Komödie | Deutschland 2013 | 98 Minuten

Regie: Sigrid Hoerner

Eine 60-jährige Molekularbiologin entdeckt nach ihrer unerwarteten Kündigung urplötzlich eine Lücke in ihrer Biografie. Mit ihren vor Jahrzehnten eingefrorenen Eizellen und dem Samen eines Spenders möchte sie ein Kind austragen. Allerdings stolpert sie beim Joggen über dessen Vater, einen eitlen Galeristen, mit dem sie sich fortan einen Geschlechterkampf um altersadäquates Verhalten liefert. Überdrehte Komödie in der Tradition der Screwball Comedies, die mit begnadeten Darstellern einen treffsicheren Schlagabtausch entfacht, inszenatorisch aber arg hinterherhinkt, weil das Regiedebüt aus jeder Szene ein Höchstmaß an Überzeichnung herausholt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2013
Regie
Sigrid Hoerner
Buch
Jane Ainscough
Kamera
Matthias Fleischer
Musik
Max Knoth
Schnitt
Mona Bräuer
Darsteller
Iris Berben (Luise Jansen) · Edgar Selge (Frans Winther) · Carmen-Maja Antoni (Doris Jansen) · Björn von der Wellen (Max Winther) · Jördis Richter (Romy von Cramm)
Länge
98 Minuten
Kinostart
24.04.2014
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 14.
Genre
Komödie

Heimkino

Verleih DVD
Senator/Universal (16:9, 2.35:1, DD5.1 dt.)
Verleih Blu-ray
Senator/Universal (16:9, 2.35:1, dts-HDMA dt.)
DVD kaufen

Diskussion
Während prominenten Männern wie Ulrich Wickert oder Fritz Wepper eine Vaterschaft mit 70 Jahren Schlagzeilen voller Respekt verschafft, müssen weit jüngere Frauen mit verspäteten Mutterschaftswünschen für überdrehte Komödien herhalten. Iris Berben übernimmt in „Miss Sixty“ den Part einer zwar erfolgreichen, aber unbeliebten und von ihrer eigenen Mutter dominierten Molekularbiologin, die nach einer Kündigung urplötzlich eine Lücke in ihrer Biografie entdeckt. Die 60-Jährige wünscht sich ein Kind, das sie selbst austragen möchte. Ihre Eizellen liegen seit Jahren auf Eis. Den jungen und attraktiven Samenspender hat sie ohne sein Wissen bereits im Internet bestimmt. Bevor sie dem Journalisten die frohe Botschaft mitteilen kann, lernt sie beim Joggen dessen Vater kennen, einen eitlen Galeristen und Berufsjugendlichen, mit dem sie sich fortan einen Geschlechterkampf um altersadäquates Verhalten liefert. In der Tradition einer Screwball-Komödie sprudelt es vor mehr oder weniger treffsicheren Dialogen und ätzendem Schlagabtausch. Die gegensätzlichen Welten gebären Hohn, Spott und zufallsbedingte Verwicklungen. Als Gegenüber ist Berben mit Edgar Selge gesegnet, der den Jugendwahn trotz Hexenschuss und Paarungsgestotter mit jungen Assistentinnen in tiefsten Nuancen auf die Spitze treibt. Wie es die Gesetze des „Girl-meets-Boy“-Genres vorschreiben, überwindet das Duo seine Aversion und entdeckt auch anziehende Seiten an dem zunehmend umworbenen Hassobjekt. Ein brandaktuelles Thema, wenn man an die von der Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff in Gang gesetzte Debatte um „unnatürliche“ späte oder lesbische Mütter und Retortenkinder als „Halbwesen“ denkt. Die Machart von „Miss Sixty“ stolpert leider konventionell hinterher. Aus jeder Szene holt die Regiedebütantin Sigrid Hoerner ein Höchstmaß an dramatischer Überzeichnung heraus, jongliert mit Stillagen, mal Klamotte, mal Gesellschaftssatire, das Ziel eines leicht konsumierbaren Kassenschlagers stets vor Augen. Dem anvisierten Publikum dürfte die tendenziell kluge Alterskost trotzdem schmecken.
Kommentar verfassen

Kommentieren