Blochin - Die Lebenden und die Toten

Krimi | Deutschland 2013-15/2019 | 90 (Pilot) 59 (Folgen 2-4) 92 (Folge 5) 109 (Folge 6 "Das letzte Kapitel") Minuten

Regie: Matthias Glasner

Ein Berliner Kriminalkommissar mit intaktem Familienleben wird von seiner Vergangenheit eingeholt und erkennt, wie porös das Fundament ist, auf dem seine Existenz errichtet ist. Er gerät in kriminelle Machenschaften, die internationale Dimensionen annehmen und bis in höchste Regierungskreise reichen, wobei sich nach und nach schreckliche Ereignisse aus den 1980er-Jahren offenbaren, in die er verwickelt war. Atmosphärisch dichter, spannender (Fernsehserien-)Kriminalfilm, in dem es nicht um einzelne Fälle geht, sondern um Problemfelder, die sich um die vorzüglich gespielte Hauptfigur ausbreiten. Dessen großes, auffallend heterogenes und weitgehend unprofessionelles Team schmälert bisweilen den guten Gesamteindruck. 2019 entstand mit „Blochin - Das letzte Kapitel“ eine verspätete finale Folge der Serie, die zwei Jahre nach den ersten fünf Episoden spielt und die Geschichte von Blochin mit einem Höchstmaß an Tristesse und Düsterkeit ziemlich ungelenk zu Ende führt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2013-15/2019
Regie
Matthias Glasner
Buch
Matthias Glasner
Kamera
Jakub Bejnarowicz · Sonja Rom
Musik
Lorenz Dangel
Schnitt
Heike Gnida
Darsteller
Jürgen Vogel (Henry Blochin) · Thomas Heinze (Dominik Stötzer) · Jördis Triebel (Katrin Steinbrenner) · Christoph Letkowski (Yorik Geier) · Agnieszka Piwowarska (Magda Iwinska)
Länge
90 (Pilot) 59 (Folgen 2-4) 92 (Folge 5) 109 (Folge 6 "Das letzte Kapitel") Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12 (Folge 4: ab 16)
Pädagogisches Urteil
- Ab 16.
Genre
Krimi | Serie

Heimkino

Verleih DVD
Studio Hamburg (16:9, 1.78:1, DD2.0 dt.)
Verleih Blu-ray
Studio Hamburg (16:9, 1.78:1, dts-HD2.0 dt.)
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Diskussion

Blochin - Folge 1-5

Blochin (Jürgen Vogel) ist Kriminalkommissar in Berlin. Er hat Frau und Kind. Sein Chef ist zugleich sein Schwager. Sein Leben funktioniert. Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse und er erkennt, wie porös das Fundament ist, auf dem seine Existenz errichtet ist. Die Vergangenheit holt ihn ein. Und vermischt sich mit kriminellen Machenschaften, die internationale Dimensionen annehmen und bis in höchste Regierungskreise reichen.

Diese Erfahrung in der Vergangenheit, die so genannte "Backstory-Wound", ist zu einem zentralen Element des seriellen Erzählens avanciert, weil sie ausführlicher in Rückblenden gezeigt und verzögert erzählt werden kann. Nach und nach entsteht erst ein Bild der Vergangenheit, das sich wie ein Puzzle zusammensetzt. In "Blochin" ist diese Erfahrung aus der Vergangenheit zu Beginn jeder Folge in Schwarzweißbildern eingefangen; schreckliche Ereignisse aus den 1980er-Jahren, als Blochin ein Teenager war.

