Dokumentarfilm | Österreich/Deutschland 2014 | 85 Minuten

Regie: Ulrich Seidl

Im Nachgang zu spektakulären österreichischen Kriminalfällen, in denen Menschen jahrelang in unterirdischen Räumen gefangengehalten wurden, inspiziert Ulrich Seidl die Keller seiner Landsleute als metaphorischen Ort abgründiger Regungen und Triebe. In langen, statischen Einstellungen und visuell erlesenen Tableaus stößt er unterhalb der sozial kontrollierten Oberfläche nicht nur auf freudlose Party- und Fitnessräume; seine Beobachtungen verdichten sich vielmehr zu Refugien „unbotmäßiger“ Empfindungen oder Ansichten, die von einem verstörenden Panoptikum aus Alt-Nazis, Sadomasochisten und vereinsamten Kreaturen bevölkert werden. Was Authentizität und Unmittelbarkeit suggeriert, entspringt dabei mehr einer artifiziell-kalkulierten Inszenierung, die sich an dem vermeintlich skandalösen, im Grunde aber doch arg banalen Verhalten der Menschen berauscht.

Filmdaten

Originaltitel
IM KELLER
Produktionsland
Österreich/Deutschland
Produktionsjahr
2014
Regie
Ulrich Seidl
Buch
Ulrich Seidl · Ulrich Seidl
Kamera
Martin Gschlacht
Schnitt
Christoph Brunner
Länge
85 Minuten
Kinostart
04.12.2014
Genre
Dokumentarfilm
Diskussion
Es beginnt emblematisch-still, mit einem finster dreinblickenden Jäger, der mit der Flinte den Zutritt zu seinem Anwesen verwehrt. In rascher Folge sieht man hinter trutzigen Hecken verborgene Einfamilienhäuser, eisenbewehrte Kellerfenster, schattige Souterrain-Gucklöcher in nasskalten Gartenecken. Lauter abweisende Bilder verbarrikadierter Zonen, die „Zutritt verboten“ signalisieren. Den Ton von Ulrich Seidls düsterer Exkursion in den Untergrund seiner österreichischen Landsleute setzt dann die erste wirklich im Keller „spielende“ Sequenz. Darin füttert ein Mann eine giftgelbe Riesenschlange, indem er einen weiß-wuscheligen Hamster ins Terrarium gleiten lässt. In der für Seidl charakteristischen Totalen beobachtet man, was geschieht: zunächst nämlich fast gar nichts, da der Hamster erstarrt und auch die Schlange ein Stück zurückweicht. Erst als nach quälend langen Sekunden das flauschige Tier eine zutrauliche Bewegung auf die Schlange zumacht, packt diese blitzschnell zu. Obwohl man weiß, was kommt, fährt einem der Schreck so sehr in die Glieder, dass für Momente das eigentlich Monströse dieses Arrangements außer Acht gerät: der stumme Betrachter der Fütterung, zu dessen „Verbündeten“ man unwillkürlich geworden ist. Diese in vieler Hinsicht charakteristische Szene steht auch deshalb am Anfang, weil in der Montage des vielfach codierten

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