Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht

Heimatfilm | Deutschland/Frankreich 2013 | 230 (24 B./sec.)/221 (25 B./sec.) Minuten

Regie: Edgar Reitz

Der fiktive Hunsrück-Ort Schabbach in der Vormärz-Zeit der 1840er-Jahre: Während Vater Johann Simon und sein ältester Sohn Gustav in der Schmiede der Familie um die unsichere Existenz ringen, träumt der jüngere Sohn Jakob wie viele seiner Nachbarn davon, die Heimat zu verlassen und in der „neuen Welt“ ein besseres und freieres Leben zu finden. Die epische Familiengeschichte liefert ein ergreifend-kluges „Prequel“ zum „Heimat“-Zyklus von Edgar Reitz. In einer sprachlich wie bildgestalterisch beeindruckenden Mischung aus Sinnlichkeit und Stilisierung setzt sich der Film mit einer wichtigen Epoche deutscher Geschichte ebenso auseinander wie mit universellen Themen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach der Lebbarkeit von Freiheit. (Kinotipp der katholischen Filmkritik) - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland/Frankreich
Produktionsjahr
2013
Regie
Edgar Reitz
Buch
Edgar Reitz · Gert Heidenreich
Kamera
Gernot Roll
Musik
Michael Riessler
Schnitt
Uwe Klimmeck
Darsteller
Jan Dieter Schneider (Jakob) · Antonia Bill (Jettchen) · Maximilian Scheidt (Gustav) · Marita Breuer (Margarethe) · Rüdiger Kriese (Johann)
Länge
230 (24 B./sec.)/221 (25 B./sec.) Minuten
Kinostart
03.10.2013
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Heimatfilm

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. ein Gespräch zwischen Regisseur Edgar Reitz im Gespräch mit Filmwissenschaftler Thomas Koebner sowie ein sehr informatives Booklet (40 Seiten).

Verleih DVD
Concorde (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt., dts dt.)
Verleih Blu-ray
Concorde (16:9, 2.35:1, dts-HDMA dt.)
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Diskussion

In einer der augenzwinkerndsten Sequenzen dieses Films rumpelt eine Kutsche einen Feldweg entlang. Darin ein weltgewandter, vielgereister Gelehrter: Alexander von Humboldt, gespielt von Werner Herzog. Also von jenem deutschen Regisseur, dessen Schaffen schon früh wegstrebte von Deutschland, hinaus in die Welt, gerne auch in zivilisatorische Randzonen. Herzog-Humboldt hat sich aufgemacht, um ausgerechnet in Schabbach einen Bruder im Geiste zu besuchen. Jakob Simon hat zwar die Grenzen seines Dorfes im Hunsrück nie weit hinter sich gelassen, mit seinem neugierigen Forschergeist via Briefkorrespondenz aber die Aufmerksamkeit des berühmten Reisenden auf sich gezogen. Als Humboldt leibhaftig vor ihm steht, ist Simon allerdings so von seiner Ehrfurcht für den prominenten Brieffreund eingeschüchtert, dass er die Flucht ergreift.

Eine liebevollere Hommage als die, die sich Reitz, der Heimat-Filmer, und Herzog, der grenzgängerische Abenteurer, hier gegenseitig bringen, lässt sich schwer vorstellen. Dass allgemein ein bisschen Herzog in „Heimat“ zu stecken scheint, liegt indes nicht nur an diesem Cameo-Auftritt, sondern auch an Reitz’ Konturierung von Schabbach im mittlerweile vierten Film dieses monumentalen Erzählprojekts.

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