Es ist schwer, ein Gott zu sein

Drama | Russland 2013 | 177 Minuten

Regie: Aleksey German

Wissenschaftler sollen einen erdähnlichen Planeten erforschen, dessen Bewohner in einem Pendant zum irdischen 13. Jahrhundert angekommen sind, vor dem möglichen Beginn der Renaissance also, die dann allerdings ausbleibt. Nach dem gleichnamigen Roman von Arkadi und Boris Strugazki, der 1964 als Parabel auf die Verbrechen der Stalin-Ära erschien, verdichtet sich diese monströse Odyssee zu einem düsteren Sinnbild auf das Ende aller Utopien. Scheinbar ohne durchschaubare Fabel, mit fragmentarischen Dialogen, makabren Bildwelten von Grausamkeit und Gewalt und mit einer erbarmungslosen Geräuschkulisse steht die zerstörte filmische Form für das Fehlen jeglicher humanistischer Impulse. Ein in vernebeltem, schwarz-Weiß gefilmter, schwer erträglicher, aber umso bemerkenswerterer Entwurf einer Welt ohne Erlösungsversprechen oder einer Heilsbotschaft. - Sehenswert.

Filmdaten

Originaltitel
TRUDNO BYT' BOGOM
Produktionsland
Russland
Produktionsjahr
2013
Regie
Aleksey German
Buch
Aleksey German · Svetlana Karmalita
Kamera
Vladimir Ilin · Juri Klimenko
Musik
Viktor Lebedev
Schnitt
Irina Gorokowskaja
Darsteller
Leonid Jarmolnik (Don Rumata) · Yuri Tsurilo (Don Pampa) · Natalya Moteva (Mädchen) · Aleksandr Chutko (Don Reba) · Aleksandr Ilin (Arata)
Länge
177 Minuten
Kinostart
03.09.2015
Fsk
ab 16 (DVD)
Pädagogisches Urteil
- Sehenswert.
Genre
Drama | Science-Fiction

Heimkino

Erhältlich ist der Film in einer wertig aufgemachten Special Edition auf DVD oder BD. In ihr enthalten sind auf 40 Booklet-Seiten eine "Bedienungsanleitung" zum Schauen des Films und zudem beantwortet der Regisseur in einem Werkstattgespräch die Fragen von Anton Dolin. Die Tonspur wird durch ein analytisches, aber nicht immer ernst gemeintes "filmbegleitendes Gespräch" der beiden Aleksei-German-Aficionados Barbara Wurm und Olaf Möller ergänzt. Und auf der audiovisuellen Ebene glänzt die Edition mit drei Dokumentationen (insges.: 140 Min.) zum Regisseur und zum Film sowie mit einem Interview mit der Drehbuchautorin und Witwe des Regisseurs Svetlana Karmalita (37 Min.). Zudem enthalten ist das Doku-Feature "Die Geschichte des Arkanar-Massakers" (27 Min.). Die Editionen sind mit dem Silberling 2015 ausgezeichnet.

Verleih DVD
Bildstörung (16:9, 1.66, DD5.1 russ.)
Verleih Blu-ray
Bildstörung (16:9, 1.66, dts-HDMA russ.)
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Russischer Science-Fiction-Film: Eine monströse Odyssee durch eine heillose Welt

Diskussion
Dieser Film ist ein Monstrum. Rund 170 Minuten Fäulnis und Verwesung, Schlamm und Schleim, Regen und Düsternis, ober- und unterirdische Folterhöllen, Menschen auf der Flucht, in Höhlen oder in Käfigen. Dazu keine auf den ersten Blick durchschaubare Fabel, stattdessen eine kaum beschreibbare dramaturgische Unordnung: die zerstörte Form als Ausdruck zerstörter menschlicher Regeln und Gesetze, als Signal des Fehlens jeglicher gesellschaftlicher, sozialer und familiärer Strukturen. Die Individuen sind auf sich selbst zurückgeworfen und jede Sekunde ihres Daseins mit dem nackten Überleben befasst. Aus dem Off ein Klangteppich von Satzfetzen und Schreien, von schlurfenden, schmatzenden Geräuschen, ruhelos, erbarmungslos: die Dystopie einer sich selbst zermalmenden Zivilisation. Der polnische Regisseur Andrzej Zulawski hatte vor Jahrzehnten, ebenfalls im Gewand eines Science-Fiction-Films, eine ähnliche filmische Endzeitvision entworfen: „Der silberne Planet“, von den Warschauer Behörden zunächst gestattet, dann verstümmelt und in den

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