Komödie | Deutschland 2014 | 123 Minuten

Regie: Doris Dörrie

Eine einstge Hippie-Queen kehrt nach Jahrzehnten als Pauschaltouristin an den Strand von Torremolinos zurück, dessen Massentourismus nichts mehr mit den wilden 68er-Zeiten zu tun hat. Mit von der Partie ist ihre 30-jährige Tochter, die sich nach einem geordneten Leben sehnt, aber nur zu ihrem Hund eine dauerhafte Beziehung unterhält. Burlesk verspielte, zugleich melancholische Generationenkomödie aus der psychologischen Schonzone. Das multiperspektivische Stelldichein einer bunten Figurentruppe balanciert dabei am Rand der Unterforderung zwischen Situationskomik und sanften Hieben gegen kleinbürgerliche wie linksliberale Entgleisungen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2014
Regie
Doris Dörrie
Buch
Doris Dörrie
Kamera
Hanno Lentz
Musik
Sven Regener
Schnitt
Frank J. Müller · Inez Regnier
Darsteller
Hannelore Elsner (Ingrid) · Nadja Uhl (Apple) · Hinnerk Schönemann (Tim/Tina) · Axel Prahl (Helmut) · Peter Striebeck (Karl)
Länge
123 Minuten
Kinostart
06.03.2014
Fsk
ab 12; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie

Heimkino

Die Extras umfassen u.a. einen Audiokommentar der Regisseurin sowie ein ausführliches „Making of“ (35 Min.).

Verleih DVD
Constantin (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt.)
Verleih Blu-ray
Constantin (16:9, 2.35:1, dts-HDMA dt.)
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Diskussion
Dörrie verfilmt Dörrie. Eine gelungene Mehrfachverwertung von Bestseller-Roman zum Filmstoff. Leider gilt das nicht auch für das Endprodukt. Auf der Mattscheibe wäre diese burlesk verspielte und zugleich melancholische Generationenkomödie ein Lichtblick in der eintönigen Monokultur aus Krimis, Trash und Talk-Exzess. Im Kino aber fehlt dem Episodenreigen schlicht der Erkenntnisgewinn einer Story, die von anderen längst in allen abgründigen Windungen ausdiskutiert wurde. Von Betroffenen wie Pia Marais in ihrer biografisch angehauchten Abrechnung „Die Unerzogenen“, über Julie Delpy, deren Hassliebe zum alternativen Lebensentwurf der Eltern so weit geht, dass sie das unangepasste Duo in ihren großstädtischen Beziehungskomödien auftreten lässt, bis zu Hollywood-Klamotten wie „Meine Frau, ihre Schwiegereltern und ich“, in denen in die Jahre gekommene Hippies dem spießig korrumpierten Nachwuchs Lektionen in Bürgerschreck-Posen erteilen. In Dörries psychologischer Schonzone übernimmt Hannelore Elsner den Part der hippiebewegten Mutter, die als junge Frau (signalträchtig mit der Uschi-Obermaier-Darstellerin Natalia Avelon besetzt) an spanischen Stränden ausgelassene Partys feierte und der freien Liebe aus ideologischer Verpflichtung nicht abgeneigt war. 30 Jahre später, so der Film (müssten es nicht eigentlich 40 Jahre sein? Wer fühlte sich in dem aufkommenden Yuppie-Jahrzehnt der 1980er-Jahre denn noch zum Aussteigen berufen? Oder verortet man sich etwa in einem zeitlichen Niemandsland, um die 71-Jährige Elsner als 60-Jährige durchgehen zu lassen?) kehrt die Protagonistin nach einer Hüftoperation an den Ort ihrer Jugend zurück und sieht sich im ehemaligen Fischerdorf Torremolinos mit lieblosem Massentourismus und stumpfsinniger Animation konfrontiert. Ihre von Nadja Uhl gespielte Tochter Apple plagt sich als traumatisierter und verklemmter Single derweilen mit unstabilen Liebschaften und einem Hund ab, der auf den programmatischen Namen Freud hört. Die Bulldogge erlahmt vor lauter bitteren Erzählungen ihres Frauchens und bedarf einer Geh-Therapie, was diese nicht daran hindert, ihrer peinlich chaotischen Mutter in den „All Inclusive“-Pauschalurlaub zu folgen. Mit von der Partie sind noch ein Transvestit, der sich als Sohn eines aus den Augen verlorenen Freundes zu erkennen gibt, ein afrikanischer Bootsflüchtling, eine intellektuelle Radio-Kulturpessimistin in Gestalt von Juliane Köhler und Axel Prahl in der Rolle eines berlinernden Casanovas mit schlecht sitzender Pool-Garderobe. Wer das Universum von Pedro Almodóvar schätzt, dürfte sich in diesem multiperspektivischen Figurenstelldichein aus knapp an der Unterforderungsgrenze balancierender Situationskomik und sanften Gesellschaftshieben gegen kleinbürgerliche und linksliberale Entgleisungen gut aufgehoben fühlen. Allen anderen ist der Rückflug in die längst unaufgeregt ausdifferenzierte nordische Heimat empfohlen.
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