Monsieur Claude und seine Töchter

Komödie | Frankreich 2014 | 97 Minuten

Regie: Philippe de Chauveron

Ein konservatives Ehepaar wünscht sich für die jüngste Tochter sehnlichst einen Katholiken als Mann, nachdem bereits seine drei anderen Töchter Männer mit Migrationshintergrund bzw. unterschiedlicher Religion geheiratet haben. Diesen Mann bekommt es denn auch, allerdings stammt er aus der Elfenbeinküste und bringt zur Hochzeit seinen afrikanischen Clan mit. Der Familienfrieden droht an den Multikulti-Zumutungen zu zerbrechen. Unterhaltsame Sozialkomödie mit guten Darstellern. Freilich wird das brisante Thema dabei eher harmoniesüchtig dem Wohlfühl-Diktat geopfert. - Ab 12.

Filmdaten

Originaltitel
QU'EST-CE QU'ON A FAIT AU BON DIEU?
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2014
Regie
Philippe de Chauveron
Buch
Philippe de Chauveron · Guy Laurent
Kamera
Vincent Mathias
Musik
Marc Chouarain
Schnitt
Sandro Lavezzi
Darsteller
Christian Clavier (Claude Verneuil) · Chantal Lauby (Marie Verneuil) · Ary Abittan (David Maurice Isaac Benichou) · Medi Sadoun (Abdoul Mohamed Benassem) · Frédéric Chau (Chao Pierre Paul Ling)
Länge
97 Minuten
Kinostart
24.07.2014
Fsk
ab 0; f
Pädagogisches Urteil
- Ab 12.
Genre
Komödie

Heimkino

Die Editionen enthalten eine Audiodeskription für Sehbehinderte. Die Standardausgabe (DVD) enthält keine erwähnenswerten Extras. Die BD und die DVD Sonderedition enthalten indes ein Feature mit im Film nicht verwendeten Szenen (9 Min.) sowie Interviews mit Philippe de Chauveron (8 Min.) und Christian Clavier (7 Min.).

Verleih DVD
Neue Visionen (16:9, 1.78:1, DD5.1 frz./dt.)
Verleih Blu-ray
Neue Visionen (16:9, 1.78:1, dts-HDMA frz./dt.)
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Diskussion
Ein Katholik muss her! So der Wunsch, den Claude und Marie Verneuil an den zukünftigen Ehemann ihrer jüngsten Tochter haben. Ihre drei anderen Töchter haben den traditionsbewussten Eltern aus der französischen Provinz schwer zugesetzt, indem sie einen Muslim, einen Juden und einen Chinesen ehelichten. In ihrer von Hochzeit zu Hochzeit wachsenden Frustration über die Nachkommenschaft setzen die Verneuils nun alles auf eine letzte Karte: Nesthäkchen Laure soll eine „gutbürgerliche“ Ehe führen. Der Wunschkandidat ist ein Geschäftsmann und stammt aus dem beschaulichen Loire-Tal. Doch auch Laure hat sich heimlich schon unstandesgemäß gebunden. Ihr Freund Charles ist zwar Katholik, stammt jedoch aus der Elfenbeinküste. Als die vierte Hochzeit – und mit ihr Charles’ afrikanische Sippe – naht, ist der Familienfrieden endgültig dahin. „Qu’est-ce qu’on a fait au Bon Dieu?“, heißt die Komödie von Philippe de Chauveron im Original, ein Stoßseufzer also: „Was haben wir dem lieben Gott nur getan?“ Vor allem Marie ist tief religiös und wendet sich in ihrer Not regelmäßig an ihren Priester. Die erste Hürde auf dem Weg zur Toleranz und Akzeptanz des Unabwendbaren ist denn auch das am kleinen Sohn von Odile und David vorgenommene jüdische Beschneidungsritual. Ihre letzte Ruhestätte findet die Vorhaut des Säuglings jedoch nicht wie geplant unter einem Apfelbaum im Garten der Verneuils, sondern im Magen ihres Hundes. Stillschweigend begraben die Eheleute ein Stück Schinken. Doch das ist nur der Anfang eines von Missgeschicken und Katastrophen gesäumten Leidensweges, wobei vor allem der von Christian Clavier nuanciert und energisch verkörperte Claude immer wieder mit Improvisationsgeschick gegenzusteuern versucht. Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ stellt das Filmgenre der französischen Sozialkomödie einen neuen Rekord auf: derart viel Konfliktpotenzial fand sich weder im Pionierwerk des Subgenres „Willkommen bei den Sch’tis“ (fd 38 956) noch bei „Ziemlich beste Freunde“ (fd 40 842), einem ähnlich gefeierten Film. In den auf Zweierkonstellationen zugespitzten Geschichten ging es verhältnismäßig übersichtlich zu im Vergleich zu der Gemengelage, in der sich nun Monsieur Claude befindet. Doch die Umsetzung bleibt reißbretthaft, woran die soliden bis guten Schauspieler die geringste Schuld tragen. Chao, Rachid, David und Charles, die Schwiegersöhne, bilden so etwas wie einen Querschnitt durch die nicht-angestammten Ethnien Frankreichs. Ihre Symmetrie untergräbt nicht nur die Glaubwürdigkeit der Story; sie unterstreicht auch die problematische Grundthese des Films. Denn nicht anders als Claude werfen Chao, Rachid und David mit Klischees nur so um sich. Und wenn jeder der Akteure „ein bisschen“ rassistisch ist, so die hanebüchene Argumentation, hebt sich die Fremdenfeindlichkeit am Ende gegenseitig auf. Was für ein Unsinn! Allerdings sind die Vorurteile, die der Film vorführt, Petitessen im Vergleich zum aus dem Film ausgeklammerten echten Chauvinismus der Neuen Rechten, speziell des Front National, der in Frankreich Wahlerfolge feiert. Kurzum: der Kleinkrieg der Verneuils wird von Inszenierung und Drehbuch bewusst an den wahren Reizthemen vorbeimanövriert, mit dem Ziel massenkompatibler Unterhaltung. Man kann „Monsieur Claude“ zugute halten, dass er sich seinem Publikum weder mit Zoten noch billigem Slapstick anbiedert. Allerdings liegt in den Harmonisierungstendenzen des Films eine gewisse Perfidie: Der Film bringt gegnerische Haltungen in Stellung, ohne selbst – etwa in Sachen französischer Kolonialgeschichte – Flagge zu zeigen, was ihn zu einem mut- und eigentlich auch sinnlosen Unternehmen macht. Zumal sich Witz und Situationskomik in Grenzen halten. Mag sich die extreme Rechte über Filme wie „Monsieur Claude und seine Töchter“ auch ärgern: Im bürgerlichen Lager, das Vorbehalte gegen assimilierte Migranten wie Chao, Charles, David und Rachid weitgehend abgelegt hat, rennt die Komödie offene Türen ein.
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