Komödie | USA 2013 | 94 Minuten

Regie: Joseph Gordon-Levitt

Als sich ein sexuell umtriebiger Barmann in seine Traumfrau verliebt, ist Schluss mit den unverbindlichen One-Night-Stands, nicht aber mit seiner Sucht nach Pornos aus dem Internet, was der Beziehung den Garaus zu machen droht. Mittels allerhand Überzeichnungen nimmt der Schauspieler-Debütfilm die Vertreter einer auf virtuellen Sex, Clubs und Fitnessstudio fixierten Jugendkultur aufs Korn, um die zusätzlich aufgefahrenen Klischees der Geschlechter am Ende mit einer etwas süßlichen „Reifeprüfung” der heilsamen Art zu konterkarieren. Inszenatorisch nicht ganz ausgereift, vermag der in seinen Montagen einfallsreich konzipierte, zudem höchst amüsante Kampf zwischen Exzess und Abstinenz durchaus zu fesseln. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
DON JON
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2013
Regie
Joseph Gordon-Levitt
Buch
Joseph Gordon-Levitt
Kamera
Thomas Kloss
Musik
Nathan Johnson
Schnitt
Lauren Zuckerman
Darsteller
Joseph Gordon-Levitt (Jon) · Scarlett Johansson (Barbara) · Julianne Moore (Esther) · Tony Danza (Jon Sr.) · Glenne Headly (Angela)
Länge
94 Minuten
Kinostart
14.11.2013
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Komödie

Diskussion
Der Don Juan der Moderne ist ein Checker. Muscle-Shirt und gegelte Tolle mit Undercut sind sein Markenzeichen, Fitnessstudio und Clubs sein natürliches Habitat. Barmann Jon, der von seinen Freunden mit dem bezeichnenden Beinamen „Don“ für besonders reges Balzverhalten ausgezeichnet wurde, ist solch ein Checker mit ausgeprägtem Revierverhalten: Meine Bude, meine Karre, meine Kirche, mein Körper, meine Jungs, meine Familie. Das sind Jons Heiligtümer. Frauen und ihr Abschlepp-Potenzial, von seiner Clique ins Punktesystem 1 bis 10 eingestuft, seine Hobbys – unter 8 kommt einem Don Jon keine ins Bett. Der One-Night-Stand ist obligatorisch, Rückruf ausgeschlossen. Doch Jon hat ein Problem. Und das liegt weniger daran, dass sich selbst der größte Aufreißer treuherzig verlieben kann, wenn in Gestalt der üppigen Barbara eine wahre 10 an der Bar steht. Sondern vielmehr an der Tatsache, dass sich Jon sexuell eigentlich gar nicht so gerne im Bett tummelt, sondern lieber im pornografischen Angebot des Internets. Cunnilingus in real: zu anstrengend. Der Akt an sich: immer diese dröge Missionarsstellung. Und selbst der schönste Busen ist kein Vergleich zur Zurschaustellung im Körper- und Positions-Fetischismus der Pornos. Kurz: Jon ist süchtig nach den inszenierten Projektionen männlicher Lustprinzipien. Der Porno ist sein Heiligtum Nummer Sieben und unantastbar, selbst von der Liebe und von dieser weiblichen 10, die mit ihren virtuellen Konkurrentinnen gar nicht klarkommt. Vielleicht ist es nur konsequent, dass sich der größte Hedonist im Medium des Hedonismus am wohlsten fühlt. Und wahrscheinlich ist es überaus verständlich, dass der 32-jährige Shooting Star Joseph Gordon-Levitt bei seinem Regie-Debüt die Gelegenheit beim Schopf ergriffen hat und sich einfach mal kräftig gegen den Strich besetzt hat. Größer könnte der Kontrast zu den Figuren zumindest nicht sein, denen Gordon-Levitt als Ex-Student französischer Poesie bisher selbst in Actionfilmen immer den Hauch eines schlaksig kultivierten, sensiblen Außenseiters gegeben hat – in „Brick“ (fd 37 784), „(500) Days of Summer“ (fd 39 539) oder „Die Regeln der Gewalt“ (fd 38 322). Ein Umschwung deutete sich im Zeitreise-Actioner „Looper“ (fd 41 303) an. Jon und Barbara kommen allerdings nicht aus der Zukunft, sondern aus einer sehr gegenwärtigen Jugendkultur, mit zu viel Gel und Schminke am Kopf und zu viel Sex und Kitsch im Kopf. Da schreitet Scarlett Johannson in Zeitlupe ins Bild, den Kaugummi im Mund und die unechte Lederjacke knalleng am Körper, sexuell aufreizend, aber gar nicht willig und ganz wild darauf, Jon in blauäugig romantische Liebesfilme und ebenso eine Beziehung zu zerren. Gordon-Levitts Erstling suhlt sich in den Klischees und in den Montagen der immer gleichen Abschlepp-Maschen aus Booty-Dance, Knutschen, Fast-Food-Sex sowie der Porno-Bilder aus Jons Kopf, die er sich so gerne aus diesem schlagen würde. Selbst die Überzeichnung williger Frauen und dauerspitzer Männer entspricht dem Prinzip Porno. Was „Don Jon“ daraus aber zieht, ist dermaßen erfrischend, dass man ihn als komödiantisch-leichtfüßiges Gegengewicht zu Steve McQueens überschwerem Sexsucht-Drama „Shame“ (fd 40 933) bezeichnen kann, bevor er am Ende dann doch noch die Tonlage wechselt: Mit einem klugen Satz von Jons vermeintlich vom Handy absorbierter Schwester und der klugen Annäherung einer älteren Frau (Julianne Moore), durch die eine „Reifeprüfung“ der heilsamen Art möglich wird. Dieses etwas süßliche Ende könnte man angesichts des vorherigen Tonfalls als so angeklatscht bezeichnen wie eine Eheschließung zum Finale eines Pornos, wäre der vorangegangene Kampf zwischen Exzess und Abstinenz nicht so hinreißend erzählt worden. Bei Jons Beichte in der Kirche, wöchentlich mit köstlicher Gewissenhaftigkeit abgelegt, wird ein Leben mit Pornos ohnehin mit der gleichen Anzahl Ave Marias bestraft wie das ohne.
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