Detachment

Drama | USA 2011 | 98 (24 B./sec.)/94 (25 B./sec.) Minuten

Regie: Tony Kaye

Ein Aushilfslehrer fängt an einer Problemschule an, wo Schüler wie Lehrer längst resigniert haben. Im Folgenden fordern verschiedene Menschen - eine Schülerin, sein im Heim lebender Großvater, eine junge Prostituierte, der er hilft - seine Teilnahme. Er aber ist bestrebt, sich innerlich zu distanzieren und damit vor der Verzweiflung angesichts der eigenen Ohnmacht zu schützen. Ein bitteres, vorzüglich gespieltes, formal wie inhaltlich außergewöhnliches Schuldrama, das die Handlung um animierte Szenen, Interviews und Exkurse zu Nebenfiguren erweitert. Bildung fungiert dabei als fragiler Hoffnungsträger in einer Welt, der der Humanismus verloren zu gehen droht. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
DETACHMENT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2011
Regie
Tony Kaye
Buch
Carl Lund
Kamera
Tony Kaye
Musik
The Newton Brothers
Schnitt
Barry Alexander Brown · Geoffrey Richman
Darsteller
Adrien Brody (Henry Barthes) · Marcia Gay Harden (Direktorin Carol Dearden) · James Caan (Mr. Charles Seaboldt) · Christina Hendricks (Ms. Sarah Madison) · Lucy Liu (Dr. Doris Parker)
Länge
98 (24 B.
sec.)
94 (25 B.
sec.) Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Drama

Heimkino

Verleih DVD
Alamode (Alive)
Verleih Blu-ray
Alamode (Alive)
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Diskussion
Am Ende steht „Der Untergang des Hauses Usher“: Aushilfslehrer Henry Barthes (Adrien Brody) konfrontiert seine Schüler mit den ersten Sätzen aus Edgar Allan Poes düsterer Erzählung. Pure Verzweiflung? Oder doch auch ein Anlass zur Hoffnung, weil hier ein Stück Weltliteratur seinen Weg zu Jugendlichen findet, die an den Wert von Bildung noch weniger glauben als die resignierten Erwachsenen? Was diesem ambivalenten Schlussakkord vorausgeht, ist ein äußerst ungewöhnliches Schuldrama – ungewöhnlich in seiner ausufernden Erzählform wie in seiner Bitterkeit, die über den schulischen Mikrokosmos und die Bildungsmisere hinausweist in eine Gesellschaft, der der Humanismus abhanden zu kommen droht. Die Handlung um den Aushilfslehrer, der an einer Problem-Schule einspringt, wird immer wieder von Exkursen über Nebenfiguren, animierten Sequenzen und einer kommentierenden Ebene unterbrochen: In Interview-Szenen wenden sich Protagonisten, vor allem die Hauptfigur Barthes, direkt an die Zuschauer und philosophieren über sich und die Zustände, unter denen sie leben und arbeiten. Dass Henry sich in der Konfrontation mit den aufsässigen Schülern und den überforderten Kollegen ganz gut schlägt, hängt damit zusammen, dass sich dieser Mann, so fragil er aussieht, von der Feindseligkeiten der Schüler oder der Verzweiflung der anderen Lehrer nicht erschüttern lässt. Er strahlt eine innere Unabhängigkeit aus, die ihm Respekt verschafft – die allerdings mit einer sorgfältig gewahrten Distanziertheit einhergeht (daher der Filmtitel), die Barthes auch einsam macht. Schließlich beginnt diese Haltung zu bröckeln, als andere Menschen hartnäckig seine Anteilnahme fordern: sein Großvater, der in einem Altenheim vor sich hin siecht, eine junge Prostituierte, der er hilft, und eine seiner Schülerinnen, eine künstlerisch talentierte Außenseiterin. Inszeniert wurde der Film von Regisseur Tony Kaye, der vor allem durch die Neonazi-Tragödie „American History X“ bekannt wurde. Auch in seinem neuen Film fungieren Bildung und Lernprozesse als schwache Hoffnungsfunken, die unter den Stiefeln von Dumpfheit und Perspektivlosigkeit zertreten zu werden drohen. Dass das Drama der unterschiedlichen Figuren an vielen Stellen nur in knappen Strichen entworfen wird, mildert dabei nicht die Eindringlichkeit dieser rauen, wütenden Bestandsaufnahme – auch dank einer furiosen Besetzung bis in kleinste Nebenrollen hinein, die von Adrien Brody in einer meisterlichen Tour de Force angeführt wird.
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