Perfect World

Krimi | USA 1993 | 138 Minuten

Regie: Clint Eastwood

Ein Gangster nimmt einen siebenjährigen Jungen als Geisel und flieht mit ihm vor einem Veteranen der Texas Rangers, der ihn dingfest zu machen versucht. Die krampfhaft motivierte Freundschaft zwischen Kind und Gangster findet weder im Spiel der Darsteller noch bei der hölzernen Regie genügend Rückhalt. Auch ein langgestrecktes, melodramatisches Ende bewahrt den Film nicht vor Unglaubwürdigkeit und Langeweile. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
A PERFECT WORLD
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
1993
Regie
Clint Eastwood
Buch
John Lee Hancock
Kamera
Jack N. Green
Musik
Lennie Niehaus
Schnitt
Joel Cox
Darsteller
Clint Eastwood (Red Garnett) · Kevin Costner (Butch Haynes) · Laura Dern (Sally Gerber) · T.J. Lowther (Phillip Perry) · Leo Burmester (Tom Adler)
Länge
138 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Krimi | Drama

Diskussion
Clint Eastwoods Neigung, ambivalente Helden zum Mittelpunkt seiner Filme zu machen, hat ihn dazu verführt, einem Stoff näherzutreten, der seit Jahren erfolglos die Runde durch Hollywoods Studios gemacht hat. Nach "Erbarmungslos" (fd 29 800), seinem letztjährigen großen Erfolg, entpuppt sich Eastwoods neue Unternehmung als ein Film, in dem nachgerade alles falsch ist: die Story, die Regie und vor allem die Besetzung. Kevin Costner ist kein James Cagney, Humphrey Bogart oder Robert Mitchum, denen man den Gangster mit einem Herz für Kinder abnehmen konnte. Er müht sich redlich, doch mit dem einzigen Ergebnis, daß er von Szene zu Szene zunehmend unglaubwürdiger wird, was letztlich auch der schwachen Story und der hölzernen Regie anzulasten ist.

Der Typ, den er spielt, soll ein schwerer Junge sein, der wegen bewaffneten Raubüberfalls eine lange Zuchthausstrafe absitzt. Um Costners Glaubhaftigkeit nicht gleich in den ersten Minuten aufs Spiel zu setzen, bringt er seinen Zellengenossen, mit dem er eines Nachts ausbricht, vorsorglich im Off um. Dafür läßt ihm das Drehbuch auf der Flucht um so mehr Zeit für den freundlichen Umgang mit einem Siebenjährigen, den er als Geisel mit sich schleppt. Das Kind, freudlos ohne Vater in einem noch freudloseren Zeugen-Jehovas-Haushalt aufgewachsen, erweckt des Gangsters Mitgefühl. Und der von dem Kleinen zunächst furchtsam betrachtete Ex-Häftling wird dem frustrierten Knaben alsbald zum Vaterersatz. Nicht, als ob sich da psychologisch umwerfende Dinge abspielten; nein, es ist eigentlich nur eine traditionelle Road-Movie-Geschichte mit etwas veränderten Vorzeichen.

Während Costner mit Kind (zur besseren Beschwörung von Nostalgie-Gefühlen übrigens während der frühen 60er Jahre) in einem gestohlenen Ford quer durch Texas kutschiert und dem Knaben höchst anfechtbare Lektionen in Lebensbewältigung erteilt, folgt ihm ein steifer Veteran der staatlichen Verbrechensbekämpfung in einem zur Kommandozentrale verwandelten Wohnmobil: Clint Eastwood in seiner unergiebigsten, uninteressantesten Rolle seit langem. Umgeben von einem inkompetenten Team und einer emanzipationsfreudigen Kriminologin, steuert er von einem treu-komischen Verfolgungsklischee ins nächste, ohne des so leicht identitizierbaren Gangsters habhaft zu werden.

Die letzte halbe Stunde des Films versucht dann - spät und wenig überzeugend - die ungleiche Freundschaft der ungleichen Flüchtlinge auf einen melodramatischen Nenner zu bringen. Costner darf sich durch eine der längsten Sterbeszenen der Filmgeschichte quälen, der Junge durch einen emotionalen Konflikt, der jeden Erwachsenen zum psychischen Krüppel machen würde. Es sei Clint Eastwood gegönnt, daß er nach seinen vielen "Oscars" eine Atempause einlegt; nur sollten seine Fans dafür nicht mit ihrem Eintrittsgeld bezahlen müssen.

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