Doch seine Vergangenheit hat noch mehr zu bieten, so viel, dass man sich fragt, wie Blochin überhaupt Polizist werden konnte. Doch bei der Polizei, die man hier sehen kann, sollte man solche Fragen nicht stellen. Das Team ist groß, auffallend heterogen und weitgehend unprofessionell. Gisa Flake spielt die albernste Polizistin, die bislang im deutschen Fernsehen zu sehen war. Thomas Heinze in der Rolle des Schwagers und Dienststellenleiters Dominik Stötzner bietet zeitweise groteskes Overacting. Unterhaltsam und spannend ist das Ganze dennoch, vor allem dank Jürgen Vogel in der Hauptrolle, aber auch durch die Erzählweise. Es geht nicht um einzelne Fälle, sondern um Problemfelder, die sich um die Hauptfigur ausbreiten, deren Dimensionen am besten mit den Mitteln der Fortsetzungsserie erzählt werden können. Das gelingt Matthias Glasner mit seiner Serie auch ganz passabel. Was "Blochin" in fünf Episoden erzählt, ist ein Lichtblick in der deutschen Krimiserien-Landschaft und weckt Erwartungen an die zweite Staffel.

 

Blochin - Das letzte Kapitel

Mit Blochin erschien im September 2015 ein Polizist im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wie man ihn in dieser Form selten erlebt hatte. Angetrieben durch eine schmerzhafte Vorgeschichte, die das Schlimmste befürchten lässt, überschreitet der von Jürgen Vogel verkörperte Kriminalkommissar Blochin alle Grenzen der üblichen Polizeiarbeit im Kampf gegen die russische Mafia in Berlin. Das erinnerte an Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“, auch wenn "Blochin" daran letztlich erzählerisch und schauspielerisch nicht ganz heran reichte.

Eigentlich war eine zweite Staffel geplant, die auch schon entwickelt wurde, doch waren die Einschaltquoten letztlich doch nicht so, dass sich das ZDF ein solches Unterfangen getraut hätte. Stattdessen drehte Matthias Glasner einen abschließenden Fernsehfilm. Der spielt zwei Jahre nach den Ereignissen der ersten Staffel. Den Mord des Killers Kyrill an seiner Tochter, der die fünfte Episode zu einem perfiden Höhepunkt hochschraubte, hat Blochin zu einem düsteren Rächer gemacht, der zu noch drastischeren Methoden greift als zuvor. Kaum geschehen – es handelt sich um eine Entführung – sieht die Dramaturgie einen Zeitsprung vor und fünf Tage später kommt es zu einer Schießerei zwischen mehreren Personen mit Todesfolge. Blochin und Dominik Stötzner (Thomas Heinze) sind darin verwickelt und werden festgenommen, weil der Fall intern untersucht werden muss. In den Verhören wird rückblickend erzählt, wie es zu dieser Schießerei gekommen und wie sie verlaufen ist.

Es gibt noch weitere Rückblenden, und zwar in die Kindheit Blochins. Da gibt es noch ein Geheimnis zu lüften – ein schauderhaftes, so viel sei verraten. Es hat wie fast alles in diesem Film mit Schuld zu tun. Blochin trägt so viel Schuld auf seinen Schultern und Wunden an seinem Körper, dass es selbst Jürgen Vogel kaum noch gelingt, dies glaubwürdig zu verkörpern, auch wenn er sich wacker hält in seiner Darstellung dieses Schmerzensmannes. Ein zerquälter Held ist dem Film aber nicht genug, und so ist auch Stötzner geplagt von seinen unmoralischen Taten. Immerhin hält sich Thomas Heinze im Vergleich zu seinem bisweilen grotesken Spiel in den ersten Episoden etwas zurück. Doch die Bedeutungsschwere ist ihm immer noch in jedes gesprochene Wort, in jede Bewegung seines schlaksigen Körpers eingeschrieben.

„Blochin – das letzte Kapitel“ ist so dermaßen düster und schwer inszeniert als handele es sich um das letzte Kapitel der Menschheit. Eine Dystopie der Auflösung von Gut und Böse, angesiedelt nicht in Gotham City, sondern in Berlin. Die Berlin-Mafia-Serien haben damit ihren Zenit überschritten. Es wird Zeit, neue Handlungsorte zu finden.

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