. Ein (nicht mehr ganz) junger Wilder, der in seinen Themen und seiner Sprache zwischen Eleganz und Provokation changiert und dabei immer auch die eigene Popularität im Blick hat. Nun hat er seinen Roman „Die Liebe währt drei Jahre“ eigenhändig für die Leinwand adaptiert und inszeniert. Beigbeder schrieb das Buch 1997 nach seiner eigenen Scheidung. Der Gedanke, dass es hier autobiographisch zugeht und Beigbeder sich selbstironisch auf die Schippe nimmt, ist also gar nicht so abwegig, muss aber gleichzeitig nichts bedeuten. Denn schon die Tatsache, dass der Regisseur zehn Jahre lang als Werbetexter arbeitete, um nach seinem Rauswurf aus der Agentur mit „39,90“ mit der Werbewelt abzurechnen, war vor allem Werbung in eigener Sache. Auch der Film „Das verflixte 3. Jahr“ beginnt selbstbewusst, wenn nicht selbstgefällig. Bei Marks Rekapitulation der vergangenen Jahre weisen eingeblendete Pfeile und Namen schnell zu, wer was mit in den Haushalt eingebracht hat. Sinnsprüche, die eine unsichtbare Hand auf die Leinwand zu schreiben scheint, verdeutlichen den Gemütszustand der Protagonisten. Beigbeder verlässt sich dabei viel zu sehr auf die vorgeblich originelle Ästhetik, die Kounen bereits in „39,90“ etablierte. Ein bisschen zu schrill, ein bisschen zu neckisch wirken diese Spielereien, die die Genrekonventionen der Liebeskomödie überdeutlich gegen den Strich bürsten. Beigbeder ist immer dann am besten, wenn er sich zurücknimmt. Dabei zeigt er sich von der neurotischen Nachdenklichkeit und den ironischen Selbstzweifeln eines Woody Allen (nicht von ungefähr trägt der Hauptdarsteller Gaspard Proust eine Hornbrille) beeinflusst, aber auch Claude Lelouchs sanfter Kampf der Geschlechter kommt einem in den Sinn. Gastauftritte französischer Schriftsteller wie Pascal Bruckner, Alain Finkielkraut und Marc Levy schlagen weitere Schneisen (deren Bedeutung sich aber nicht jedem Zuschauer erschließt); sogar eine Hommage an den Filmkomponisten Michel Legrand hat der Regisseur eingebaut. „Das verflixte 3. Jahr“ hinterlässt so insgesamt einen sehr unausgeglichenen Eindruck: mal oberflächlich, mal bissig, mal albern, mal originell.
Kommentar verfassen

Kommentieren