Drama | Türkei/Deutschland/Frankreich 2014 | 196 Minuten

Regie: Nuri Bilge Ceylan

Ein pensionierter Schauspieler betreibt in Kappadokien ein kleines Hotel. Als mit Einbruch des Winters die Gäste ausbleiben, entladen sich die Spannungen zwischen ihm, seiner Frau und seiner Schwester sowie einigen weiteren Figuren. Ein in nuanciert ausgeleuchteten Bildern entfaltetes Drama auf den Spuren von Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“, das die mit scheinbar unermüdlicher Energie betriebenen Wortgefechte durch grandiose symbolische Verdichtungen zum psychologisch triftigen universalen Drama weitet. Dabei lässt sich der winterliche Mikrokosmos als gallige Metapher der aktuellen gesellschaftlichen Situation in der Türkei lesen. - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
KIS UYKUSU
Produktionsland
Türkei/Deutschland/Frankreich
Produktionsjahr
2014
Regie
Nuri Bilge Ceylan
Buch
Nuri Bilge Ceylan · Ebru Ceylan
Kamera
Gökhan Tiryaki
Schnitt
Nuri Bilge Ceylan · Bora Göksingöl
Darsteller
Haluk Bilginer (Aydın) · Melisa Sözen (Nihal) · Demet Akbağ (Necla) · Ayberk Pekcan (Hidayet) · Serhat Mustafa Kılıç (Hamdi)
Länge
196 Minuten
Kinostart
11.12.2014
Fsk
ab 6; f
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert ab 16.
Genre
Drama

Diskussion
Einmal fährt die Hauptfigur, ein älterer Mann namens Aydin, als Beifahrer in einem Auto über das Hochland Zentralanatoliens. Plötzlich gibt es einen Schlag; die Scheibe seiner Tür zersplittert; Sekunden später hat er und das Publikum mit ihm realisiert, dass dies kein Zufall, sondern der Steinwurf eines kleinen Jungen war. Der Blick des Knaben, fragend und vorwurfsvoll, bleibt nicht weniger haften als die Fassungslosigkeit in Aydins Augen. Später sieht man eine Gruppe von wilden Pferden. Sie galoppieren über die Steppe, frei und ungebunden. Eines von ihnen wird eingefangen und mit einem Seil um den Hals gefesselt, immer enger, bis es elend röchelt, scheinbar fast erstickt. Ein mühevoller, auch für den Zuschauer äußerst schmerzhafter Augenblick, eine großartige, selten zu sehende (Kino-)Szene – und zugleich ein Sinnbild für die Zwänge, denen die Natur in der Zivilisation unterworfen wird. Auch hier sieht man wieder Aydins durch Erschrecken wie Erstaunen geweitete Augen, in deren Fassungslosigkeit sich ein Element von Selbsterkenntnis abzuzeichnen scheint.

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