The Visit (2015, Shyamalan)

Horror | USA 2015 | 94 Minuten

Regie: M. Night Shyamalan

Zwei Geschwister dürfen erstmals eine Woche bei ihren Großeltern verbringen, die auf einer abgelegenen Farm in Pennsylvania leben. Ihre anfängliche Euphorie weicht bald einer bedrückten Stimmung, als sie nachts seltsame Dinge beobachten, die sie zunehmend um ihr Leben fürchten lassen. Der zwischen schräger Komödie und krudem Horror unentschlossen changierende Film schießt in grotesken Spitzen übers Ziel hinaus und verliert durch seine Found-Footage-Attitüde, in der eines der Kinder die Ereignisse mit der Digitalkamera kommentiert, überdies den erzählerischen Fokus aus dem Blick. Auf diese Weise teilen sich Furcht und Bedrohung kaum mit. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE VISIT
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2015
Regie
M. Night Shyamalan
Buch
M. Night Shyamalan
Kamera
Maryse Alberti
Schnitt
Luke Franco Ciarrocchi
Darsteller
Kathryn Hahn (Mutter) · Olivia DeJonge (Rebecca Jamison) · Ed Oxenbould (Tyler Jamison) · Deanna Dunagan (Doris Jamison) · Peter McRobbie (John Jamison)
Länge
94 Minuten
Kinostart
24.09.2015
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Horror | Komödie

Diskussion

Rebecca und Tyler haben ihre Großeltern noch nie kennengelernt. Der Grund besteht darin, dass ihre alleinerziehende Mutter vor 15 Jahren mit ihnen gebrochen hat. Warum das so ist, erfährt man zunächst allerdings nicht. Nun plant die Mutter eine einwöchige Kreuzfahrt; Gelegenheit also, den Nachwuchs in die Obhut der Großeltern zu geben. So machen sich die Kinder mit dem Zug auf nach Pennsylvania. Tyler nimmt ihre Erlebnisse mit einer Digitalkamera auf und spricht launige Kommentare, Rebecca kümmert sich um Dramaturgie und Schnitt.

Die abgelegene Farm bietet genügend Raum für Spiele und Erkundungen. Doch dann die erste Irritation: In einer Scheune findet Tyler einen riesigen Haufen schmutziger Windeln – Grandpa sei inkontinent, sagt später die Oma. Abends hören die Kinder Kratzen und Schritte – splitterfasernackt huscht die alte Frau durchs Haus. Sie sei krank, erklärt am nächsten Morgen der Großvater, und leide an „Sundowning“ (so auch der Originaltitel des Films), einer Überaktivität und Verwirrung, die bei Alzheimer-Patienten in den Abendstunden einsetzt. Am besten sei es, wenn die Kinder nach 21.30 Uhr ihr Zimmer nicht mehr verließen.

Volle künstlerische Kontrolle

M. Night Shyamalan finanzierte „The Visit“ von dem Honorar, das er 2013 für „After Earth“ erhalten hat. Er schrieb das Drehbuch und fungiert auch als Co-Produzent, um nach den schlechten Erfahrungen bei „After Earth“ die künstlerische Kontrolle zu behalten. Sogar drei verschiedene Schnittfassungen soll er, so wird im Internet diskutiert, erstellt haben – „reine Komödie“, „reiner Horror“ und „irgendwas dazwischen“.

Umso mehr enttäuscht bei all diesem persönlichen Engagement das Ergebnis. Das beginnt schon mit der „Found Footage“-Attitüde, bei der die Kamera stets wackelt, schwenkt oder die Objekte aus dem Fokus verliert. Zwischendurch muss jemand anderes die Kamera halten, mal liegt sie auf dem Boden, mal ist sie als Spion im Zimmer der Großmutter versteckt. Ein wenig schlüssig umgesetztes Konzept, das zudem, insbesondere angesichts des erst jüngst angelaufenen „The Gallows“, mittlerweile zum stilistischen Klischee verkommen ist.

Die Spoiler-Alarm-Wendung, also jene verblüffende Schlusspointe, mit der Shyamalan seit „The Sixth Sense“ (1999) die Genrekonventionen gegen den Strich bürstete und sich als „unzuverlässiger Erzähler“ etablierte, kommt hier banal und oberflächlich daher. Furcht und Bedrohung, sonst ein wesentlicher Bestandteil seiner Filme, teilen sich kaum mit. Gleiches gilt für die beabsichtigte Komik, die im eigentümlichen Widerspruch zur sonstigen Ernsthaftigkeit des Regisseurs steht. Eine Alzheimer-Patientin oder ein inkontinenter Greis sind an sich noch nicht lustig, ebensowenig wie ein zehnjähriger Bub, der wie ein Gangsta-Rapper frauenfeindliche Sprüche reimt, was auf deutsch mehr als befremdlich klingt.

Für eine Komödie nicht witzig genug, für einen Horrorfilm nicht fesselnd genug, für „irgendwas dazwischen“ zu anspruchslos und nichtssagend, ist „The Visit“ seltsam missglückt.

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