Drama | Deutschland 2013 | 122 (24 B./sec.)/118 (25 B./sec.) Minuten

Regie: Caroline Link

Ein 17-jähriger zuckerkranker Internatsschüler, der in den Ferien widerwillig seinen Vater in Marrakesch besucht, verliebt sich in eine junge Prostituierte und folgt ihr in ihr Bergdorf. Als er nicht wieder auftaucht, macht sich sein Vater entrüstet auf die Suche. Ein Vater-Sohn-Duell vor folkloristischer Szenerie, das farbenprächtige Landschaftsbilder, aber auch viele gängige Klischees als Hintergrund eines routinierten Familiendramas einsetzt. Attraktiv fotografiert und gut gespielt, spricht der Film den Hintergrund der Gegensätze zwischen der westlichen Welt und Nordafrika eher oberflächlich an. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2013
Regie
Caroline Link
Buch
Caroline Link
Kamera
Bella Halben
Musik
Niki Reiser
Schnitt
Patricia Rommel
Darsteller
Samuel Schneider (Ben) · Ulrich Tukur (Heinrich) · Hafsia Herzi (Karima) · Josef Bierbichler (Dr. Breuer) · Marie-Lou Sellem (Lea)
Länge
122 (24 B.
sec.)
118 (25 B.
sec.) Minuten
Kinostart
24.10.2013
Fsk
ab 6; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Drama

Heimkino

Verleih DVD
StudioCanal/Arthaus
Verleih Blu-ray
StudioCanal/Arthaus
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Diskussion
Nach fünf Jahren Abstinenz meldet sich Caroline Link wenig überraschend mit einem Vater-Sohn-Duell zurück. Wie im Familiendrama „Im Winter ein Jahr“ (fd 38 988) taucht sie erneut in die Gefühlswelt sich reibender Sippenmitglieder ein. Die Story um einen pubertierenden Filius, der seinem geschiedenen Erzeuger in den Sommerferien nach Marrakech folgt, wo dieser als Theaterregisseur an einem Festival teilnimmt und es sich am Pool des Luxushotels gutgehen lässt, wartet nicht gerade mit originellen Wendungen auf. Auch das Leiden der Figuren an einem wie immer gearteten seelischen Defizit hält sich in Grenzen. Und doch soll man glauben, dass diese beiden sich entfremdeten Menschen erst ihre Grenzen erproben müssen, um einander wiederfinden zu können. Dass der Tourismusaspekt des Drehorts mit dem Schlaghammer die Vorhersehbarkeit des Drehbuchs überdecken möchte, macht die Sache nicht besser. Der 17-jährige Ben (Samuel Schneider), der sich, abgeschoben in ein Internat, seit Jahren vernachlässigt fühlt, kann dem hedonistischen Lebensstil seines temporären Erziehungsberechtigten Heinrich (Ulrich Tukur) nichts abgewinnen. Er ignoriert trotzig dessen Ratschläge, die früh aufgetauchte Diabetes-Erkrankung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, und erforscht die fremde Stadt auf eigene Faust. In einem Nachtclub begegnet er einer jungen Einheimischen, dem puren Gegenteil einer unterwürfigen Muslimin, die wohl die sich wandelnden Werte in einem Teil der marokkanischen Gesellschaft repräsentieren soll. Aus frisch entbrannter Liebe umwirbt Ben sie mit Geschenken, die er sich beim verhassten Papa ohne dessen Wissen ausgeliehen hat. Wild entschlossen, die Reise zu einem Abenteuer zu küren, folgt er der Marokkanerin in das archaische Bergdorf ihrer Familie und versetzt damit den gleich zweifach beklauten Vater doch noch in Suchbereitschaft. Was während der Rückführung des Verschollenen aus der pittoresken Steinzeitszenerie folgt, sind eine Menge werbetauglicher Landschaftsbilder und folkloristisch wertvoller Musikeinlagen, mitunter aufgelockert durch eine authentisch wackelnde Kamera, die selbst den Ausflug in die Wüste samt obligatorischer Kamele nicht scheut. „Exit Marrakech“ ist ein beim großen Publikum sich anbiedernder Trip, überladen mit Klischees vom gerüche- und farbintensiven Orient, an dessen befreiendem Ende der eine des Selbsterfahrungs-Duos erwachsen und der andere ein Fünkchen weiser und verantwortungsbewusster erscheint. Denn natürlich kommt sich das viel geprüfte Gespann näher, beim Kiffen auf dem Hoteldach, bei der Wüsten-Safari, deren auf dem Reißbrett erzwungene Strapazen ihr verschüttetes wahres Ich zum gefühligen Liebesgeständnis drängt. Nordafrika als Besserungsanstalt für wohlstandsgeschädigte Europamüde? Angesichts der noch lang nicht ausgestandenen Arabellion und der sich dramatisch häufenden Flüchtlingsströme ein zweifelhaftes Musterbeispiel einer aufs Eskapistischste gelungen westlichen Projektion.

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